Baader-Meinhof Komplex angelaufen: Was Zuschauer zum RAF-Film sagen
VON ANNA WESOLOWSKI - zuletzt aktualisiert: 26.09.2008 - 11:52Kaum eine deutsche Produktion wurde mit so viel Spannung erwartet. Und kaum ein Film wurde vorab so heftig diskutiert. Der "Baader-Meinhof Komplex" polarisiert. Auch unter den Düsseldorfern, die zum Filmstart in die Kinos drängten, gehen die Meinungen stark auseinander. Und gerade das macht ihn so sehenswert.
Knapp drei Stunden lang herrscht absolute Stille im Kinosaal. Die Zuschauer hielten fast schon dem Atem an, während auf der Leinwand ein Blutbad nach dem anderen angerichtet wird. Doch nach Filmende herrscht plötzlich Redebedarf auf den Gängen. Ganz klar, der "Baader-Meinhof Komplex" sorgt auch in den Düsseldorfer Kinos für Diskussionen. "Ich gebe zu, mich vorher kaum mit der RAF beschäftigt zu haben", erklärt der 20-jährige Jens Dimmer. "Erst durch den Film kam ich mit dem deutschen Terror in Berührung und bin geschockt."
Einige hatten mit so viel offen gezeigter Gewalt und spritzendem Blut nicht gerechnet. Dass der Film trotzdem schon ab zwölf Jahren frei gegeben ist, verwundert. "Hätte der Film nicht einen Lehrcharakter wegen den historischen Hintergründen wäre das wohl nicht der Fall", suchte Jennifer Darwus nach Erklärungen dafür. Andere hielten dies jedoch für unbedingt notwendig, damit Schüler und Jugendliche endlich in den Kontakt mit diesem Teil der deutschen Historie kommen, der bisher im Unterricht kaum behandelt wird. Und genau darin liegt die Gefahr, den Film misszuverstehen.
Denn noch zu Anfang wirken die Terroristen, gespielt von Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck, fast schon cool. Rebellisch. Erst nach und nach entwickeln sie sich zu gestörten Fanatikern. "Auch wenn die schauspielerische Leistung von allen grandios ist, halte ich das doch für bedenklich", so Nina Michling, die schon nachvollziehen kann, dass Kritiker dem Produzenten Bernd Eichinger eine zu heroische Schilderung der Täter vorwerfen. "Für mich völlig absurd. Ich habe keine Heldenverehrung ausmachen können. Der Film ist einfach nur verstörend", hält Romy Richter dagegen.
Historiker Sascha Dücker, der den Film ebenfalls kritisch auf seine Richtigkeit und Glaubwürdigkeit hin beäugte, würde den Film Jugendlichen nur mit Vorinformationen empfehlen. Die komprimierte Handlung mit zahlreichen Jahressprüngen ist sonst kaum nachzuvollziehen. Zu viele Ereignisse werden in schneller Abfolge nur angerissen. So oder so. Dieser Kinobesuch stimmt nachdenklich und belebt das Thema RAF wieder neu. Auch wenn nur wenige sich wie Manuel Nützinger nun weiter informieren wollen, wirkt er in den Köpfen nach. Und hat dazu noch einen hohen Unterhaltungsfaktor.
"Man merkt dem Film an, dass da viel Geld investiert wurde", so Spiro Kotsomitopoulos. Schließlich vereint er alle namenhaften Schauspieler, die die deutsche Szene zu bieten hat, auf der Leinwand. Für so manchen wird allein das schon den Ausschlag geben, sich die Verfilmung anzusehen. Denn zumindest hier waren sich alle einig: Der Erfolg ist programmiert.
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