Stadt-Sparkasse verleiht Literaturpreis an Christoph Peters: Vier Stunden schreiben und dann einen Kaffee
zuletzt aktualisiert: 23.06.2004 - 16:43Düsseldorf (dto). Der Alltag von Christoph Peters ist genau geregelt. Um neun Uhr setzt er sich an seinen Computer, arbeitet rund vier Stunden hochkonzentriert, dann ist Feierabend. Zeit für einen Kaffee oder einen Spaziergang mit seiner kleinen Tochter rund um seinen Wohnort, den Prenzlauer Berg. Doch damit ist kein typisches Beamten-, sondern ein Dichterleben skizziert.
Und zwar ein erfolgreiches, zwei Romane und einen Erzählband hat der aus dem niederrheinischen Kalkum stammende Peters bislang veröffentlicht und jetzt den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Düsseldorfer Stadtsparkasse erhalten.
Verliehen wird der „d.lit-Literaturpreis“ an Werke mit einem deutlichen Bezug zu anderen Kunstformen, wobei das „d“ zugleich für Düsseldorf als auch den deutschen Sprachraum steht. Die Auszeichnung traf Peters „überraschend“, obwohl er doch schon an offizielles Lob gewohnt war. Für seinen ersten Roman „Stadt, Land, Fluss“ (1999) erhielt der 38-Jährige bereits den „aspekte“- und Niederrhein-Literatur-Preis. 2001 veröffentlichte er seinen von der Kritik hoch gelobten Erzählband „Kommen, gehen, manchmal bleiben“. Positive Reaktionen gab es auch für seinen 2003 erschienenen Roman „Das Tuch aus Nacht“, in dem ein Bildhauer sich bei der Suche nach dem Mörder eines Juwelenhändlers zwischen Rausch, Wirklichkeit und Halluzination verliert.
Jugendliche Berufung
Der Weg zum Schriftsteller verlief bei Peters keinesfalls geradlinig, obwohl ihm schon im Alter von 16 Jahren klar war, dass er „etwas Wichtiges mitzuteilen habe“. „Mit 17 habe ich an meinen ersten Miniaturen gesessen“, erzählt der Autor, der sich lange nicht zwischen Kunst und Literatur entscheiden konnte, in Karlsruhe Malerei studierte und immer nebenher schrieb. Es war aber gerade die Malerei, die am Ende zu einer Entscheidung für das Dichten führte. Zum einen fühlte er sich von den „Pseudo-Skandalen der Kunstwelt befremdet. Viel wichtiger aber: „Beim Schreiben kann ich Konstruktion und Improvisation vereinbaren, was mir in der Malerei nie gleichzeitig gelungen ist“, erklärt der Autor.
Was das bedeutet, zeigt die Struktur von „Stadt, Land, Fluss“, ein Roman aufgebaut wie ein spätgotischer Flügelaltar, mit Hauptteil, zwei Flügeln und Gelenkstellen. Passend zum Protagonisten, einem Kunsthistoriker, der sich mit der niederrheinischen Schnitzkunst des 16. Jahrhunderts befasst. Noch etwas zeigt sich exemplarisch: Peters Romane führen gerne mal in entlegene Wissensgebiete, die Recherche braucht also Zeit. Die lässt sich der Autor, der erklärtermaßen schöne Sätze liebt. Acht bis zehn Jahre plant er lange Texte, noch mal zwei bis drei Jahre dauert es, das Werk aufs Papier zu bringen. Ungefähr eine Seite pro Tag ist das erklärte und in der Regel auch realisierte Planziel.
„Verkannt werden gehört dazu“
In kleinen Schritten und trotzdem überraschend kam dann der Erfolg. „Entdeckt“ wurde Peters in jungen Jahren auf einer Geburtstagsfeier, auf der er spät nachts mit seinen Werken für Furore sorgte. Es folgten erste Veröffentlichungen in kleinen Verlagen. 1995 schickte er dann seinen ersten Text auf Rundreise durch die Verlage und erntete zunächst reihenweise Absagen.
Frustriert hat Peters das alles nicht. „Ich hatte ein spät-romantisches Künstlerbild, bei dem Verkanntwerden einfach dazu gehörte“, erzählt er. Jahre lang arbeitete er als Fluggastkontrolleur in Frankfurt, schrieb nebenher, und hatte sich in seinem Doppelleben ganz gemütlich eingerichtet. Die Zeiten brotloser Kunst gehören seit seinem Romandebüt aber der Vergangenheit an, mittlerweile kann Peters gut von seinen Berufung leben. Und der Stoff geht ihm sowieso nicht aus. Zurzeit sitzt er an Geschichten für einen Erzählband und einem weiteren Roman - bis es wieder Zeit für den täglichen Kaffee oder Spaziergang wird.
Info:
Am 24. Juni um 20 Uhr liest Christoph Peters im Heinrich-Heine-Institut. Eintritt: 6 (erm. 4) Euro.
Von Maike Schulte
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