Mitarbeiter fürchten Schließung: Was wird aus Karstadt?
VON UWE REIMANN UND SONJA SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 07:22Düsseldorf (RPO). In Düsseldorf gibt es eine Karstadt-Niederlassung, drei Kaufhof-Filailen und das Carsch-Haus: Mitarbeiter fürchten nach einer Übernahme die Schließung eines Hauses und den Wegfall von Arbeitsplätzen. Der Einzelhandelsverband hofft auf ein Überleben von Karstadt.
Drei Kaufhof-Filialen an der Königsallee, an der Berliner Allee und am Wehrhahn, dazu das zum Unternehmen gehörende Carsch-Haus am Heinrich-Heine-Platz und eine Karstadt-Niederlassung am Wehrhahn: Düsseldorfs Warenhauslandschaft bietet den Kunden äußerst großzügige Einkaufsmöglichkeiten. Ob dies in Zukunft noch so sein wird, ist fraglich.
Sollte der Metro-Konzern die Karstadthäuser übernehmen, fürchten viele eine Schließung des Karstadthauses am Wehrhahn und den Verlust von Arbeitsplätzen. Mehr als 400 Mitarbeiter hat Karstadt im Herzen der Stadt, dazu kommen noch einmal 120 Mitarbeiter von Fremdfirmen, die Verkaufsstände in den Filialen haben. Sie alle wollen für ihren Arbeitsplatz kämpfen.
Warenhäuser ein Auslaufmodell?
"Wir halten gut durch und unterstützen uns untereinander", sagt Stephanie Venjacob, die seit 1989 als Einzelhandelskauffrau in der Filiale arbeitet, über die Stimmung im Haus. Wie es mit Karstadt weitergeht, sei Tagesgespräch, sagt Dieter Gleichmann, stellvertretender Betriebsrat, der seit 1968 als Einzelhandelskaufmann in der Filiale beschäftigt ist. In Telefonkonferenzen wird er vom Gesamtbetriebsrat über die neuesten Entwicklungen informiert. "Eigenständig zu bleiben wäre die beste Lösung", sagt er und sieht mit Spannung den Verhandlungsgesprächen am Montag und Dienstag entgegen.
Der Geschäftsführer der Karstadt-Filiale am Wehrhahn, Christoph Sattler, ist sich jedenfalls sicher: "Wenn es die Finanzkrise nicht gegeben hätte, hätte der Arcandor Konzern locker die Verlängerung von den Banken bekommen", sagte er jüngst der Deutschen Welle. Kritikern, die seit langem das klassische Warenhauskonzept als Auslaufmodell ansehen, entgegnet er die Stärke des Hauses. Schließlich seien es gerade die klassischen Warenhäuser, die Kunden mit wenig Zeit ein komplettes und kompetentes Warenangebot unter einem Dach anbieten könnten. Täglich strömen über 20 000 Kunden in das massive Bauwerk am Wehrhahn. Viele Kunden könnten sich eine Innenstadt ohne Karstadt nicht vorstellen, sagte er jüngst.
Der Sprecher der Düsseldorfer Einzelhändler, Dirk Henckel, nickt da zustimmend. "Ein funktionierendes Karstadt-Warenhaus ist sehr wichtig für Düsseldorf." Andere sehen das ganz anders. Experten beschreiben ein Beispiel: "Wenn sie in ein Warenhaus kommen und alle Artikel- und Preisschilder wären weg, wüssten sie nie, in welchem Kaufhaus sie sind." Fünf Düsseldorfer Komplett-Kaufhäuser können sich Experten dauerhaft nicht vorstellen.
Dazu gebe es zu wenig Potential an Kunden. Trotzdem rebellieren schon jetzt viele Düsseldorfer, die sich auch in Unterschriftenlisten eintragen, die seit vorigen Freitag bei Karstadt ausliegen. In dem Anschreiben wenden sich die Mitarbeiter an die Kunden und bitten sie um Unterstützung für den Erhalt der Filiale. Schon 14 000 Kunden sollen sich nach Auskunft von Gleichmann eingetragen haben.
Jolanda Andrews, die dem Kaufhaus seit 36 Jahren die Treue hält, ist eine von ihnen. Als sie noch an der Klosterstraße gearbeitet hat, verbrachte sie ihre Mittagspause dort, nun wohnt sie in der Nähe und kauft gerne dort ein. "Eine Schließung würde ich sehr bedauern", sagt sie. Andere Kunden gehen mit der Situation anders um. Walter Hermann war gestern von seiner Frau zum Kauf eines Bügeleisens in die Stadt geschickt worden. Als er zu Karstadt ging, habe er sich gedacht: "Die müssen ja jetzt was tun. Vielleicht gibt es Angebote." Ein Besucher aus Wülfrath glaubt an den Erhalt der Filiale, weil sie der größere Publikumsmagnet der beiden benachbarten Kaufhäuser sei.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





