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  Foto: rpo, Judith Conrady
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Das war 2010 in Düsseldorf: Vorfreude auf Lena, Streit ums Kreuz und die Jubel-WM

VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 30.12.2010 - 12:52

Düsseldorf (RPO). Was hat am meisten bewegt? Viele waren geschockt vom Unfall bei "Wetten-dass . . .?" Anfang Dezember, einige stritten um Gaslaternen, viele (aber nicht alle) freuten sich, dass der Song Contest hier stattfindet. Kapitalverbrechen erschütterten alle, viele amüsierten sich über die Diskussion, wie Gänse vom Unterbacher See verscheucht werden sollen.

 Foto: RPO
Foto: RPO

Erinnern Sie sich noch, wie das Jahr 2010 begann? Nein? Hier die Antwort: Es begann mit Eis und Schnee. Salz knapp, meldete die RP in einer ihrer Januar-Ausgaben 2010 – Schnee und Eis prägten über Tage das Bild. Am Ende kam der Schwur der Verantwortlichen: Wir lernen daraus und werden künftig immer genug Salz haben.

Stimmt, das haben sie geschafft: Als eine der wenigen Städte in Deutschland hat Düsseldorf zurzeit, zwölf Monate später, kein Problem mit Streusalz. Jedenfalls noch nicht. Wie das geheime Rezept für Löwensenf wird der Kontrakt mit dem Lieferanten und dessen Name gehütet. Man habe besondere Abkommen, raunen die Kenner, und darüber wolle man nicht reden. Klingt wie in Mario Puzos "Der Pate". Ob wir uns Sorgen machen müssen?

Pfusch und Diebstahl beim U-Bahnbau? Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Foto: RPO

Nein, müssen wir nicht. In der Stadt geht alles seinen geordneten Gang. Und der kennt nur eine Richtung: auf grader Linie nach oben. Dazu passte die Entscheidung Mitte Oktober: Düsseldorf bekommt den Eurovision Song Contest. ESC ist das Kürzel dafür, und das wird man sich merken müssen. Denn schon in wenigen Wochen wird das Thema uns beschäftigen, bereits in zwei Wochen kommt eine Delegation aus Oslo, wo unsere Lena gewann und Deutschland zum neuen Austräger des Wettbewerbs wurde.

Als OB Dirk Elbers Ende Mai verkündete "Ja, wir bewerben uns!" und stolz eine RP mit dem Foto von Lena in die Kameras hielt, da wurden wir bundesweit noch belächelt. Schließlich gingen Berlin und Hamburg mit ins Rennen. Keine Chance für die nicht gerade beliebte NRW-Landeshauptstadt, meinten alle. Am Ende war die Missgunst groß. Entscheidend, so die Fachleute, sei die Qualität der Arena gewesen - perfekt für diesen Wettbewerb.

Michael Franken quetschte sich durch einen Super-Magneten drei Finger. Foto: RPO

Fortunas Vertreibung aus der Arena – Fans schäumen immer noch

Leider jedoch auch Heimstatt der Fortuna. Es war im Vorfeld vermutlich nicht leicht, den Verein dazu zu bewegen, für drei Spiele im Mai aus der Schüssel auszuziehen. Hinter den Kulissen war mächtig Qualm in der Hütte, und viele Fans schäumen immer noch – aber schließlich einigte man sich. Inzwischen steht fest, dass für die Zweitliga-Kicker neben der Arena ein provisorisches Stadion aufgebaut wird. Das wird zwar einige Millionen Euro kosten, aber das ist egal, heißt es im Rathaus. Der Werbewert des ESC ist viel mehr wert.

Foto: RPO

Apropos Wert: Nach wie vor bleibt Düsseldorf schuldenfrei. Bereits im Januar präsentierte OB Dirk Elbers die neue Schuldenuhr am Rathaus und betonte, man werde um keinen Preis neues Geld leihen. Eher werde gespart. Ein paar Wochen später sagte er auch, wo: Im Rathaus gibt es rund 250 Stellen weniger, einige Projekte werden gestreckt. Allerdings bleibt das Ganze in Bereichen, von denen andere Städte nur träumen können. Zumal Kämmerer Manfred Abrahams im Herbst berichten durfte, die Steuereinnahmen seien viel höher als erwartet. Rund 130 Millionen, mit denen man nicht wirklich gerechnet hatte. Das gequälte (und neidvolle) Seufzen der Kämmerer der Revierstädte war bis in die Altstadt zu hören.

