Von Campino bis Jenny Jürgens: Wie Düsseldorfer Weihnachten feiern
VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 - 10:53Düsseldorf (RPO). Die Sehnsüchte der Menschen ähneln sich, wenn der Heilige Abend naht. Ob jung oder alt, die meisten feiern klassisch im Familienkreis. Da machen auch die bekannten Düsseldorfer keine Ausnahme, die uns verraten haben, welche Traditionen und Gebräuche für sie beim Fest unverzichtbar sind.
"Am wichtigsten ist ein Tannenbaum mit echten Kerzen", sagt Stefan Asbrand-Eickhoff. "Und es muss überall schön duften. Am Heiligen Abend machen wir uns fein. Die Damen tragen Cocktailkleid, die Herren dunkle Anzüge und Krawatte." Bei der Bescherung mit Ehefrau Susanne, den Kindern Anna und Alexander und den Schwiegereltern Albert und Brigitte Eickhoff hält er die traditionelle Ansprache an die Familie, dann wird gesungen, und später gibt es Truthahn.
Jenny Jürgens fliegt mit ihrem Mann Thomas Druyen zu Vater Udo nach Zürich. "Von einem Baum hängt meine Stimmung nicht ab", sagt die Schauspielerin. "Es ist mehr die innere Einstellung: dass man sich Zeit schenkt, besinnliche Stunden miteinander verbringt. Schön, wenn da Erinnerungen an die Kindheit wach werden. Und da mein Vater immer noch Kind ist, wird er einen riesigen Baum schmücken und vor der Bescherung am Klavier singen."
Karpfen, Gans und Wiener Wurst
Enorme Ausmaße hat die Tanne auch bei Marie-Agnes Strack-Zimmermann, "aber leider elektrische Kerzen, wegen unserer Altbauwohnung", erzählt die FDP-Bürgermeisterin. "Davor steht eine Krippe, die ich von meiner Mutter geerbt habe und sie von ihrer Mutter." Gefeiert wird mit Ehemann, Tochter und einem Sohn, der Jüngste ist derzeit in den USA. "Am ersten Feiertag bewirtet meine 85-jährige Mutter unsere Großfamilie – etwa 20 Personen – in Meerbusch." In der Aufzählung weihnachtlicher Traditionen führt bei Susanne Anna, Chefin des Stadtmuseums, der Tannenbaum ebenfalls die Stichwortliste an, ergänzt um das Lied "Es ist ein Ros' entsprungen", Weihnachtsgeschichte, Gans – und Familie.
Auch Polizeipräsident Herbert Schenkelberg genießt seine Auszeit mit den engsten Verwandten: Ehefrau, Kindern, der 91-jährigen Schwiegermutter und seinen Eltern (82 und 81), die er aus dem Westerwald zu sich holt. Henning-Thomas Graf von Schwerin, Direktor im Steigenberger Parkhotel, klinkt sich aus dem Berufsleben nur am Heiligen Abend aus. "Der gehört der Familie. Wir bleiben in unserem Dorf am Niederrhein, besuchen die Christmette, bescheren die Kinder und essen eine Gans, die meine Frau zubereitet. Am ersten Feiertag bin ich wieder im Hotel."
Auch sein Kollege Cyrus Heydarian vom Breidenbacher Hof verlässt sein Hotel nur für einen Tag: "Seitdem wir unseren Sohn Nouri haben, verbringen meine Frau Natalie und ich Heiligabend mit ihrer tschechischen Familie bei Karlsruhe. Traditionell wird dort gebackener Karpfen mit Kartoffelsalat aufgetischt. Weil ich den nicht mag, bekomme ich Putenschnitzel." Melanie van Dijk dagegen schätzt den Fisch. Die Mitarbeiterin im Hospiz Regenbogenland, als "Düsseldorferin des Jahres" ausgezeichnet: "Bei meinen Eltern duftet es Heiligabend herrlich nach Karpfen, dazu gibt es Sauerkraut. Das Christkind kommt erst, wenn Papa mit dem Glöckchen klingelt. Am Weihnachtstag sind sie bei uns, ich mache Beef Wellington, weil ich mir eine Gans nicht zutraue. Am Tag danach fahren wir alle zu meinen holländischen Schwiegereltern nach Groningen."
