TheaterAvantgarde am Rhein 1905-1933: Vor 100 Jahren entstand das Schauspielhaus
zuletzt aktualisiert: 28.10.2005 - 16:00Düsseldorf (dto). Ende des 19. Jahrhunderts, als sich Düsseldorf zur Großstadt entwickelte, wurde die Stadt nicht nur zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“, sondern auch zu einer Theaterstadt. „Obwohl die Städte am Rhein allen Theaterleuten als unliterarisch bekannt waren, musste geltend gemacht werden, dass Düsseldorf mit seinem von Millionen Menschen bewohnten mächtigen Umland dem neuen Unternehmen größere Möglichkeiten bot als das kleine Weimar“, hatte Regisseur Gustav Lindemann einmal gesagt. Er gründete mit Louise Dumont ein Schauspielhaus für Düsseldorf, das viele Jahre Anziehungspunkt für Schriftsteller und Maler, Schauspieler und Kulturpolitiker war. 100 Jahre ist die Gründung des Theaters jetzt her, das Theatermuseum feiert dies mit der Ausstellung „TheaterAvantgarde am Rhein 1905-1933“, die noch bis zum 26. Februar zu sehen ist.
Als im Sommer 1904 in Düsseldorf mit öffentlicher Billigung die Schauspielhaus GmbH als direkte Konkurrenz zum Stadttheater gegründet wird, sind nicht nur die Gründer Louise Dumont und Gustav Lindemann finanziell daran beteiligt, sondern auch zehn Mitglieder aus angesehenen Familien wie die Poensgens oder Luegs. Die Bauarbeiten beginnen im Dezember 1904 an der Karl-Theodor-Straße/Ecke Kasernenstraße, dort wo kurz vorher Kasernen abgerissen wurde und die Wirtschaft sich ansiedelte.
Heute vor 100 Jahren, am 28. Oktober 1905, erfolgte mit „Judith“ die Eröffnungsvorstellung von Friedrich Hebbel. Was folgte, waren große Inszenierungen wie „Faust I“ unter Gustav Lindemann oder „Der Hauptmann von Köpenik“, aber auch viele Probleme. So hatte sich innerhalb des Kulturbereichs die Konkurrenzsituation erheblich verschärft, und auch die moralischen Grundwerte mussten eingehalten werden, was nicht immer geschah. „Das Schauspielhaus sah sich als geistig-orientiertes Theater, das umstritten war“, so der Leiter des Theatermuseums, Winrich Meiszies.
Von Adenauer bis Zuckmayer reichen die Brief- und Gesprächspartner Doumonts und Lindemanns. Aus der dem Haus angeschlossenen Schauspielschule geht eine neue Generation von Schauspielern wie Paul Henckels oder Gustaf Gründgens hervor, die das deutsche Theaterleben prägen. Henrik Ibsen wird zu einem der meist gespielten Autoren dieser Jahre. Nach einigen Jahren finanzieller und politischer Unruhen wird im März 1933 das Schauspielhaus geschlossen. Kurze Zeit später wird durch einen Pachtvertrag zwischen der Stadt Düsseldorf und der Schauspielhausgesellschaft das Schauspielhaus Bestandteil der Städtischen Bühnen Düsseldorfs.
Was das Theatermuseum in der Ausstellung „„TheaterAvantgarde am Rhein 1905-1933“ zeigt, sind die vielen Briefe, Fotos und Dokumente, die diese Zeit wieder aufleben lassen. Es sind Szenefotografien aus den ersten zwanzig Jahren des 20.Jahrhunderts, Bilder von Darstellern wie Heinrich Ortmeier, Maria Alex oder Peter Esser und Briefe wie zum Beispiel von Gustaf Gründgens. Veranschaulicht wird die Theatergeschichte durch eine neue mediale Ausstellungstechnik, die in Zusammenarbeit mit der Lore-Lorentz-Schule entstanden ist. So haben die Informatik-Schüler Dennis Guck und Stefan Schupp einige Bilder medial in Szene gesetzt und bewegte Fotografien programmiert.
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