Aus der Stadtgeschichte: Wie die Düsseldorfer ihre Stadt aufbauten
VON JAN CASPERS - zuletzt aktualisiert: 05.09.2011 - 11:16Düsseldorf (RPO). Kurz nachdem die US-amerikanischen Truppen am 17. April 1945 in Düsseldorf einmarschiert waren, begann die Phase des Wiederaufbaus. Sie sollte das Gesicht der Stadt bis heute prägen. Viele zerstörte Gebäude wurden nach modernen Kriterien aufgebaut und ganze Straßenzüge neu angelegt. Nach den Schrecken des Krieges wagte die Bevölkerung den Neuanfang.
Düsseldorf hatte zwischen 1939 und 1945 mehr als die Hälfte seiner Einwohner verloren: 1939 lag die Einwohnerzahl bei 536.000, bei Kriegsende waren es nur noch 235.000. Da Bombenangriffe zahlreiche Gebäude zerstört hatten, herrschte dennoch Wohnungsnot. Die Wohnungen, die es noch gab, gingen meist an Angehörige der britischen Besatzungsmacht. Flüchtlinge oder Vertriebene mussten deshalb häufig in Kasernen, Kellern, Bunkern und anderen Notunterkünften leben.
Gesunkene Schiffe blockierten den Rhein
Den Düsseldorfern stand viel Arbeit bevor: Die Straßen waren von Trümmern übersät. Zwischen den Ruinen suchten die Menschen nach brauchbaren Ziegelsteinen für den Wiederaufbau.
Um den Fährverkehr zwischen den beiden Rheinseiten wieder aufnehmen zu können, mussten die vor Düsseldorf gesunkenen Schiffe gehoben und die Fahrrinne freigesprengt werden. Die drei Rheinbrücken waren im Krieg zerstört worden.
Wiederaufbau setzte schnell ein
Nach der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen unterstand Düsseldorf der britischen Militärregierung, die im Juni 1945 eine deutsche Kommunalverwaltung einsetzte. Im Zuge eines Wohnungsnotprogramms, das die Stadt zwischen 1945 und 1947 durchführte, wurden mehr als 11.000 Wohnungen geschaffen und über 65.000 winterfest gemacht. Die Einwohnerzahl stieg bis 1949 auf 466.000 Personen an.
Grundlagen der Stadtentwicklung geschaffen
Mit dem Wiederaufbauplan wurden 1949 die Grundlagen für die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte geschaffen. Er sah eine komplette Neuanlage der Innenstadt vor. So sollte nicht nur die Kölner Straße deutlich verbreitert und über die Pempelforter Straße in die Duisburger Straße verlängert werden, sondern zudem eine große Nord-Süd-Verbindung als Parallelstraße zur Königsallee entstehen. Auch eine Verlängerung der Kasernenstraße in nördlicher und südlicher Richtung wurde beschlossen.
Um den Anforderungen des zunehmenden Straßenverkehrs zu genügen, wurden ohne Rücksichtnahme auf bisherige Straßenverläufe der Jan-Wellem-Platz und die Berliner Allee gebaut. Am 23. September 1960 weihte Willy Brandt, der Regierende Bürgermeister von Berlin, die Berliner Allee feierlich ein.
Ehe der Jan-Wellem-Platz mit dem Tausendfüßler, den neuen Straßenbahnhaltestellen und verschiedenen Fußgänger-Passagen 1962 fertiggestellt werden konnte, mussten allerdings zahlreiche Häuserblocks zwischen der Hofgartenstraße und Bleichstraße bis hin zum Martin-Luther-Platz weichen. Eckstraße und Viktoriastraße verschwanden völlig aus dem bisherigen Straßenbild, während Schadowstraße, Immermannstraße und Wehrhahn ausgebaut wurden.
Düsseldorf wird zur modernen Stadt
Sogar dort, wo nach Kriegsende noch relativ viel alte Bausubstanz vorhanden gewesen war, bemühte man sich durch den Ausbau der Häuser um zwei bis drei Stockwerke, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Zudem entstanden mehrere Hochhäuser. Neben dem 55 Meter hohen Dommel-Haus an der Immermannstraße und dem 88 Meter hohen Mannesmannhaus am Mannesmannufer gilt das Dreischeibenhaus mit seinen knapp 100 Metern als Wahrzeichen dieser Architektur.
Bis Mitte der 60er Jahre war auf diese Weise ein völlig neues Stadtbild entstanden, das das Selbstbewusstsein der Stadt widerspiegelte. Mit 705.000 Bewohnern erreichte Düsseldorf 1962 seinen bisherigen Einwohner-Höchststand. So hoch lag die Einwohnerzahl bis heute nie wieder. Etwa 20 Jahre nach Kriegsende war somit der Wiederaufbau Düsseldorfs abgeschlossen und eine moderne Stadt entstanden.
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