In Düsseldorf mussten sämtliche Kreuze in Gerichten abgehängt werden. Foto: RPO

Dort jedoch hat man ganz andere Sorgen: Welches Altstadt-Pflaster hätten wir denn gern? Typisch Düsseldorf: Da beschließt die Stadt, das gesamte Viertel neu zu pflastern, und prompt geht der Streit los, welche Steine oder Platten die Bürger künftig mit Füßen treten wollen.

Noch mehr solcher Luxus-Probleme? Bitte sehr: Seit Jahren nerven am Unterbacher See ein paar Hundert zutrauliche Nil- und Kanada-Gänse. Um die 800 werden es sein, schätzen Fachleute. Alle finden sie hübsch und possierlich, bis sie das tun, was Vögel halt tun, wenn sie reichlich Gras gefressen haben. Das mag dann keiner. Also: Die Gänse müssen weg. Frage ist nur, wie? Künstlich eingespielte Schreie von Greifvögeln wirkten nur wenige Stunden, ein echter Bussard war völlig überlastet, und zuletzt wurde im November ernsthaft erwogen, Füchse auszusetzen. Vermutlich, um die Gänse zum Gehen zu überreden. Ende offen. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Das spektakulärste Kapitalverbrechen in diesem Jahr: In Hassels wurden ein 82-jähriger Mann und seine 39-jährige Tochter von Unbekannten erschossen. Die Täter sind noch nicht gefasst. Foto: RPO

Bleiben wir bei den Tieren. Das prächtige neue Gerichtsgebäude am Oberbilker Markt war bereits bevölkert, bevor die ersten Richter im Frühjahr einzogen: Mäuseplage, hieß es Anfang März. Fallen wurden aufgestellt, Kammerjäger beauftragt. Am Ende hatte man die Lage im Griff.

Kirchen kritisieren, dass Geschäfte am Reformationstag öffnen

Aber die viel aufregenderen Neuigkeiten aus dem Gericht gab es, als die Juristen im Februar ankündigten, künftig keine Kreuze mehr in den Gerichtssälen aufhängen zu wollen. Ein Sturm der Entrüstung brach los – schließlich ist das Christentum die Religion unserer Kultur, hieß es. Die Richter blieben über Tage, ja Wochen hart – und knickten dann ein: Es werde ein Kreuz im Gericht geben, und zwar an exponierter Stelle. Wochen später wurde diskret bekanntgegeben, wo in Zukunft ein Kreuz hängen wird: im Arbeitszimmer des Landtagspräsidenten. Vor allem die Kirchen hatten gegen den Kreuz-Beschluss gewettert.

Dauerstreit: Die alten Gaslaternen. Im Vordergrund Barbara Oxenfort. Foto: RPO

Das taten sie auch im Herbst, als der verkaufsoffene Sonntag am Reformationstag Mitte Oktober immer näher rückte. Allerdings ohne Erfolg. Man habe diesen Termin bereits im Frühjahr bekanntgegeben und er sei von den Kirchen akzeptiert worden, hieß es. Die Einkaufsstadt Düsseldorf müsse solche Angebote machen, der Einzelhandel sei darauf angewiesen.

Dieser Einzelhandel war am Ende des Jahres hochzufrieden mit dem gesamten Jahr. Die Umsätze seien gut, vor allem zum Ende hin im Weihnachtsgeschäft habe man gute Geschäfte gemacht, hieß es. Wer dabei war, kann es bestätigen: Die Stadt war voll wie selten.

Das war sie auch schon bei der K-Messe im Oktober: Die Messe, die sich mit der Welt des Kunststoffs beschäftigt, bestätigte auch hier, wie schnell sich die Wirtschaft von den Finanzkrisen erholte. Innerhalb Düsseldorfs bestätigten vor allem Immobilien-Investoren diesen Trend: Gerade in der NRW-Landeshauptstadt suchten übers ganze Jahr Investoren nach guten Anlage-Objekten, kauften und verkauften. Manches allerdings fand (noch) keinen Käufer: Das Drei-Scheiben-Haus (seit dem 1. Juni leer, weil ThyssenKrupp nach Essen zog), ist derzeit noch zu haben. Das Gebäude ist nicht leicht zu vermarkten, heißt es: tolle Lage, aber hohe Modernisierungskosten.

