Serie: Ein Schwede in Düsseldorf (3): Viel Gutes, nur kein Safranbrot
zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 17:39Chris Ajaxson (hier ein Kurzporträt)kommt aus Schweden und absolviert derzeit ein Praktikum bei RP Online. Er hat sich schnell in Düsseldorf eingelebt. Dennoch ist für ihn vieles anders. In seiner Serie schreibt er über Düsseldorf aus der Sicht eines Touristen. Thema Heute: Die Bäckereien in der Altstadt.
Ich freue mich sehr über die große Menge Bäckereien in Düsseldorfs Altstadt. Man muss nicht lange suchen, um sie zu finden. Weil Bäckereien in Schweden oft in Supermärkte einziehen, sind unabhängige Geschäfte nicht oft zu sehen.
Dieses Mal habe ich mich folgendes gefragt: Wie schmeckt das deutsche Brot? Welche sind die Kuchen und Süßigkeiten, die man in Düsseldorf zu Weihnachten isst? Was vermisse ich aus Schweden? Wie wird man behandelt, wenn man in die Bäckereien geht, redet man mit dem Bäcker?
Die Bäckerei Hinkel
An der Mittelstraße sehe ich plötzlich ein riesiges Schaufenster. Auf der anderen Seite der Scheibe liegen zahlreiche frische Brotsorten vor meinen Augen wie Oberländer, Schlesisches Brot, Schweizerbrot und Elsässerbrot. Sogar eines der größten, das ich jemals gesehen habe: Dem Zettel nach ist es ein zwei Kilo schweres Münsterländer, genug um drei große Familien zu versorgen. Ich betrete den Laden. Hier können meine Fragen bestimmt beantwortet werden.
Wenn man nach Chef oder Chefin in einem Geschäft fragt, ist es, meiner Meinung nach, selten, dass er oder sie wirklich da ist. Deswegen freut es mich, dass der Chef in der Bäckerei Hinkel auf der anderen Seite der Theke steht. Er heißt Josef Hinkel und betreibt als Bäcker in der vierten Generation die Bäckerei. Er redet und quatscht mit den Kunden und scheint mir sympathisch.
Die Bäckerei ist immer voll von Kunden. Als ich frage, ob das stressig ist, antwortet Josef Hinkel: Nein, es ist ein ruhiger Montag. Ruhig, mit so vielen Menschen?
Dann stelle ich mir vor, wie es wohl an den letzten Tagen vor Weihnachten ist ...
Ich bekomme einige leckere Brötchensorten angeboten. Besonders gefällt mir die Laugenstange. Sie schmeckt salzig und lecker. Andere meiner Favoriten sind Müslibrötchen und Mohnbrötchen. Die habe ich oft in Schweden gegessen und die schmecken in Düsseldorf so gut wie in Stockholm.
Etwas Süßes probiere ich auch: Schokoladenprinte. Die sehen wie kleine Schokoscheiben aus. Das ist für mich eine völlig neue Erfahrung. Und es ist einfach so gut! In weniger als einer Sekunde stellt sich das Weihnachtsgefühl ein. Die Mischung von, unter anderem Schokolade, Roggenmehl, Zimt und Kardamom ist einfach Klasse. Eine Tüte Schokoladenprinten nehme ich mir bestimmt nach Schweden mit, wenn ich in meine Heimat zu Weihnachten zurückkehre. Das würde meine Familie sehr freuen.
Als ich danach frage, erzählt mir Josef Hinkel dass das Rezept von seinem Urgroßvater entwickelt wurde. Was vor mehr als einhundert Jahren ein Erfolg war, wird bestimmt auch noch in mehreren hundert Jahren ein Erfolg sein, stelle ich mir vor.
Was ich leider nicht finden kann ist Safransbrot. Das ist ein Gebäck aus Schweden. Ich dachte zu Anfang, dass ich es entdeckt hätte – aber hatte unrecht: Safransbrot sieht fast gleich aus wie der Weckmann. Dieser ist aber nicht mit Safran gebacken, finde ich heraus. Naja. Man kann vielleicht nicht erwarten dass man in Deutschland isst, woran man aus Schweden gewöhnt ist.
