Grabschmuck gestohlen: Wenn der Friedhof zum Tatort wird
VON WULF KANNEGIESSER UND JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 26.01.2010 - 07:29Düsseldorf (RPO). Ein besonders dreister Dieb wurde gestern vom Amtsgericht verurteilt: Der 71-Jährige raubte auf verschiedenen Friedhöfen Grabschmuck und verkaufte ihn an einen Schrotthändler. Friedhofsbesucher zeigten sich betroffen, Gartenamtsleiter Krick hofft auf abschreckende Wirkung.
Düsseldorfer Friedhöfe sind nicht nur ein Ort der Trauer, sondern allzu oft ein Platz für Diebe: Im Winter und Herbst nutzen Täter die frühe Dunkelheit aus, um unbeobachtet Grabschmuck von Blumen bis hin zu hochwertigen Vasen zu stehlen. Die Dunkelziffer ist groß, da nicht alle Betroffenen Anzeige erstatten. "Nur wenn Anzeigen erstattet werden, können wir darauf reagieren", sagt Polizeisprecher Wolfgang Wierich.
Ein besonders dreister Friedhofsdieb wurde gestern vom Amtsgericht zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt. Ein 71-Jähriger hatte alles, was auf Gräbern von Hand gelockert werden konnte, über Monate hinweg mitgehen lassen: Blumen, Vasen, Grableuchten, Marmorsockel, Kreuze und Metallschalen hat er bei einem Schrotthändler veräußert. Dabei verdiente der Grabräuber bis zu 2,40 Euro pro Kilo – wenn es um Kupfer oder Bronze ging. Vor dem Amtsgericht gab sich der Friedhofsdieb gestern reumütig: "Das tut mir Leid, dass es geschehen ist." Das Geld vom Schrotthändler habe er gebraucht, um seinen Lebensunterhalt zu fristen.
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Selbstverschuldet war der Mann 2007 in Not geraten. Ein Jahr zuvor hatte er den Job als Abbrucharbeiter verloren, später wurde er obdachlos. Sozialleistungen hätte er bekommen, sogar Rente. Aber seine Frau habe nach der Scheidung seine Ausweise mit nach Spanien genommen. Doch statt sich um neue Dokumente zu bemühen, streunte er über Friedhöfe zwischen Eller und Itter, Derendorf und Stoffeln, suchte auch den Nord- und den Südfriedhof heim und demontierte alle erdenkliche Grabzier. In mindestens 31 Fällen hat er von Anfang 2007 bis Februar 2008 Gräber geschändet, geplündert, verwüstet. Mal habe er zehn Euro für die Beute bekommen, mal zwanzig, "wie der Preis halt so stand". Stets habe er die Stücke zum selben Schrotthändler getragen.
Die Polizei entdeckte nach einem anonymen Hinweis fünf Schrottcontainer auf dem Händlergelände mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne. Doch etliche geschädigte Angehörige hatten keine Anzeigen erstattet. Erst nach Berichterstattung unserer Zeitung meldeten sich immer mehr betroffene Familien. Darunter auch Geschädigte, die ein Grab auf dem Friedhof Eller betreuen. Dort war Grabschmuck im Materialwert von fast 2000 Euro verschwunden. Auch diesen Fall hat der 71-Jährige gestern zugegeben. Gezielt habe er stadtweit nach Gräbern mit wertvollem Metallschmuck gesucht. Was es für Hinterbliebene bedeutete, die Grabstellen ihrer Verwandten so ausgeschlachtet vorzufinden – darüber habe er nie nachgedacht.
Angesichts solcher Täter ist es sehr schwierig, Gräber wirksam zu schützen, meint Polizeisprecher Wolfgang Wierich. Viele Räuber würden zudem äußerst brutal vorgehen. "Auch einbetonierte Elemente werden einfach abgeschlagen", sagt er. Da Diebe wie der verurteilte Rentner ihre Beute verkaufen, könne man allenfalls vorbeugen, indem man Vasen und Schalen aus günstigerem Material, zum Beispiel aus Kunststoff, verwendet. Auch Horst Graß, Vorsitzender des Seniorenbeirats, sind derartige Diebstähle bekannt. Er weist außerdem darauf hin, dass ältere Menschen sich auf den weitläufigen Friedhöfen der Stadt oft unsicher fühlen: "Ich würde mir daher wünschen, dass mehr Personal für die Sicherheit eingesetzt wird."
Doch zumindest die Zahl der Diebstähle von Metallgegenständen dürfte geringer werden: Die Metallpreise sind im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise stark gesunken. "Wohl deshalb gibt es aktuell keine signifikante Häufung der Fälle", sagt Gartenamtsleiter Manfred Krick und fügt hinzu: "Ich hoffe, dass das Urteil eine abschreckende Wirkung hat."
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