Schweinegrippe: Weitere Neu-Infektionen in Düsseldorf
zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 07:06Auch am Sonntag gab es neue Fälle der sogenannten Schweinegrippe. Bei fünf weiteren Kindern aus dem Umfeld der Japanischen Schule konnte das Virus nachgewiesen werden. Auch zwei Reisende hatten sich infiziert. Insgesamt liegt die Zahl der Infektionen in der Landeshauptstadt nun bei 82.
Bei den beiden Reisenden handelt es sich um eine 24-jährige Düsseldorferin, die sich offenbar in New York infiziert hat und einen 29-Jährigen, der krank aus Amsterdam zurückkehrte. Beide befinden sich in der Düsseldorfer Uniklinik. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut, teilte ein Sprecher der Stadt am Sonntag mit.
Insgesamt sind nun 65 japanische Kinder infiziert. Außer den Schulkindern hatten sich auch fünf Eltern, zwei Nachhilfelehrer und ein Busfahrer mit der Influenza angesteckt. Am Samstag waren acht japanische Kinder positiv auf die Schweinegrippe getestet worden.
Die Schule war bereits am Dienstag von der Schulleitung selbst geschlossen worden. Wie viele von den insgesamt 560 Schülern noch waren, konnte zunächst nicht gesagt werden. "Wir werden alle Kontaktpersonen testen", hatte der Leiter des Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler, zunächst angekündigt.
Hilfe-Hotlines
Verschiedene Stellen haben eine Hotline für Fragen zur Schweinegrippe eingerichtet: Das Bundesgesundheitsministerium bietet die kostenlose Nummer 0800 - 4 40 05 50 an, montags bis donnerstags, 8 bis 18 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen 10 bis 16 Uhr. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW hat wochentags von 8 bis 18 Uhr die Nummer 01803 - 10 02 10 (9 Cent pro Minute, abweichende Tarife aus Handynetzen) geschaltet.
Am Samstag gab Schneitler dann ein erstes Zwischenfazit bekannt: "Dank unseres schnellen und entschiedenen Eingreifens scheint es uns gelungen zu sein, die Ausbreitung der neuen Influenza in Düsseldorf auf den Kreis der Japanischen Schule zu begrenzen", erklärte er.
Zwei Infektionswege an japanischer Schule
An der Schule gab es unabhängig voneinander zwei Infektionswege. Zum einen war eine japanische Familie in Urlaub auf der Insel Gozo bei Malta gewesen. Der sechsjährige Sohn dieser Familie hatte vermutlich andere Schüler infiziert.
Zum anderen war eine Schülergruppe mit rund 30 Jungen und Mädchen aus zwei sechsten Klassen mit einem Bus auf Klassenfahrt in Kassel, Erfurt, Eisenach und Weimar gewesen. Die Fahrt dauerte von Mittwoch bis Freitag. Nach Angaben des Busfahrers seien plötzlich am Freitag mehrere Schüler krank geworden, sagte Schneitler.
Insgesamt hätten sich demnach 25 Schüler auf der Fahrt angesteckt. "Vermutlich in einer Jugendherberge." Alle Kontaktpersonen der infizierten Kindern seien gebeten worden, zuhause zu bleiben.
Schweizer entwickeln Impfstoff
Unterdessen hat der Pharmakonzern Novartis nach eigenen Angaben erfolgreich einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe entwickelt. Klinische Versuche sind im Juli geplant, wie der Basler Konzern am Freitag mitteilte. Die Massenproduktion in Marburg könnte im Herbst anlaufen.
Der Impfstoff wurde aufgrund eines Wildtyps des Schweinegrippevirus A H1 N1 entwickelt, und zwar auf der Basis von Zellkulturen. Die Methode wird von Novartis als Alternative zur herkömmlichen, auf Eiern basierten Impfstoff-Produktion vorangetrieben. Die erste Portion von zehn Litern sei Wochen früher als erwartet entwickelt worden, erklärte der Konzern einen Tag nach der Ausrufung der Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Robert-Koch-Institut warnt
Angesichts der Ausbreitung der Schweinegrippe warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) inzwischen vor einer Unterschätzung des Virus'. Laut RKI betrug die Zahl der Erkrankungen in ganz deutschland am Samstagnachmittag 168, das war ein Anstieg um 52 Fälle gegenüber dem Vortag. Zwar verlaufen die Erkrankungen in der Regel nach wie vor mild. Man könne aber "keineswegs sagen, dass das Virus harmlos ist", sagte der stellvertretende Leiter der RKI-Abteilung Infektionsepidemie, Osama Hamouda. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt warnte derweil vor übereilten Reaktionen.
Todesfälle seien laut RKI bislang nur auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten, die meisten in Mexiko und häufig bei Menschen mit Grunderkrankungen. Grippeviren verändern ihr Erbgut jedoch ständig. Die WHO weist laut RKI darauf hin, dass das Virus vor allem in der bevorstehenden Grippesaison auf der Südhalbkugel genetisches Material austauschen könnte.
Zunehmende Ansteckungsgefahr in Deutschland
An der japanischen Schule gab es laut RKI bundewsweit die meisten Neuansteckungen. Das Japanfest, das zwischenzeitlich in der Diskussion stand, fand am Samstag dennoch stat. Bisher sind keine Zwischenfälle bekannt.
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