Nach über zehn Jahren kommt die Queen auf Staatsbesuch: Von der Berliner Museumsinsel zu Rolls Royce
zuletzt aktualisiert: 21.10.2004 - 09:48Berlin (rpo). Schaulustige und Monarchie-Fans in Deutschland können sich auf Anfang November freuen: Dann haben sie eine der seltenen Gelegenheiten, einen Blick auf die britische Königin Elizabeth II. und ihren Ehemann Prinz Philip zu erhaschen - und das huldvolle Winken der Monarchin einmal ganz aus der Nähe zu sehen. Nach mehr als zehn Jahren beehrt die Queen Deutschland wieder mit einem offiziellen Staatsbesuch - ihr Programm reicht vom Museumsbesuch bis zum Businesstermin.
Die Queen wolle bei ihrem Besuch den Kontakt zu möglichst vielen Leuten suchen, betonte der britische Botschafter Peter Torry am Mittwoch in Berlin. Neben der hohen Politik - Treffen mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder - und Staatsbanketten steht auf dem königlichen Programm etwa eine Begegnung mit britischen und deutschen Jugendlichen, die zum Klimaschutz forschen. Und auch Kinder der britischen Schule in Berlin dürfen die Königin treffen.
Wer dagegen nicht zum Kreis der Auserwählten zählt, sollte sich am zweiten Tag der königlichen Visite früh auf die Beine machen: Am Morgen des 3. November werden die Queen und ihr Ehemann Prinz Philip den kurzen Weg von ihrer Luxusherberge, dem Hotel Adlon, in die britische Botschaft machen. Dort eröffnet Elizabeth II. eine deutsch-britische Klimakonferenz, bei der auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und sein britischer Kollege Jack Straw reden werden. Die Einweihung der britischen Botschaft vor vier Jahren war übrigens der Anlass für den bisher letzten Berlin-Trip der Queen, damals aber kein Staatsbesuch.
Eine weitere Chance haben Neugierige auf der Berliner Museumsinsel, wo die Queen und ihre Entourage dann die Meister in der Alten Nationalgalerie besichtigen werden. Anschließend führt der britische Architekt David Chipperfield die hohen Gäste durch das Neue Museum, das derzeit unter seiner Leitung aufwändig wieder aufgebaut wird. Auf den Spuren der Vergangenheit wandelt die Monarchin im Potsdamer Schloss Cecilienhof, wo die Alliierten 1945 die europäische Nachkriegsordnung festlegten. Dabei absolviert der für seine manchmal wenig diplomatische Ausdrucksweise bekannte Prinz Philip übrigens ein Männerprogramm: Offensichtlich findet er die Nachbildung einer englischen Seefregatte und eine Brauerei spannender als das Museum des Schlosses, das derweil seine Frau besichtigt.
Mehr als für die Vergangenheit interessiert sich Elizabeth II. aber für die deutsch-britische Zusammenarbeit der Zukunft, sei es in Wirtschaft und Kultur, bei technischen Innovationen oder im Jugendaustausch. So wird sie in Brandenburg eine der modernsten Produktionsstätten von Rolls Royce besuchen - die wohl wichtigste britische Investition in dem Bundesland und wohl auch den ostdeutschen Ländern.
Auch auf ihrer letzten Reiseetappe, die sie nach Nordrhein-Westfalen führt, trifft die Monarchin Vertreter britischer Konzerne. In dem Bundesland, das nach dem Krieg unter britische Militärverwaltung kam, sind unter anderem Vodafone und BP tätig. Bei der Gelegenheit kann sich die Queen dann den neuesten Schrei der Technik vorführen lassen, mit dem sich die Jugend aus Deutschland und Großbritannien näher kommen kann: Mit ihren Mobiltelefonen wollen Düsseldorfer Schüler eine Videokonferenz zu britischen Jugendlichen schalten. Damit aus den "Pen Pals" (Brieffreunden) von früher "Handy Pals" werden, wie Botschafter Torry schwärmte.
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