Und noch ein Karpfen: "Komödien"-Chef Paul Haizmann isst ihn am Heiligen Abend mit Wiener Kartoffelsalat. Davor macht er einen langen Spaziergang, danach besucht er die Christmette. Die Schauspieler von "Don Camillo und Peppone" haben frei. Andreas Windhuis freut sich auf das erste Fest mit seinem Sohn, dem er einen Brummkreisel kaufte. Gernot Endemann ist glücklich über seine deutsche Tanne und denkt mit Schaudern an frühere Weihnachtfeste in Frankreich, der Heimat seiner damaligen Frau: "Die kannten in Paris nur falsche Bäume mit künstlichen Kerzen. Geht gar nicht. Ich habe immer einen echten mit meinem Jeep mitgenommen."
So macht es bis heute SPD-Bügermeisterin Gudrun Hock: "Ich schleppe meine gesamte Deko inklusive Tanne mit in die Normandie und schmücke unser Ferienhäuschen. Heiligabend verläuft ruhig, aber mit gutem Essen. Den Weihnachtstag beginne ich mit Gregorianischen Gesängen." Moderator Christian Zeelen (center.tv) liebt seine Rituale am Heiligen Abend. "Morgens spiele ich Tennis mit meiner Mutter, nachmittags besuche ich Oma und Opa, abends ist Bescherung bei den Eltern", zählt er auf. "Unverzichtbar ist die Christmette in Holthausen. Da treffen sich alle, die sich sonst nie sehen."
Künstler, die in Düsseldorf nur eine Heimat auf Zeit haben, sind meist weg. Wie Kabarettist Thomas Freitag, der im Schwabenland am Tag vor Heiligabend mit alten Klassenkameraden und Freunden durch die Kneipen zieht: "Das ist urig!" Den Baum schmückt er mit seiner Mutter , gefeiert wird mit der Großfamilie, zu essen gibt es russische Salate mit Rote Bete und Würstchen. Axel Kober, Generalmusikdirektor der Rheinoper, ist daheim in Mannheim. "Die Gans brate ich selbst." Ohne Oper geht es aber nicht: Zwei Söhne singen an den Feiertagen in der "Zauberflöte" am Mannheimer Nationaltheater.
Sopranistin Anna Virovlansky ist bei ihrer besten Freundin eingeladen und genießt Kirche, Essen und Bescherung: "Ich bin nicht christlich und würde mit meiner Familie in Israel kein Weihnachtsfest feiern. Aber in Deutschland will ich auf diese Stimmung nicht verzichten." Am ersten Feiertag steht sie wieder als Pamina in der "Zauberflöte" auf der Bühne.
Campino denkt gern an die Traditionen seiner Jugend zurück: "Nur silbernes Lametta am Baum, jeden Adventssonntag Singen am Kaffeetisch, Kerzen am Heiligen Abend, an Weihnachten die obligatorische Gans. Erinnerungen, die ich fest im Herzen habe." Seit dem Tod seiner Eltern hat sich für den Sänger der "Toten Hosen" vieles verändert. "Es gibt keine Rituale mehr. Ich behalte es mir vor, spontan zu sein. Gehe in die Kirche oder lasse es bleiben. Gebe mich der Weihnachtsstimmung hin oder bekämpfe sie mit harter Rockmusik." Den Heiligen Abend verbringt er allein und kocht sich Nudeln: "Dazu trinke ich einen ordentlichen Rotwein und konzentriere mich auf unsere Konzerte an den Weihnachtstagen."
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