Uni Düsseldorf: Werben um ausländische Patienten
VON SONJA SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 21.01.2011 - 07:25Düsseldorf (RPO). Um künftig noch mehr Patienten aus dem Ausland zu gewinnen, schließen sich Anbieter der Gesundheitswirtschaft und des Tourismus aus den Städten Düsseldorf, Köln und Bonn zusammen. Beim Projekt "Medizintourismus entlang der Rheinschiene" vermarkten sie ihre Angebote gemeinsam.
Die Konkurrenz um zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland ist groß. "NRW verliert jedes Jahr Marktanteile gegenüber Bayern, und Baden-Württemberg holt auf", sagt Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er leitet das Projekt "Medizintourismus entlang der Rheinschiene", für das sich beteiligte Akteure aus den Städten Düsseldorf, Köln und Bonn zusammenschließen. Sie wollen sich gemeinsam als attraktive Region des Gesundheitstourismus vermarkten und versprechen sich davon bessere Chancen im Wettbewerb. Dazu können sie nun eine Förderung des Landes und aus EU-Mitteln in Höhe von 1,2 Millionen Euro beantragen.
Etwa 500 Millionen Euro Umsatz
Allein nach Deutschland reisen jedes Jahr rund 70 000 Patienten aus dem Ausland an, um sich stationär behandeln zu lassen. Hinzu kommt ein Vielfaches an ambulanten Patienten. Damit verbunden sind für die Kliniken jährlich Umsätze von etwa 500 Millionen Euro. Vor allem Selbstzahler aus Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi Arabien und Kuwait oder Russland und der Ukraine sorgen für Mehreinnahmen.
"Die medizinische Versorgung dieser Patienten ist für uns als wirtschaftlich arbeitenden Betrieb mit einem gedeckelten Budget eine der wenigen Möglichkeiten, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Zumal die Expertise im Universitätsklinikum ja den Patienten, die sich an uns wenden, in hohem Maß zu Gute kommt", sagt Matthias Wokittel, Käufmännischer Direktor der Düsseldorfer Uniklinik. Dort wurden im vorigen Jahr 577 ausländische Patienten stationär und doppelt so viele ambulant versorgt. Um sie kümmern sich außerdem drei Mitarbeiter des International Office, das die Uniklinik 2005 eigens für die Zielgruppe eingerichtet hatte. Und auch bei der Messe HealthCare, die kommende Woche in Dubai beginnt, ist Marlies von Borries, die Leiterin des Büros für internationale Patienten, präsent.
Gefragt sind aber nicht nur große Häuser wie die Uniklinik. Bei Spezialisten wie dem Vorsorgeinstitut Radprax, das seinen Sitz in den Gebäuden der Airport City hat, kommt jeder fünfte Patient aus dem Ausland. "Der Markt ist satt", glaubt der Radiologe Christoph Stückle, leitender Facharzt bei Radprax. "Aber wenn man sich zusammenschließt, kann man die anderen schon verdrängen."
Daran haben nicht nur die medizinischen Einrichtungen ein Interesse. Denn oft reisen die Patienten mit der ganzen Familie an, verbringen längere Zeit in der Stadt, machen Ausflüge und gehen shoppen – weshalb die Zielgruppe bei Händlern und der Hotellerie so begehrt ist. "Wir haben Gäste, die sich medizinisch versorgen lassen und über ein Jahr hier wohnen", sagt Sabine Klemm, Sales Managerin im Hotel Intercontinental. Das Interconti arbeitet genauso wie der Breidenbacher Hof bei der Betreuung von ausländischen Gästen mit einem festen Stamm von Ärzten zusammen.
"Nicht nur Scheichs reisen zur Behandlung nach Düsseldorf, auch Patienten aus der Mittelschicht kommen und quartieren sich mit ihrer Familie im Drei-Sterne-Hotel ein", berichtet Rainer Spenke, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes, der sich für die Branche viel von der Kooperation verspricht: "Das ist für uns ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







