Firmen sparen nicht an Mitarbeitern: Weihnachtsfeiern trotz Finanzkrise
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 15.10.2008 - 07:57Düsseldorf (RPO). Henkel hat seinen Mitarbeitern die Weihnachtsfeier gestrichen – Folge der internationalen Wirtschaftsturbulenzen. Der Chemiekonzern bleibt damit aber eine Ausnahme: In den meisten Betrieben ändern sich die liebgewordenen Gewohnheiten zum Jahresende nicht. Das zeigt eine RP-Umfrage.
Die Nachricht erreichte die Henkel-Mitarbeiter per Mail und kam laut Betriebsratschef Winfried Zander bei der Belegschaft „nicht gut an“: Alle Aktivitäten, die nicht direkt zur Erzielung von Erträgen dienen, werden im Düsseldorfer Konsumgüterkonzern gestrichen. Dazu zählt der Vorstand nicht nur Weihnachtsfeiern, sondern auch Weiterbildungen und Dienstreisen ohne Kundenbesuche – keine Frage: Die Finanzkrise ist in der realen Wirtschaft angekommen. Dennoch bleibt Henkel damit eine Ausnahme.
„Uns geht es, wie allen anderen in der Branche, alles andere als gut“, bestätigt Immobilienmakler Wulff Aengevelt. „Die Weihnachtsfeier wäre allerdings das letzte, was wir streichen würden.“ Aengevelt kombiniert das jährliche Treffen seiner 180 Mitarbeiter aus Düsseldorf, Frankfurt und Leipzig mit Fortbildungsveranstaltungen im Industrieclub, ehe es abends zum gemütlichen Teil übergeht. So wieder am 19. Dezember ab 9.30 Uhr: Auf der Tagesordnung steht neben einem EDV-Training und verschiedenen Vorträgen, etwa über „Veränderte Finanzierungsbedingungen vor dem Hintergrund der Finanzkrise“, auch das gesellige Zusammensein zum Zwecke des besseren Kennenlernens.
„Das Einfrieren von Fortbildungsmaßnahmen wäre so, als würde die Feuerwehr an Schläuchen sparen“, sagt Aengevelt. Obwohl er durch die Pleite zweier großer Fondsgesellschaften mit seinen Forderungen „massiv in der Luft hängt“, zahlt Aengevelt seinen nicht provisionsberechtigten Mitarbeitern zum Jahresende ein 13. Gehalt und spendet – wie in jedem Jahr – einen fünfstelligen Betrag für gemeinnützige Zwecke.
„Die Krise ist dabei, auch in unserer Wirtschaft anzukommen“, sagt der Chef der Düsseldorfer Werbeagentur Grey, Uli Veigel. Solche Signale empfange er aus Gesprächen mit den Kollegen, Medien und aus den Agenturen der Holding in England und Amerika. Die Grey-Gruppe mit Niederlassungen in Hamburg, Frankfurt und Berlin liege trotz einiger Einschläge im Plan. Die 550 Mitarbeiter in der Grey-Zentrale werden nach dem großen Fest zum Umzug zum „Platz der Ideen“ in Derendorf „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ auch zusammen Weihnachten feiern. Ansonsten gilt für Veigel ohnehin: „Jede Neueinstellung und jede weitere kostenverursachende Maßnahme wird mit norddeutscher Vorsicht behandelt. Aber jetzt vielleicht einen Tick sensibilisierter.“
Beim Kommunikationsriesen Vodafone (4600 Mitarbeiter am Seestern und in Ratingen) wird auch in diesem Jahr Weihnachten gefeiert. „Es ist ohnehin immer die Frage, an welcher Stelle man spart. Wir haben jedes Jahr immer eine sehr schöne Feier gehabt“, sagt Unternehmenssprecherin Marion Stolzenwald.
Wo nicht im großen Stil gefeiert wird, reicht es immerhin zu kleineren Zusammenkünften, etwa von Mitarbeitern der jeweiligen Abteilungen oder Bereichen. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf (rund 2000 Mitarbeiter) reicht es zu einer kleinen „Erfolgsvergütung“ von 45 Euro als Zuschuss für ein Essen oder eine Bootsfahrt mit Kollegen. Sparkassensprecher Gerd Meyer erinnert daran dass, die Sparkasse seit 2002 jährlich einen „fünfstelligen Betrag für caritative Zwecke in Düsseldorf“ stiftet.
„Weihnachten haben wir nie exzessiv gefeiert, sagt der Chef des Düsseldorfer Flughafens, Christoph Blume. Mit anderen Worten: Die 2250 Mitarbeiter organisieren ihre Treffen im kleineren Rahmen selbst. „Das wenige, das wir tun können, machen wir auf jeden Fall weiter. Wir haben viele Gründe, unseren Mitarbeitern zu danken“, sagt Blume: „Auch eine schlechte Börse kann uns nicht zu kurzfristigen Streichungen veranlassen. Eine außertarifliche Prämie von 300 Euro haben die Mitarbeiter wegen des guten Geschäftsjahrs 2007 schon im Mai erhalten. Für 2008 rechnet Blume mit der Rekordzahl von mehr als 18 Millionen Passagieren.
Im Daimler-Werk Düsseldorf (7500 Mitarbeiter) werden kleine Weihnachtsfeiern generell aus dem allgemeinen Budget der jeweiligen Abteilungen bezahlt. „Daran wird sich auch in diesem Jahr trotz leicht zurückgegangener Sprinter-Bestellungen nichts ändern“, verlautet aus der Stuttgarter Zentrale.
Im Versicherungskonzern Arag (1000 Mitarbeiter in Düsseldorf) wird seit 2003 ebenfalls abteilungsweise gefeiert. Die Mitarbeiter zahlen selbst.
Gleiches gilt für die 900 Siemens-Mitarbeiter in Düsseldorf. „Man trifft sich zu Dresdner Stollen und einer Tasse Kaffee“, sagt Unternehmenssprecher Eduard Bobiatynski.
Ähnlich verfahren die knapp 1000 Düsseldorfer Mitarbeiter von Eon. „Es gibt bei uns keine Ansage, die Weihnachtsfeiern zu streichen“, sagt Eon-Sprecher Christian Drepper. Er ist abgesehen von der guten Lage seines Konzerns zuversichtlich, dass sich Energietitel an der Börse schneller erholen als andere Papiere.
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