Sommerferien: Wer zu früh fliegt, muss zahlen
VON SABINE SCHMITT - zuletzt aktualisiert: 27.06.2009 - 10:39Düsseldorf (RPO). Vor Ferienbeginn sind Flugtickets billiger. Deshalb nehmen viele Eltern ihre Kinder eher aus der Schule. Aber Vorsicht: Das kann teuer werden. Schulen und Bezirksregierung verhängen in solchen Fällen Bußgelder gegen Eltern – und die könnten in Zukunft noch steigen.
Freitag am Düsseldorfer Flughafen. Palma de Mallorca steht als Ziel am Schalter in der Abflughalle angeschlagen, und die dahin Reisenden warten: Familie Eveslage mit Jan, fünf Jahre, und Sarah, sieben Jahre, schulpflichtig. Rund 100 Euro pro Person hätten sie dadurch gespart, dass sie gestern und von Düsseldorf in den Urlaub geflogen sind, sagt Vater Udo. Wäre er aus Nordrhein-Westfalen, könnte die Reise im Zusammenhang mit dem Abflugtermin aber nachträglich noch teuer werden.
Die Schulferien beginnen in NRW erst nächsten Mittwoch. Wer seine Kinder eher aus der Schule nimmt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Der aktuelle Satz liegt bei 150 Euro pro Tag und pro Erziehungsberechtigtem, sagt Michael Hamacher. Er ist Sprecher der dafür zuständigen Bezirksregierung in Düsseldorf. Bei einem schulpflichtigem Kind, das bei Mutter und Vater aufwächst wie Sarah, wären das also 300 Euro pro Fehltag. Doch von der Düsseldorfer Bezirksregierung haben Sarahs Eltern nichts zu befürchten: Sie sind aus Niedersachsen. Tochter Sarah hat schon Sommerferien. Ob das bei allen Kindern, die gestern mit ihren Eltern vom Flughafen schon in die Ferne starteten, der Fall war, ist allerdings fraglich.
Gründe fürs Fehlen
Krankheit Ein ärztliches Attest ist in der Regel der einzige Grund, der Fehlen vor den Ferien rechtfertigt.
Sprachferien, Sportwettkämpfe, Familienfeier In Absprache mit dem Schulleiter können Schüler unter Umständen dafür freigestellt werden - sofern nicht der Verdacht besteht, dass eine Familie verfrüht verreisen will.
Rund 1200 so genannte Schulpflichtverletzungen zählte allein die für Real-, Gesamtschulen, Berufskollegs und Gymnasien zuständige Bezirksregierung in Düsseldorf im vorigen Jahr. Die Mehrzahl davon stehe im Zusammenhang mit Schulferien, sagt Hamacher von der Bezirksregierung. Es handelt sich also um Eltern, die früher in den Urlaub starteten oder später zurückkehrten, weil das Fliegen vor und nach den Ferien billiger ist. Dass der Tagessatz des Bußgelds immer mal wieder angehoben wurde und zuletzt im vorigen Jahr von 130 auf aktuell 150 Euro stieg, scheint viele Eltern wenig abzuschrecken. "Es werden nicht weniger", sagte Hamacher mit Blick auf die Zahl der Eltern, die das Bußgeld riskieren. Wenn die Bezirksregierung erkennen könne, dass sie mit einem höheren Bußgeld etwas bewirken könnte, sei nicht ausgeschlossen, dass das Bußgeld noch weiter steigt. Zusätzlich setze man aber auch auf Aufklärung, wolle auch an das Gewissen der Eltern appellieren, etwa mit Botschaften wie: Unterricht ist bis zum letzten Schultag bedeutend.
Genau da liegt aber laut Wolfgang Scheffler, dem Vorsitzenden des Düsseldorfer Schulausschusses und Lehrer am Lessing-Gymnasium, ein Problem. Inwiefern Schüler bis zuletzt die Schulbank drücken, sei mitunter auch eine Frage dessen, welche Schule und welche Klasse sie besuchen. Scheffler: "Einem Schüler einer Abschlussklasse an der Realschule kann nach der Zeugniskonferenz und in den allerletzten Schultagen sicher niemand mehr mit erhobenem Zeigefinger kommen. Da ist alles gelaufen, die Noten stehen fest." Einfacher sei es dagegen etwa bei Schülern der Oberstufe, die von der Zwölf in die Dreizehn wechseln. "Da gibt es keine Versetzung. Bei ihnen geht es im nächsten Schuljahr nahtlos weiter, und es werden auch oft die letzten Schultage noch für Unterricht genutzt."
Um Eltern davon abzuhalten, ihre Kinder vor den Ferien schwänzen zu lassen, müsse aber noch etwas anderes passieren. Scheffler: "Bis der Bußgeldbescheid rausgeht, vergeht oft ein halbes Jahr. Da fehlt der Bezug. Das müsste viel flotter gehen."
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