Pooth-Pleite: Werbeexperten streiten über Verona
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 06.03.2008 - 10:19Düsseldorf (RPO). Das Presse-Echo auf die Pooth-Affäre der Stadtsparkasse ist gewaltig. Nun blickt man gespannt auf morgen, wenn der Verwaltungsrat über die beiden Vorstände Humme und Stiegemann berät. Viele Fragen sind noch offen. Ein Werbefachmann rät Verona Pooth, eine Weile abzutauchen.
Verona und Franjo Pooth sind es gewohnt, Namen und Fotos von sich gedruckt zu sehen - aber bislang war das meist in den Fachblättern der Schönen und Reichen wie „Bunte“ oder „Gala“. Jetzt jedoch ist die so genannte Werbe-Ikone und ihr Kontakt zur Stadtsparkasse Düsseldorf auch der „Süddeutschen Zeitung“ ein großes Stück im Wirtschaftsteil wert, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ meldet den Sturz des Düsseldorfer Sparkassen-Chefs im Streit um den Kredit an Verona-Ehemann Franjo, und die „Financial Times Deutschland“ ätzt in einer Glosse namens „Drittklassiges Düsseldorf“ über den Finanzplatz Düsseldorf, dem ein „forscher Jungunternehmer“, der „ziemlich rheinisch Franz-Josef Pooth heißt“ nach IKB- und Fortuna-Niedergang den Rest gibt.
Noch-Sparkassen-Chef Humme, dessen Karriere Pooth „beerdigt“ hat, rät das Blatt, heute Abend um 20.15Uhr RTL 2 zu schauen. Dann läuft „Engel im Einsatz“ - mit Verona Pooth. Humme, der seit Freitag vom Dienst suspendiert ist, hat - erstens - Zeit dazu, und - zweitens - auch ein entsprechendes TV-Gerät, wie inzwischen jedermann im Lande weiß.
Das hat er sich nach eigenen Angaben selbst gekauft, nachdem ihm ein von Franjo Pooth zum Vorzugspreis gelieferter Flachbildschirm als unpassend erschien. Ein Vorgang, der den Vorwurf der Bestechlichkeit aufkommen ließ. Was Humme aber bestreitet. Ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechlichkeit läuft gegen ihn nicht. Aber es wird wegen Untreue ermittelt, und dabei geht es um viel mehr Geld als das TV-Gerät (verbilligt oder nicht) gekostet hätte - nämlich um 9,2 Millionen Euro, die Hummes Sparkasse der Firma von Franjo Pooth möglicherweise allzu großzügig, vor allem ohne echte Sicherheiten, überlassen hat. Das prüft die Staatsanwaltschaft.
Außerdem nimmt sie Pooths Insolvenz unter die Lupe. Die hat er Mitte Januar angemeldet. Zu spät, lautet nun der Verdacht, und das ist strafbar. Angeblich war er schon vor vielen Monaten finanziell so in Bedrängnis, dass er zum Gericht hätte gehen müssen. Weil er das nicht tat, ist er nun ein Fall für den Staatsanwalt.
Und was bedeutet die Affäre für seine Frau? Die Ent-Ikonisierung der Verona? Joachim Strate, Chef der Düsseldorfer Ogilvy-Niederlassung. hält grundsätzlich nichts davon, Promis für Spots einzuspannen. Strate: „Wem nichts einfällt, der nimmt ein bekanntes Gesicht.“ Jedenfalls weiß Strate, dass die Sympathie des Verbrauchers ganz schnell weg ist, wenn das Image bröckelt. Und bei Verona Pooth sei das so. Sie werde ganz nah bei ihrem Mann gesehen, und daher rate er der Firma Schwartau, für deren Konfitüre Verona gerade wirbt, den Spot vom Markt zu nehmen. Verona selbst würde der Werbe-Experte empfehlen, eine Weile abzutauchen.
Jochen Leisewitz von der Hamburger Agentur Economia (eine BBDO-Tochter), die den Schwartau-Spot mit Verona Pooth schuf, sieht das anders. Er glaubt, dass die Leute sehr deutlich unterscheiden zwischen dem, was Franjo Pooth tut und Veronas Handeln.
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