Badora, Flimm und Paul waren eingeladen: Viel Theater beim Kö-Talk
VON BIRGIT KRANZUSCH - zuletzt aktualisiert: 10.06.2005 - 10:32Düsseldorf (dto). Es war ein Treffen unter Freunden. Freunde, die allesamt aus der Welt der Kultur kommen, jedoch alle mit einem anderen Blick in die Zukunft. Während Jürgen Flimm, einer der international angesehensten Theater- und Opernregisseure als Intendant der Ruhrtriennale einer aufregenden Zeit ins Auge blickt, schaut Artist und Clown Bernhard Paul ("Circus Roncalli") dem 30-jährigen Zirkus-Jubiläum entgegen. Und Anna Badora? Die Intendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses wollte über ihre Zukunftspläne nicht viel verraten.
Theaterluft lag am Donnerstagabend in der Kö Galerie. Moderator Jan Hofer begrüßte beim vergangenen Kö-Talk wieder interessante Gäste. Jürgen Flimm, Anna Badora und Bernhard Paul kennen sich alle persönlich seit vielen Jahren. So war Anna Badora in Köln einmal die Regie-Assistentin von Jürgen Flimm und der wiederum ist seit vielen Jahren mit Bernhard Paul befreundet und hat viele Projekte mit ihm gemacht.
Jürgen Flimm, dem in diesem Jahr die Ehrendoktorwürde der Universität Hildesheim verliehen wurde, hat im Moment alle Hände voll zu tun. War er seit 2002 Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele ist er in diesem Jahr Intendant der Ruhrtriennale. „Die Westfalen sind tolle Leute“, sagt er und weil der Pott so fußballverrückt ist, kündigte er am Donnerstag für das Kulturfest ein Fußballoratorium an. Zwei mal 45 Minuten wird gesungen und musiziert, um „Freund und Leid der Fußballspiele zu besingen“, so Flimm.
Flimm und Bernhard erzählten Anekdoten aus ihren gemeinsamen Projekten, wie das Theaterprojekt, dass sie vor vielen Jahren einmal gemeinsam in Köln durchgeführt haben und das zu enormen Verärgerungen mit der Stadt führte, weil Flimm ein Denkmal versetzen ließ, damit Pauls Löwen nicht von links in die Manege einlaufen musste. Paul selbst hat sogar eine Sammlung von Briefen aus Verwaltungen und Behörden angelegt, denn Zirkus ist oft nicht ohne Probleme zu realisieren. „Das Nashorn ist geruchlos und geräuscharm unterzubringen“ ist einer seiner Lieblingsformulierungen aus seiner Sammlung.
Intendantin Anna Badora ist seit ihrem fünften Lebensjahr vom Zirkus fasziniert. Dennoch ist das Theater ihre Bühne geworden und den Beruf der Regisseurin hat sie sich hart erarbeitet. Sie ist die erste weibliche Studentin für Regie in Wien gewesen und auch heute noch eine der wenigen weiblichen Intendantinnen in Deutschland. Seit neun Jahren ist sie Intendantin am Düsseldorfer Schauspielhaus, das kommende Jahr wird ihr letztes in der Landeshauptstadt sein. Ihre Nachfolgerin ist Amelie Niemann, die noch in Freiburg Intendantin ist.
„Alles in allem war es eine gute Zeit und eine interessante Arbeit hier“, sagt Badora. Der Anfang sei jedoch nicht leicht gewesen. Drei bis vier Jahre habe sie gebraucht, um sich zu etablieren, den Umgang mit Politikern zu lernen. „Düsseldorf ist kein einfaches Pflaster“, sagt sie. „Man wird erst anerkannt, wenn man schon wieder weg ist.“ Nach zehn Jahren wird sie den Platz für ihre Nachfolgerin räumen und sie geht mit einem lachendem und einem weinendem Auge. „Eigentlich sind zehn Jahre genug, aber es tut mir wegen der Stadt und meinen Freunden trotzdem leid.“
In ihrer kommenden und letzten Spielzeit in Düsseldorf hat sie noch viel vor. 15 Premieren und ein mitteleuropäisches Theaterprojekt wollen realisiert werden. Wo sie ab 2006 arbeiten wird, dazu will sie zurzeit nichts sagen. „Es ist noch nichts spruchreif, nach Polen gehe ich jedoch nicht zurück, ich habe im deutschsprachigem Raum meine Reibungspunkte gefunden, in meiner Heimat könnte ich nicht mehr arbeiten.“
Der Kö-Talk geht jetzt erst einmal in die Sommerpause und wird am 1. September wieder zum nächsten Talk einladen.
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