"boot" 2011 in Düsseldorf: Weniger Luxus, mehr Trendsport
VON JUTTA LAEGE - zuletzt aktualisiert: 24.01.2011 - 07:14Düsseldorf (RPO). Die "boot" 2011 verbuchte am ersten Wochenende mit 80.100 Besuchern einen leichten Zuwachs gegenüber 2010. Die Hallen, in denen Wassersport live zu erleben war, zogen vor allem junges Publikum an. Das Interesse an Yachten ist wieder da, auch wenn die ganz großen nicht zu sehen sind.
Nieselregen und Temperaturen um fünf Grad hatte sich "boot"-Chef Götz-Ulf Jungmichel gewünscht, damit Düsseldorf-Besucher statt ins Freie in die Messehallen stürmen. Der Wetter-Wunsch ging jedenfalls am Auftaktwochenende der weltgrößten Wassersportmesse in Erfüllung. Schnell füllten sich die Hallen. Vor allem die, in denen Mitmachen und Ausprobieren angesagt war. Das 360-Grad-Erlebnis, vor zwei Jahren als neues Konzept der Traditionsmesse präsentiert, ist ein echter Gewinn für die Veranstaltung. Und wiegt umso mehr in Zeiten, in denen in anderen Hallen deutlich abgespeckt wurde. Auch wenn die Flaute in der internationalen Yacht- und Wassersportwirtschaft beendet ist und die Auftragsbücher sich wieder füllen, sind die Auswirkungen der starken Umsatzeinbrüche auf der "boot" deutlich zu sehen. Die ganz großen Yachten der vergangenen Jahre fehlen. Einer der größten Anbieter, Drettmann, 2010 in Finanznot geraten, ist nur noch mit großem Infostand, aber ganz ohne Luxusboote vertreten.
Die „boot“ 2011 läuft noch bis zum 30. Januar, täglich von 10 bis 18 Uhr. In 17 Messehallen findet sich vom Angelhaken bis zur Motoryacht alles, was mit Wassersport zu tun hat.
Der Eintritt beträgt 15 Euro. Wer sein Ticket online kauft und ausdruckt, kann es für den öffentlichen Nahverkehr verwenden und spart dadurch einen Euro Eintrittsgeld.
Dennoch zog es das Publikum natürlich auch dorthin. 40 schwimmende Villen von Sunseeker, Princess und anderen waren ja noch zu sehen. Und nirgends sonst bekommt man auf einer Galerie einen so schönen Überblick über das Leben der Reichen und Schönen. "Da dreht RTL", erklärte eine Zuschauerin auf der Empore und vermutete, dass sich die Protagonisten der TV-Aufnahmen – ein auffällig mit Schmuck behängter älterer Herr und seine in blauen Pelz gehüllte auch nicht mehr ganz junge Begleiterin – wohl einer Boulevardsendung zur Verfügung gestellt haben. "Das Leben der Superreichen", hätte es sein können, war es aber nicht. "Die haben sich verkleidet" erklärte Sylvia Loeber, PR-Frau von Sunseeker. Gedreht wurde für "Guten Abend RTL" und die Sunseeker-Crew nahm's mit Humor. Wer wirklich eine Yacht kaufen will, kommt erstens nicht mit Kamerateam und zweitens eleganter daher.
Ganz ohne Klunker, dafür mit Nervenkitzel ging es in der "Beach World" zu. Nils Westerveld, hatte im vergangenen Jahr auf der "boot" sein neues Hobby, Wakeboarden, entdeckt und für ihn war klar: "Da muss ich wieder hin." Die Geschwindigkeit, die man auf dem Brett, gezogen von einem Seil, erreicht, "ist klasse", findet er.
Der zwölfjährigen Chiara Krieger hatte es hingegen mehr das Kite-Surfen angetan. Während ihre Eltern nach Booten Ausschau hielten, ließ sie sich bis unters Hallendach hochziehen, um langsam wieder runterzusegeln. "Das ist ganz schön anstrengend, hat aber Spaß gemacht", sagte sie. Marcel Tim Aulhorn testete eine der Weltneuheiten auf der Messe: den Frontloop, eine Art Rhönrad, mit dem Surfer die Bewegung von Über-Kopf-Sprüngen simulieren können. Der Duisburger, der gerne Surflehrer werden will, hatte Respekt vor dem Gerät, schaffte die Übung aber ohne Probleme. "Das ist wirklich gut, wenn man die Vorwärts-Rotation trainieren will. Die kostet beim wahren Sprung auf dem Wasser immer die meiste Überwindung."
Überwindung war auch das Stichwort in der Halle 3, wo Tauchlehrer Schnupperkurse in einem kleinen fürs Publikum sichtbaren Aquarium anboten. Malte Glader und Lauri Puttkammer gingen gemeinsam auf Tauchstation. Während der 20-jährige Malte schon taucherprobt und eigentlich nur dankbar für die Abkühlung war, war's für Lauri ein echtes Erlebnis. "Ich fand's gar nicht schwer", grinste er, als er mit Neoprenanzug und Taucherflaschen wieder aus dem Wasser stieg. Und sein Vater Reiner Puttkammer freute sich: "Schön, dass Kinder hier kostenlos üben können, was ihnen gefällt. Da zahlt man den Eintritt doch gerne."
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