Radschläger-Turnier: Wer schlägt das schönste Rad?
VON JULIA PUZALOWSKI - zuletzt aktualisiert: 21.06.2010 - 08:33Düsseldorf (RPO). Möglichst gerade, ohne Zwischenschritte, elegant und schnell soll das Rad sein – das erfordert Übung. Am Sonntag wurden beim Radschläger-Turnier der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft die Kinder gesucht, die die akrobatische Figur am besten können.
Nabil Boualouch ist schon ganz aufgeregt. Denn gleich geht es in die zweite Runde beim Radschläger-Turnier. "Letztes Jahr bin ich schon in der ersten Runde rausgeflogen", erzählt der Elfjährige. Diesmal will er es besser machen. "Ich hoffe, dass ich gewinne", sagt er. Die Chancen stehen gut, schließlich hat er viel geübt. Nabil ist einer der wenigen Jungen beim jährlichen Stadtsparkassen-Radschläger-Turnier, das die Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft gestern zum 61. Mal ausrichtete.
"Mädchen haben die Nase vorn"
Mehr als tausend Zuschauer versammelten sich am Sonntag am Unteren Rheinwerft, um den Kindern zwischen acht und zwölf Jahren beim Radschlagen auf der markierten Bahn zuzuschauen. Die Räder werden nach Eleganz und nach Schnelligkeit bewertet. "Und in beiden Disziplinen haben meist die Mädchen die Nase vorn", weiß Dieter Felder, Pressesprecher der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft. Deshalb werden Jungs und Mädchen getrennt bewertet. Und auch altersgemäße Unterschiede werden berücksichtigt: Die Acht- bis Zehnjährigen müssen nur 15 Meter radschlagen, während die Elf- und Zwölfjährigen 20 Meter hinter sich bringen müssen.
Mit dem Turnier will der Bürgerverein ein wichtiges Kulturgut bewahren. "Radschlagen ist das Symbol für Düsseldorf", sagt Felder. Die Tradition wurde schon vor Jahrhunderten gepflegt. Eine Geschichte etwa besagt, dass Graf Adolf von Berg 1288 nach einer gewonnenen Schlacht gegen den Erzbischof zu Köln von radschlagenden Kindern begrüßt wurde. Als Dank bekamen die Akrobaten einen Pfennig. Danach waren lange Zeit radschlagende Kinder, die sich damit ein paar Pfennige verdienten, ein alltägliches Bild auf der Kö.
Auch Brigitte Staudinger hat als geborene Düsseldorferin schon in der Kindheit Rad geschlagen. Die Tradition hat sie an ihre Kinder weitergegeben, ihre Tochter Marica (8) machte gestern beim Turnier mit. Und schon im vergangenen Jahr hatte die ältere Tochter Janis (10) teilgenommen. Von ihrer Erfahrung konnte Marica nun profitieren: "Wir haben heute morgen noch zusammen geübt. Mit Besenstielen haben wir auf der Straße die Strecke abgesperrt." Ähnlich war es bei Jessica Baah. Die Achtjährige hat schon im Alter von zwei Jahren von ihrer älteren Schwester Paulin (12) das Radschlagen gelernt. "Und seitdem hat sie das immer gemacht", erzählt Paulin. Nabil hingegen kam durch sein Taekwondo-Training zum Rad. Dass außer ihm am Sonntag nur wenige Jungen dabei waren, störte ihn nicht.
Nur 15 Prozent der Teilnehmer waren männlich. Damit hätte wohl in den 70ern, als Mädchen zum ersten Mal mitmachen durften, noch keiner gerechnet. Ursprünglich waren nämlich nur Jungs zugelassen. "Diese Entwicklung beunruhigt uns etwas", gibt Felder zu. Aber gleichzeitig wächst die Zahl der Anmeldungen: Dieses Jahr lag sie bei 700 Kindern – ein neuer Rekord.
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