Thema Demenz: Voller Saal bei RP-Sprechstunde
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 14.08.2009 - 07:22Düsseldorf (RPO). Die Ärzte André Schumacher und Michael Lorrain informierten im Haus der Ärzteschaft über Warnsignale einer beginnenden Demenz, die Risikofaktoren und Therapiemöglichkeiten. Wo Betroffene Hilfe finden, erklärte Birgit Meyer vom Demenz-Servicezentrum.
"Demenz bewegt" – so lautet nicht nur das Motto der Aktionswochen im September. Den Beweis dafür lieferte die RP-Sprechstunde in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Mehr als 300 Gäste kamen ins Haus der Ärzteschaft, ein neuer Besucherrekord. Und sie alle nahmen als wichtigstes Fazit mit: Je früher ein Patient zum Arzt geht, desto eher kann er medikamentös behandelt und der Krankheitsverlauf gebremst werden.
Denn noch ist Alzheimer, die Endform jeder Demenz, nicht heilbar. "Der Mensch kann nur vorbeugen", sagte Michael Lorrain, Facharzt für Nervenheilkunde. Als Schutzfaktoren nannte er geistige Herausforderung, mediterrane Ernährung, Bewegung und gute Stressbewältigung. Lorrain: "Damit sollten wir nicht erst mit 75 anfangen, sondern schon ab 40."
Wenn die Suppe überkocht
Allerdings kann eine Demenz auch genetische Gründe haben. Das Gen Apo E4 wird bei der Hälfte der Patienten nachgewiesen und wirkt in Zusammenhang mit fettreicher Ernährung und wenig Bewegung. Generell sind Frauen häufiger betroffen. Zudem schädigt Alkoholkonsum, weil als Stoffwechselprodukt Homocystein entsteht, das bei vielen Patienten in erhöhter Konzentration nachgewiesen wurde. "Man muss einiges für seine Gesundheit tun, um im Alter fit zu sein", so Lorrain.
Als frühe Signale für eine beginnende Demenz nannte der Düsseldorfer Hausarzt André Schumacher lebensnahe Beispiele. Etwa, dass die Suppe häufiger überkocht und der Mensch viel nach Worten suchen muss. Auch Orientierungsprobleme seien ein Hinweis, sowie dass Wochentage verkannt werden – wenn man sich etwa wundert, dass die Enkel kommen und dachte, es sei erst Mittwoch.
So bald wie möglich sollte ein Patient dann den Hausarzt aufsuchen, der die Familie und Vorgeschichte kennt, so dass er die Veränderung einschätzen kann. Er führt weitere Tests durch: eine Blutuntersuchung, eine Befragung und im Idealfall eine Kernspin-Tomografie des Kopfes. Hat er die Möglichkeit nicht, übernimmt der Facharzt die CT oder MRT. "Damit können wir eine 80 bis 90 Prozent sichere Diagnose stellen", so Lorrain.
Eine Therapie in Form von Tabletten kann das Fortschreiten der Demenz verlangsamen. "Leider werden nur 13 Prozent der Betroffenen spezifisch mit Medikamenten betreut, und die meisten Patienten kommen viel zu spät", sagt Lorrain.
Hilfreiche Tipps, wie betroffene Familien mit der Erkrankung umgehen können, gab Birgit Meyer vom Demenz-Servicezentrum. "Es ist wichtig, dass der Patient rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht schreibt", erklärte sie, und wies auf Angebote wie das "Demenznetz Düsseldorf" hin, das Betreuungs-Angebote in den Stadtteilen organisiert. Gemeinsam stellten sich die Experten den vielen Fragen des Publikums, moderiert von der Journalistin Natascha Plankermann.
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