Das schreckte andere allerdings nicht ab, denn die Stadt boomt: Keiner kann mehr die Zahl der Rankings nennen, in denen Düsseldorf auf einem der vorderen Ränge liegt – Wirtschaftskraft, Einkommen, Aussichten: Das sieht alles sehr gut aus. Und lockt Menschen an: Anfang Juni verkündete das Landesamt für Statistik, im Jahr 2026 werde Düsseldorf 638.000 Einwohner haben. Eine so noch nie publizierte Zahl. Die Kehrseite: Es gibt nicht genug Wohnungen und Häuser für diese neu kommenden Menschen. Prompt mehrten sich die Meldungen, dass Investoren hier vermehrt auf Wohnungs- und weniger auf Büro-Bau setzen.

Eine wachsende Stadt also mit hoher Wirtschaftskraft. Kämmerer Manfred Abrahams (Nachfolger von Helmut Rattenhuber) wird es freuen. Allerdings hatte er kurz nach seinem Amtsantritt im März andere Sorgen: Schlampereien in den Krefelder Finanzbehören (die er bis zu seinem Wechsel nach Düsseldorf geleitet hatte) verfolgten ihn bis nach Düsseldorf. Aber ein Disziplinarverfahren gegen ihn klärte im Herbst, dass ihm keine Vorwürfe zu machen sind.

Weniger erfreulich: Mitte November zeichnete sich ab, dass der World Team Cup in Düsseldorf (Rochusclub) ab sofort Sport-Historie ist. Hauptsponsor Arag wollte nicht mehr, ein neuer fand sich nicht. Aus für den Wettbewerb, der seit Jahren an Reiz (und daher an Zuschauern) verloren hatte.

Was hat uns noch beschäftigt? Erinnern Sie sich noch daran, dass im Januar viele Rheinbahn-Züge mit merkwürdigen Zetteln hinter den Windschutzscheiben fuhren, auf denen die Ziele vermerkt waren? Ein Software-Fehler hatte die Bordelektronik der Fahrzeuge ausgeknockt – und man half sich mit den guten alten Notizzetteln. Den Fahrgästen war es egal – Hauptsache, die Bahn fuhr. Möglicher Grund für den Datumswechsel: Der Rechner hatte womöglich ein Problem, von 2009 auf 2010 umzuschalten.

Älteren Datums sind die Gaslaternen, um die es übers ganze Jahr Streit gibt: Ein Initiative Pro Gas will die alten Leuchten erhalten. Dabei sollen sie gar nicht weg, jedenfalls nicht alle, sondern nur neue und umweltfreundlichere Leuchtkörper bekommen. Am Ende beschloss der Rat, dass 1400 Leuchten umgerüstet werden. Aber das beendet die Diskussion nicht – Fortsetzung nächstes Jahr.

Einen politischen Donnerschlag brachte die Landtagswahl am 9. Mai. Für die CDU ging es insgesamt nicht gut aus – aber ihre vier Düsseldorfer Kandidaten Olaf Lehne, Jens Petersen, Stefan Wiedon und Peter Preuß kamen alle als Direktkandidaten durch. Und von der SPD schaffte es kein Düsseldorfer Kandidat, überhaupt in den Landtag zu kommen. Bitter vor allem für Jürgen Büssow. Der schied im August aus seinem Amt als Regierungspräsident und hatte eigentlich gehofft, als Landtagsabgeordneter weiter politisch arbeiten zu können. Fehlanzeige.

Ein Loch am Tausendfüßler, aber er wackelt nicht mal

Fehlanzeigen gab es auch bei zahlreichen Prüfungen an den Baustellen der Wehrhahn-Linie – und dort waren sie hochwillkommen. Denn Anfang des Jahres waren die Verantwortlichen noch geschockt von den Ereignissen in Köln, wo im März 2009 das Stadtarchiv zusammengesackt war, weil man im Untergrund nicht ordentlich gearbeitet hatte. Irritiert hörten die Düsseldorfer, dass dieselben Fachleute auch hier tätig gewesen waren. Aufwändig prüfte man Schlitzwände und andere Bauten – am Ende atmeten alle durch, keine größeren Probleme.

