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Rekordwert von 8,9 Prozent: Viele krank: Rheinbahn kappt Zulage

VON JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 26.04.2011 - 07:16

Düsseldorf (RPO). Im vergangenen Jahr hatte der Krankenstand einen Rekordwert von 8,9 Prozent erreicht. Der Vorstand reagiert darauf mit Gehaltskürzungen. Betroffen sind davon jene, die durch Schichtdienste besonders belastet sind. Der Betriebsrat drängt darauf, dass diese Regelung abgeschafft wird.

Rheinbahnfahrer müssen zehnprozentige Einbußen bei den Nachtzuschlägen hinnehmen.  Foto: RP, Andreas Endermann
Rheinbahnfahrer müssen zehnprozentige Einbußen bei den Nachtzuschlägen hinnehmen. Foto: RP, Andreas Endermann

Der anhaltend hohe Krankenstand bei der Rheinbahn führt zu teilweise empfindlichen Gehaltseinbußen bei Beschäftigten. Sie müssen seit Jahresbeginn auf zehn Prozent ihres Einkommens verzichten – auch diejenigen, die nicht krank gewesen sind. Hintergrund ist eine zehn Jahre alte Vereinbarung zwischen Vorstand und Betriebsrat: Sie sieht vor, dass das Unternehmen Zulagen einbehalten darf, sobald der durchschnittliche Krankenstand auf über 6,8 Prozent steigt. Im vergangenen Jahr lag er bei 8,9 Prozent, so dass zum ersten Mal die vollen zehn Prozent gekürzt worden waren. Die Toleranzschwelle liegt jedoch bei 8,6 Prozent. Die einbehaltene Summe beträgt nach RP-Informationen 800 000 Euro.

Bereits in den vergangenen Jahren hatten große Teile der Belegschaft Einschnitte hinnehmen müssen, allerdings betrugen die Abzüge maximal fünf Prozent. Jetzt aber trifft es alle, die nachts, sonn- und feiertags sowie an Samstagen arbeiten, mit voller Härte. Ein Rechenbeispiel: Ein Rheinbahner in der untersten Gehaltsstufe verdient 1700 Euro brutto, ihm werden seit Jahresbeginn jeden Monat 182 Euro netto abgezogen. Betroffen von dieser Betriebsvereinbarung sind auch Rangierer, Reinigungskräfte und Arbeiter in den Werkstätten – also diejenigen, die durch Schichtarbeit und Sonderdienste besonders belastet sind.

1000 Unterschriften gesammelt

"Die Stimmung ist am Tiefpunkt", sagt ein Rheinbahner. Er und mehr als 1000 seiner Kollegen haben sich an einer Unterschriftenaktion der Liste Michael Pink beteiligt. Der frühere Betriebsratsvorsitzende hatte daher die Gewerkschaften Verdi und Komba aufgerufen, mit dem Arbeitgeberverband zu verhandeln, um künftig einen zehnprozentigen Abzug bei den so genannten Zeitzuschlägen zu vermeiden. Derweil hat es auch schon ein erstes Gespräch zwischen einer Kommission des Betriebsrats und dem Rheinbahn-Vorstand gegeben.

Die Gespräche waren allein schon deshalb notwendig geworden, weil die Vereinbarung Ende des Jahres ausläuft. Verdi ist zuversichtlich, dass sich Vorstandschef Dirk Biesenbach und Arbeitsdirektor Klaus Klar auf eine Lösung einlassen, die den Arbeitnehmern entgegenkommt. "Sie haben erkannt, dass der Abzug der zehn Prozent eine besondere Härte gegenüber den betroffenen Kollegen bedeutet und in keiner Weise zur Motivation beiträgt." Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander geht davon aus, dass es zum 1. Januar 2012 zu einer "intelligenteren und gerechteren Lösung" kommen wird. Diese Regelung treibt einen Keil in die Belegschaft." Schließlich würden durch die Jetzige all jene mit bestraft, die sich für ihr Unternehmen einsetzen.

Weniger Kranke in diesem Jahr

Darüber hinaus arbeitet das neue Vorstandsmitglied Klar an Konzepten, wie der Krankenstand gesenkt werden kann. Sein Ziel: Er will das Klima im Unternehmen verbessern und die Identifikation der Kollegen mit ihrem Job erhöhen. Anfang Mai legt er dem Aufsichtsrat erste Pläne dazu vor. Bekannt ist bereits, dass sich das Unternehmen Erkenntnisse aus einer Mitarbeiter-Befragung erhofft. Sie soll im September starten. Die Letzte ist erst drei alt, knapp 60 Prozent der Rheinbahner hatten sich daran beteiligt.

Die Entwicklung beim Krankenstand ist laut Lander positiv. Der Februar-Krankenstand im Gesamtunternehmen habe 1,64 Prozent betragen. Wie weit die Kürzung der Zuschläge diese Entwicklung beeinflusst hat, vermag er nicht zu sagen. "Wenn wir eines nicht wollen, dann, dass Kollegen krank zum Dienst erscheinen." Gleichwohl gebe es auch schwarze Schafe, "wie in jedem anderen Unternehmen auch".

Noch vor zwei Jahren hatte das Verkehrsunternehmen einen anderen Weg beschritten: Es schüttete an seine Mitarbeiter 700 000 Euro als "Gesundheitsprämie" aus. Wer nicht länger als fünf Tage krank war, kassierte rückwirkend 500 Euro, wer noch unterhalb von zehn krankheitsbedingten Fehltagen lag, durfte sich über 250 Euro freuen.

Quelle: RP

 
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