Was ist denn das populärste Brot der Kunden, in dieser Zeit? Herr Hinkel weiß Bescheid: das Schwarzwälder.
Oehme
Ich bin nicht weit gegangen, bevor ich Oehme an der Grabenstraße finde. Von außen kann man auf einem Schild lesen, dass hier, ähnlich wie bei Hinkel, Brot und andere Leckerbissen angeboten werden. Ein Unterschied ist, dass es für die Kunden ein Café gibt, in dem man sitzen und essen kann. Es wird „chilled-out-Musik“ gespielt und auf einem großen Bildschirm werden die Nachrichten gezeigt. Es ist ruhig hier.
Weil ich schon bei der Bäckerei Hinkel gefrühstückt habe, will ich jetzt was anderes probieren. Ich schaue mir die Reihen von Süßigkeiten in Oehme an. Immer noch kein Safransbrot. Ich muss höchstwahrscheinlich warten, bis ich in Stockholm bin. Allerdings gibt es einen frisch gebackenen Winterapfelkuchen – den will ich. Der kommt mir bekannt vor. Danach will ich auch der Weckmann probieren sowie etwas, was für mich ein bisschen komisch klingt und aussieht: Herrenschnitte. Zusammen mit einem Milchkaffee gehe ich ins Café.
Als wäre ich in meiner Omas Wohnzimmer, genieße ich alles. Es ist sehr leise und gemütlich hier und als ich mich auf das Sofa setze, nicke ich den anderen Gästen zu.
Ich schaue den Weckmann an. Es dauert ein bisschen bevor ich verstehe, was das weiße Teil auf seinem Bauch ist. Es ist aber natürlich eine Pfeife. Es sieht aus, als hätte jemand sie in sein Auge gedrückt.
Der Winterapfelkuchen ist super lecker, und ich denke dass ich gerne wieder zu Oehme gehe.
Terbuyken
Eigentlich kann ich nicht mehr essen, aber als ich auf meinem Weg zurück zur Redaktion bin, sehe ich noch eine Bäckerei. Ich stehe gerade an der Straßenbahnhaltestelle Heinrich-Heine-Allee in der Altstadt. Ich habe dort schon oft gewartet, aber bin noch nicht in der Bäckerei gewesen.
Im Unterschied zu der ruhigen Stimmung bei Oehme, ist hier die Tür geöffnet und Leute gehen ein und aus, um schnell einen Kaffee zu holen oder ein Stück Kuchen. Obwohl es draußen kalt und grau ist, ist es in Terbuyken schön warm.
Die Spezialisierung auf Kunden, die nicht so viel Zeit haben, passt mir perfekt. Durch das Fenster wähle ich schon was ich bestellen werde. Der Service ist prima und ich finde auch einen Tisch, an dem ich ruhig stehen kann.
Die Dekoration sorgt auch für das rechte Weihnachtsgefühl. Aus dem Dach hängen zahlreiche Weihnachtsmannmützen und auf meinem Tisch liegt eine Orange mit Nelken drin.
Fazit
Die Düsseldorfer Bäckereien bieten alle möglichen Leckerbissen an. Brot würde ich mir hauptsächlich bei Bäckerei Hinkel kaufen. Weil Oehme eine gemütliche Caféstimmung bietet, weiß ich, wo ich das nächste Mal hingehen werde, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Terbuyken ist perfekt, wenn man nicht so viel Zeit hat, um das Weihnachtsgebäck für zu Hause zu besorgen.
Leider habe ich kein Safranbrot gefunden. Aber vielleicht kommt das irgendwann auch nach Düsseldorf. Bislang exportieren wir aus Schweden hauptsächlich Wasa Knäckebrot. Wer hier in der Stadt Safransbrot einführt, kann bestimmt mit großem Erfolg rechnen ...
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