Aber der Bau hielt die Stadt dennoch in Atem: Im November tauchte in einer Baugrube am Corneliusplatz mehr Wasser auf, als erwartet – ein Leck in der Seitenbegrenzung. Und ein paar Tage später entstand unterhalb des Tausendfüßlers ein 30-Kubikmeter-Loch: Tonnenweise Kies und Beton wurden eingefüllt. Aber der Tausendfüßler wankte nicht. Schade, mögen manche gedacht haben. Denn der soll ja eh weg. Er hat aber auch noch reichlich Freunde: Zuletzt Mitte März betonten sie bei einer Info-Veranstaltung nochmals, wie wichtig es wäre, ihn stehenzulassen.

Das dachten eine Reihe von Anwohnern auch übers Heerdter Dreieck, als im April klar wurde, wie gigantisch dort umgebaut wird. Für den Vodafone-Neubau (Mitte September geht es los) wird das Dreieck umgekrempelt, Überführungen und Rampen verschwinden, ein neues Parkhaus wird gebaut.

Doppelmord in Hassels – Täter noch auf der Flucht

Übrigens: Ein beschädigtes Stadtarchiv gab es auch hier. Als Anfang Juli eine Mitarbeiterin in der Theaterbühne darüber aus Versehen die automatische Löschanlage einschaltete, liefen Tausende Liter Wasser in das Archiv. Die Schäden an Dokumenten hielten sich jedoch in Grenzen.

Geschockt waren die Menschen von einem Doppelmord in Hassels Mitte Juni: Ein 82-jähriger Mann und seine 39-jährige Tochter wurden regelrecht hingerichtet. Bis heute sucht die Polizei nach dem Mörder. Und fassungslos schauten Zigtausende Düsseldorfer zu, als am 3. Dezember der junge Kandidat Samuel Koch bei "Wetten, das ...?" verunglückte. Die Show wurde abgebrochen, Samuel in der Uni-Klinik behandelt.

Kurios ein Feuerwehreinsatz Ende Oktober: Ein 25-Jähriger verletzte sich, als er sein Fahrrad mit schweren Magneten an die Garagendecke hängen wollte. Die Magnete waren so stark, dass er sich nicht allein befreien konnte, nachdem sie seine Hand eingeklemmt hatten.

U 79 für viel Geld verlängert, aber der Takt stimmt nicht

Ebenfalls so noch nie vorgekommen: Die Awista beschwerte sich Anfang November über zu schwere Mülltonnen – sie sind kaum noch aus den Kellerschächten zu hieven. Offenbar werfen die Leute Altpapier und Glas hinein. Die Müllsünder wurden ermahnt – und wer nicht hörte, wurde seinen Müll nicht mehr los. Das passierte auch ein paar Wochen später, als die Kälte Düsseldorf erneut im Griff hat: Der Müll fror ein und löste sich nicht aus der Tonne.

Ganz andere Probleme hatte die Polizei Anfang Juni: Nach glänzenden Spielen der Deutschen bei der Fußball-WM in Südafrika blockierten spontane Auto-Korsi die Innenstadt. Man versuchte, mit möglichst wenig Regeln klarzukommen. Am Ende waren alle zufrieden, wirkliche Schäden oder Verletzungen gab es nicht.

Dafür aber mal wieder Ärger auf dem Carlsplatz: Man stritt um Lammfleisch – ein Metzger verkaufte es, der andere wollte das nicht. Am Ende ging der Lammfleischstreit friedlich zu Ende.

Weniger friedlich dagegen der Zwist um die Linie U 79: Als sie im August zur Uni verlängert wurde, war klar, dass die Taktung nicht reichen wird. Erst nach massiven Beschwerden wurde nachgebessert.

Was uns noch beschäftigte? Die Fortuna-Fans freuten sich über Stehplätze in der Arena, die Stadt erlebte einen Ansturm von Fußballstars – Felix Magath, Rudi Völler und Schalke-Star Raul wohnen neuerdings dort. Und Mitte Juli sprachen wir, wie jetzt, fast nur übers Wetter: Ein Gewittersturm mit heftigem Regen brachte nach langer Hitze endlich Abkühlung.

Quelle: RP

 
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