Podiumsdiskussion: Vogelgrippe- Wie groß ist die Bedrohung?
zuletzt aktualisiert: 22.03.2006 - 23:02Düsseldorf (dto). Die Angst vor der Vogelgrippe beschäftigt die Gemüter, vor allem seit die Krankheit Deutschland erreicht hat. Aber wie gefährlich ist die Seuche wirklich? Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften lud am 22. März zu einer öffentlichen Vortragsveranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion ein. Dabei ging es nicht nur um die Krankheit selbst, sondern auch um die Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft.
Vor allem die Angst vor einer Pandemie, einem weltweiten Ausbruch der Krankheit, ist groß. Und rein zeitlich gesehen „sind wir fällig für eine Pandemie“, meint Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Universität Düsseldorf, in seiner Einführung. Etwa alle 30 bis 40 Jahre scheine es zu einer Pandemie zu kommen. Noch fehlt dem, inzwischen durch die Medien bekannten, Virustyp H5 N1 die Fähigkeit zur vollständigen Anpassung an den Menschen, er sei jedoch ein „Kandidat“ für eine solche Entwicklung.
Dies bestätigt auch Hartmut Hengel, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Düsseldorf, in seinem Vortrag. Besonders das artenübergreifende Auftreten des Virus gebe Anlass zur Sorge, und die Übertragungswege seien zu großen Teilen noch unbekannt. In Düsseldorf werde jedoch bald ein Labor zur Erforschung sehr gefährlicher (hochpathogener) Viren eingerichtet, wie Hengel nicht ohne Stolz hinzufügt.
Ein Vertreter des Landesgesundheitsministeriums ist ebenfalls eingeladen: Julius Siebertz berichtet von den Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung einer Pandemie in NRW. Unter anderem sollen Medikamentenvorräte für bis zu 30 Prozent der Bevölkerung angelegt werden. Ein vorläufiger Entwurf des Pandemieplans soll noch diesen Monat ins Kabinett gebracht werden.
Die wachsenden Auswirkungen der Vogelgrippe auf die Wirtschaft erläutert Brigitte Petersen vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn. Denn obwohl noch keine Krankheitsfälle bei Nutztieren in Deutschland aufgetreten sind, zeichnen sich erste Konsequenzen für die Geflügelwirtschaft ab. So ging unter anderem der Verkauf von Geflügelfleisch im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zurück. Und nicht wenige sind von den wirtschaftlichen Problemen betroffen: Allein in Düsseldorf gibt es 2079 Geflügelhalter. Petersen ist sich sicher, dass trotz vorbeugender Maßnahmen die Halter sich mittelfristig auf ein Übergreifen der Seuche auf Nutztiere einstellen müssen.
Die Veranstaltung der Akademie richtete sich hauptsächlich an ein Fachpublikum, etwas Vorkenntnis war schon von Nöten, wenn der Zuhörer den Vortragenden in allem folgen wollte. In der Podiumsdiskussion ging es dann auch vorwiegend um fachspezifische Fragen. Aber ebenso war die sichere Zubereitung von Geflügelfleisch von Interesse: „Am besten gut durchbraten“, sind sich da die Redner einig.
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