Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau: Wehrhahn-Linie: scharfe Kontrollen
zuletzt aktualisiert: 10.02.2010 - 07:11Düsseldorf (RPO). Der Bauarbeiter, der auf der Kölner U-Bahn-Baustelle für Schlitzwände vorgesehene Moniereisen gestohlen haben soll, arbeitete auch in Düsseldorf auf der Baustelle Wehrhahn-Linie. Er wurde nun beurlaubt. Ein solcher Eisenklau ist hier unmöglich, sagt U-Bahn-Bauleiter Gerd Wittkötter.
Dem Düsseldorfer U-Bahn-Bau-Experten Gerd Wittkötter ist die Fassungslosigkeit anzuhören: Dass auf der Kölner Baustelle der U-Bahn ein Polier angeblich große Teile der für die Schlitzwände vorgesehenen Moniereisen gestohlen und an Schrotthändler verkauft haben soll, kann Wittkötter kaum glauben. "Das kann der nicht allein gemacht haben, da gibt es auch in Köln scharfe Kontrollen."
Der Mann hat mit seiner Firma auch in Düsseldorf gearbeitet, wurde am Montag aber beurlaubt. Oberbürgermeister Dirk Elbers hatte persönlich eingegriffen und verlangt, dass der Mann bis zur Klärung der Vorwürfe nicht mehr in Düsseldorf eingesetzt werden soll. Man fürchtet offenbar, dass die ohnehin in der Öffentlichkeit kritisch gesehene Wehrhahnlinien-Baustelle in Verruf gerät. Elbers kündigte weitere scharfe Kontrollen an.
Schon nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs aufgrund der U-Bahn-Baustelle hatte man in Düsseldorf umgehend untersucht, ob ähnliche Risiken hier ebenfalls drohten. Es hatte neue, mehrfache Kontrollen gegeben. Bisheriges Ergebnis: alles in Ordnung.
Nach Medienberichten soll der Mann bereits vor Jahren große Teile des Metalls entwendet haben, dass für die Stärkung ("Bewehrung") der Schlitzwände vorgesehen war, unbestätigten Meldungen zufolge sind die Hälfte dieser Eisenbogen nicht eingebaut, sondern an Schrotthändler verkauft worden. Die betroffenen Wände liegen in der Nähe der spätereren Einsturzstelle des Stadtarchivs. Das Gebäude war zusammen gesackt, weil der Untergrund aufgrund des U-Bahnbaus nachgegeben hatte.
Die Kölner Staatsanwaltschaft sieht dennoch keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen dem Unglück, das zwei Menschen das Leben kostete. und der unzureichenden Bewehrung der Schlitzwände. Die Anklagebehörde bestätigte aber Ermittlungen wegen der "bewusst fehlerhaften Montage" gegen den Polier, dessen Wohnung und Arbeitsplatz in Düsseldorf schon vor zwei Wochen durchsucht worden seien. Bei der Staatsanwalt Düsseldorf liegt gegen den Mann nichts vor. Das könnte sich ändern, wenn sich bei der Prüfung der Wehrhahn-Baustelle ähnliche Unregelmäßigkeiten ergäben.
Das aber hält Bauleiter Wittkötter aus mehreren Gründen für nicht möglich. Erstens: Alle Arbeitschritte werden mehrfach kontrolliert und ihr Ablauf von unabhängigen, persönlich anwesenden Ingenieuren überwacht. Pfusch wäre da nicht möglich, meint Wittkötter. Zweitens: Die in Düsseldorf mit dem Beton verbundenen "Bewehrungen" sind hier nicht als Einzelteile angeliefert und verbaut worden, sondern 90 Prozent dieser Teile kommen als Komplett-Bauteil an, eigens dafür angefertigt und nicht in Einzelteilen.
Die Grünen im Rat haben reagiert und verlangen eine Sondersitzung der Kleinen Kommision Wehrhahnlinie. Grünen-Verkehrsexperte Norbert Czerwinski: "Es ist gut, dass der OB angekündigt hat, scharf durchgreifen und kontrollieren zu wollen. Aber es bleiben einige Fragen offen. Wie will er sicherstellen, dass tatsächlich die Materialien eingebaut wurden, die dafür zur Verfügung gestellt wurden? In Köln stellten sich die Prüfberichte als gefälscht heraus."
Die Frage, ob der Polier beim General-Unternehmer für den Düsseldorfer U-Bahn-Bau, Bilfinger-Berger, beschäftigt ist oder zu einem der vielen Subunternehmer gehört, wollte der Baukonzern Dienstag nicht beantworten. Sowohl im Düsseldorfer Baubüro als auch in der Mannheimer Zentrale hieß es Dienstag dazu lediglich: "Wir geben keine Stellungnahme ab."
Düsseldorf wird jetzt seine Baustelle noch schärfer unter die Lupe nehmen, kündigte OB Dirk Elbers gestern an, die Prüfberichte werden auch der Bezirksregierung vorgelegt. Sie hatte aufgrund des Kölner Pfuschs neue Kontrollen verlangt.
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