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Wissenschaftliche Kooperation mit Heidelberg: Von Hagens kaufte Leichen aus Düsseldorf

zuletzt aktualisiert: 01.03.2004 - 15:56

Dalian (dto/ddp). Nicht nur die Heidelberger Universität ist nach einem Bericht des "Spiegel" in dubiose Leichenverkäufe an den Macher der "Körperwelten"-Ausstellung verwickelt gewesen. Gunther von Hagens hat dem Bericht zufolge 1989 auch zwei Leichen aus der Düsseldorfer Anatomie erworben. Das bestätigte deren Leiter Hans-Georg Hartwig.  

In der Nacht zum 17. September 1989 transportierte  Hagens dem Bericht zufolge im privaten VW die Leiche eines 25-Jährigen Aids-Toten von Düsseldorf nach Heidelberg. Der Transport fand im Rahmen einer "wissenschaftlichen Kooperation zum Zweck der Lehre und Forschung" zwischen den Universitäten der beiden Städte statt, berichtet Hartwig. Die Kooperation mit dem "Plastinator" wurde zwei Jahre später aufgelöst. Grund sei das Fehlen einer zuverlässigen Dokumentation gewesen. Hagens gehörte bis 1996 der Universität Heidelberg als  wissenschaftlicher Mitarbeiter an.

Uni Heidelberg bestätigt Millionengeschäft

An der Universität Heidelberg hat es Anfang der 90er Jahre ein Millionengeschäft mit Präparaten menschlicher Leichen gegeben. "Zwei bis drei Millionen Mark" aus dem Verkauf von solchen Plastinaten an andere Medizininstitute seien damals auf ein eigens dafür eingerichtetes Drittmittelkonto der Universität geflossen, sagte der Pressesprecher der Universität, Michael Schwarz, am Montag auf ddp-Anfrage. Er bestätigte damit weitgehend einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Die entsprechenden Geldeingänge seien "formal überprüft" und dann dem Anatomie-Institut der Universität zugewiesen worden, an dem der umstrittene Initiator der Ausstellung "Körperwelten", Gunther von Hagens, bis 1996 Mitarbeiter war. Diesem seien nach einer Dienstvereinbarung 15 Prozent aus dem Plastinationsgeschäft als Provision zugestanden worden.

Damit korrigierte die Universität ihre bisherigen Behauptungen. Ende Januar hatte Hagens' früherer Chef, Professor Wilhelm Kriz, den Vorwurf eines "schwunghaften Leichenhandels" zurückgewiesen und betont, dass mit dem Verkauf von Präparaten ein Jahresumsatz von nur rund 100 000 Mark erzielt worden sei.

Der Sprecher der Hochschule betätigte jetzt, dass es im Jahr 1991 zwei Zahlungseingänge über insgesamt 768 350 Mark gegeben habe, die aus Kuwait und Saudi-Arabien stammten. Dieses Ergebnis hätten die Ermittlungen der Innenrevision der Hochschule erbracht, die seit etwa einen Monat die Geschäfte des universitären "Plastinationslabors" überprüft. Das exakte Wissen über diese beiden Zahlungseingänge verdanke man allerdings "einem Zufall, durch den der Jahrgang 1991 im Uni-Archiv aufbewahrt wurde". Da nach der Landeshaushaltsordnung Belege nach sechs Jahren vernichtet würden, könne man die übrigen damaligen Vorgänge "heute nicht mehr überprüfen".

Von Hagens weist Vorwürf der "Geschäftemacherei" zurück

Gunther von Hagens, hat unterdessen neue Vorwürfe über ein "Millionengeschäft" mit menschlichen Präparaten zurückgewiesen. In einer aus dem chinesischen Dalian verbreiteten Erklärung betonte Hagens am Sonntag, da die "Leugnung der Wissenschaftlichkeit" seiner Arbeit bislang nicht ausgereicht habe, um die umstrittene Ausstellung zu verhindern, bediene man sich jetzt des Vorwurfs der "Geschäftemacherei". Es gebe jedoch keine "dunklen Kanäle" in denen er oder Dritte Gelder hätte verschwinden lassen.

Die Gewinne seien ordnungsgemäß versteuert und für die Forschung und Ausbildung in wissenschaftlichen Einrichtungen sowie zum Aufbau der Unternehmen verwendet worden. Dies bestätigten Wirtschaftsprüfer.


 
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