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Massenunfall am Kaarster Kreuz: Warum Stauenden so gefährlich sind

VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 08.07.2009 - 13:22

Immer wieder kommt es auf deutschen Autobahnen zu schweren Unfällen an Stauenden - wie am Dienstagabend auf der A 52 am Kreuz Kaarst. Stauforscher wissen: Ursache sind meist Autofahrer, die sich selbst überschätzen.

"Unfälle am Stauende machen einen großen Teil der schweren Unfälle auf Autobahnen aus", sagt Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. "Besonders gefährlich ist es, wenn Lkw beteiligt sind. Dann gibt es oft mindestens Schwerverletzte."

Die Fahrer, so Schreckenberg, überschätzten häufig ihre Reaktionsfähigkeit und führen deshalb zu schnell. "Wenn lange nichts passiert ist, werden Autofahrer unvorsichtig", so Schreckenberg. Weitere Gründe für Unfälle am Stauende sind unübersichtliche Kurven und kurze Unaufmerksamkeiten, etwa wenn Autofahrer den Radiosender wechseln. In solchen Momenten gehen wertvolle Sekunden verloren, die am Ende fehlen.

Bei Regen und schlechten Sichtverhältnissen steigt die Gefahr zusätzlich. "Da hängen sich viele Fahrer an den Vordermann an, weil die Fahrbahn schlecht zu sehen ist", erklärt Schreckenberg. Viele reagieren dann zu langsam, wenn der vorausfahrende Wagen plötzlich bremst.

"Es gibt heute noch keine technischen Geräte, die Unfälle an Stauenden verhindern können", sagt Schreckenberg. Die Bremsassistenten in LKW reagieren nur auf bewegliche und nicht auf stehende Hindernisse - sonst würde sie auch bei jedem Brückenpfeiler Alarm schlagen.

Die Stauforscher arbeiten an intelligenten Systemen, die Autofahrer dennoch vor einem Stauende warnen können. Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation heißt diese Technik. Dabei sendet ein Auto, das im Stau steht, die Information an die Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn weiter. Diese übermitteln sie dann wiederum an die entgegenkommenden Autos, die gerade auf den Stau zufahren.

Vorteil dieses Systems ist, dass ein einziges Auto, das mit Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation ausgestattet ist, viele entgegenkommende Fahrer warnen kann. Daher könnte es auch dann effektiv Unfälle verhindern, wenn es nur in wenigen Autos eingebaut ist. "Zwei Prozent würden vielleicht schon reichen", schätzt Stauforscher Schreckenberg.


 
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