Kunst in Düsseldorf: Von Jan Wellem bis heute – die Geschichte einer Kunststadt
zuletzt aktualisiert: 17.03.2006 - 12:08Düsseldorf (dto). Als „Klein Paris am Rhein“ – so beschrieb schon Napoleon 1811 die Rheinstadt Düsseldorf. In der Tat: Kunst, Könner und Kommerz kommen hier geschäftig zusammen. Und das nicht erst seit gestern: Hier wurde Heine durch den Rhein inspiriert, hier entstand Schumanns Musik, hier führte Gründgens Regie und hier fegte Beuys durch die Akademie. Die Stadt ist reich an Kulturschaffenden. Das Heinrich-Heine-Institut, das Heine-Fest und die Clara-Schumann-Musikschule und auch die junge Szene spiegelt sich auf Bühnen, Straßen, Häusern und Festivals wie den Altstadtherbst wieder.
Wer vor dem Renaissancebau des Düsseldorfer Rathauses steht, blickt auf das bronzene Standbild von Kurfürst Johann Wilhelm II. Schon im 18. Jahrhundert bildete die kunstsinnige Residenzstadt einen Anziehungspunkt für Künstler. In unmittelbarer Nähe, in Benrath, sollte sich Kurfürst Carl Theodor 1755-1773 eine Sommerresidenz mit einem der schönsten deutschen Gartenschlösser des ausgehenden Rokoko errichten lassen.
In diese Jahre fällt die Gründung der „Kurfürstlich-Pfälzischen Academie“ und der exquisiten kurfürstlichen Gemäldegalerie. Als Entschädigung für den Verlust der Bilder während der Napoleonischen Kriege – sie wurden nach München „verschleppt“ – wurde 1819 die alte Kunstschule als „Königlich-Preußische Kunstakademie“ neu gegründet. Auf der Akademie und ihrer weit über die Landesgrenzen hinausgehenden Ausstrahlung beruht der bis heute währende herausragender Ruf Düsseldorfs als Kunststadt.
Die Akademie als Keimzelle künstlerischer Kreativität
Unter dem ersten Direktor Peter Cornelius noch ein Zentrum nazarenisch-romantischer Malerei, entwickelte sich die Akademie im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Wilhelm Schadow zu einer Institution von internationalem Rang. Insbesondere das Landschaftsgenre genoß einen herausragenden Ruf, der junge Maler aus Skandinavien, Rußland und Amerika zur Ausbildung nach Düsseldorf zog. Die „Düsseldorfer Malerschule“, mit der sich die Namen von Andreas und Oswald Achenbach verbinden, verbreitete sich in ganz Europa. Auch zu Beginn der Moderne gewann die Schule Ansehen mit Malern wie Heinrich Campendonk, Otto Pankok oder Paul Klee – engagierte Vermittler wie Alfred Flechtheim oder „Mutter“ Johanna Ey trugen zu diesem Ansehen nicht weniger bei.
Der Entzug von Klees Lehrbefugnis im Jahr 1933 durch die Nationalsozialisten markiert einen Tiefpunkt Düsseldorfer Kunstgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Avantgarde jedoch rasch einen neuen Aufschwung: Die Bewegung ZERO mit Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker organisierte von Düsseldorf aus eine Fülle von Ausstellungen und spektakulären Aktionen. Und auch das Akademie-Neumitglied Joseph Beuys zog zahlreiche andere künstlerische „Unruhestifter“ an: Die Protagonisten von Neo-Dada und Happening, Nam June Paik, George Maciunas und andere mehr, hatten 1963 auf dem Fluxus-Festival in der Aula ihren ersten großen Auftritt. Im selben Jahr organisierten drei junge Maler eine „Demonstration für den kapitalistischen Realismus“: Gerhard Richter, Sigmar Polke und Konrad Lueg – bald als Konrad Fischer einer der einflußreichsten Galeristen für Konzept- und Minimal-Art in Europa. In den 60er und 70er Jahren sorgte die einmalige Konstellation von Kunstakademie, progressiven Galerien, enthusiastischen Sammlern, der neu gebauten Kunsthalle und der unruhigen Künstlergeneration um Beuys und seine Schüler dafür, daß Düsseldorf ein Brennpunkt der Avantgarde wurde.
Die Düsseldorfer „Erfolgsgeschichte“ als Kunstmetropole riß auch in den 80er Jahren nicht ab, als Düsseldorf die Stadt darstellte, aus der die meisten Documenta-Teilnehmer kamen. In den 90er Jahren ging schließlich aus der rheinischen Landeshauptstadt ein eher sachlicher Stil der künstlerischen Fotografie hervor, der als „Becher-Schule“ bald weltweit reüssierte und Kunst(markt)geschichte schrieb. Noch immer leben zahlreiche weltweit agierende Künstler in der Stadt – Maler Jörg Immendorff, Bildhauer Thomas Schütte und Fotograf Andreas Gursky gehören dazu – und noch immer gilt es in Düsseldorf zahlreiche „unruhige“ junge Talente in allen Gattungen zu entdecken.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





