Neuer Spielplan 2004/2005: Viele Premieren im Schauspielhaus
zuletzt aktualisiert: 04.05.2004 - 14:08Düsseldorf (dto). Der früh bekannt gewordene Wechsel des Theaterintendanten-Postens hatte im Februar für einigen Trubel gesorgt. Bis 2006 wird die jetzige Generalintendantin Anna Badora aber in Düsseldorf bleiben und spannendes Theater machen. Menschliche Katastrophen, ein erotischer Traum, Menschenversuche und natürlich die Liebe stehen auf dem Spielplan der kommenden Spielsaison, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Und auch beim Theaterabo gibt es eine Premiere.
Sechs Premieren und eine Uraufführung im Großen Haus sowie zwei Premieren und vier Uraufführungen im Kleinen Haus erwarten die Besucher in der kommenden Spielsaison, die im September beginnt. Große Klassiker, aber auch neue, moderne Stücke stehen auf dem Programm. Den Anfang macht das Stück "Die Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennessee Williams, das unter der Regie von Burkhard C. Kosminski am 29. September Premiere feiert.
„Lügen, Heuchelei und Selbstbetrug“ – das ist das Gesetz unseres Lebens. Nach Tennessee Williams gibt es zwei Wege daraus: "Schnaps ist der eine und der Tod ist der andere." Die Sehnsucht nach Liebe, Lebenslügen, Einsamkeit und Sexualität, das sind Williams Themen. Sein Stück ist eine Abrechnung mit der Verlogenheit des amerikanischen Traums: vom erfolgreichen Selfmademann, von ewiger Jugend und idealer Freundschaft. Ein amerikanischer Familienclan zerfällt, weil er längst marode ist und verstrickt in einer Welt aus Lügen und Leidenschaften.
Mit dem Stück "Woyzeck" kommt auch wieder Georg Büchner an das Schauspielhaus. "Woyzeck" (geschrieben 1837) gilt als erstes bedeutendes soziales Drama deutscher Sprache. Es ist aber auch ein grandioses, böses Weltmärchen, kühn in Dramaturgie und Sprache, ein Schreckenstraum von unheimlich suggestiver Kraft. Regisseur Thomas Bischoff, der in Düsseldorf bereits erfolgreich "Die Präsidentinnen" inzsenierte, zeigt die Geschichte von dem mittellosen Woyzeck, der von seinem Hauptmann misshandelt und von einem Arzt für medizinische Versuche benutzt wird. Als seine Freundin Marie auch noch mit einem anderen tanzt, verfällt Woyzeck mehr und mehr dem Wahnsinn. Premiere ist am 29. Januar 2005.
Außerdem im Programm im Großen Haus: Hendrik Ibsens "Peer Gynt" (Premiere 20.11.04), Anton Tschechows "Der Kirschgarten" (09.04.05), "Süden" von Julien Green (30.05.05) und "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare (01.07.05). Uraufführung feiert am 23. Oktober "Schwarz&Weiß". Die Geschichte um eine DVD-Kopie eines Films, den bisher wohl niemand je ganz und zu Ende gesehen hat wird von Schauspieler Dominique Horwitz zusammen mit Desvignes Nachdichtung innerhalb eines Chansonsabends mit Liedern von Komponisten der "nouvelle chanson française" als Weltpremiere präsentiert.
Uraufführungen im Kleinen Haus
Neues und Spannendes auch im Kleinen Haus. Generalintendantin Anna Badora startet die Saison mit "Nacht". Ein polnischer Autodieb wird in Deutschland bei einem Raubüberfall erschossen. Seine Leiche wird in die Heimat überführt. „Nacht“ ist ein wahnwitziges Oratorium: Freunde und Komplizen besaufen sich mit Wodka. Verwirrt versuchen sie sich darüber zu verständigen, was geschehen ist. Von jungen Mädchen wird erzählt, die auf die Diebe warten, von trauernden Müttern und Großmüttern, die sich über Deutsche und Russen unterhalten, ja der Verstorbene selbst meldet sich zu Wort. Premiere ist am 27. November.
Am 19. Februar dann die Uraufführung von "Ernst ist das Leben" von Oscar Wilde in einer Fassung von Elfriede Jelinek. Sie hat in ihrer Bearbeitung Wildes berühmtestes und meistgespieltes Stück in eine virtuose Groteske über Sein und Schein verwandelt, die in ihrem sprachlichen Erfindungsreichtum und ihrer Bösartigkeit die Konventionen des gesellschaftlichen Umgangs lustvoll entschleiert.
Auch neu im Schauspielhaus: Das Schauspielhaus und Die Deutsche Oper am Rhein bieten ein gemeinsames Abo an. Sechs Vorstellungen, drei in der Oper – jeweils sonntags um 15.00 Uhr, drei im Schauspielhaus – jeweils sonntags um 18.00 Uhr können gebucht werden. Das Abo kostet ab 119,70 Euro. Für alle Vorstellungen bieten die Häuser außerdem die kostenlose und professionelle Kinderbetreuung (3-9 Jahre) an.
Von BIRGIT KRANZUSCH
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