Pfusch beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf: Wie sicher ist die Wehrhahn-Linie?
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 10:23Düsseldorf (RPO). Nachdem die Kontrollen ergeben haben, dass es offenbar auch beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, geht das Rathaus nun in die Offensive. Alle Unregelmäßigkeiten sollen aufgeklärt und Mängel behoben werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Oberbürgermeister Dirk Elbers war nicht dabei, als seine Experten für den U-Bahnbau – der Beigeordnete Gregor Bonin, die Verkehrsmanagement-Leiterin Andrea Blome und Projektleiter Gerd Wittkötter – vor die Öffentlichkeit traten. Er ließ aber ausrichten, dass die Sicherheit der Menschen in Düsseldorf über allem stehe, und versprach Offenheit im Umgang mit Mängeln an den U-Bahn-Baustellen.
Halten Sie den U-Bahn-Bau in Düsseldorf für sicher?
Weshalb hat die Stadt Strafanzeige gestellt? Weil nach derzeitigem Stand mehrere Vermessungsprotokolle zu Schlitzwand-Lamellen gefälscht worden sind. Die Schlitzwände werden an allen U-Bahnhöfen errichtet, um die Seitenwände der Baustelle zu stabilisieren. Ist der Rohbau des Bahnhofs fertig, ist er selbsttragend. Die Schlitzwände verlieren ihren Zweck.
Zahlen und Fakten:
Länge Die neue Trasse wird 3,4 Kilometer lang sein.
Unterirdische Bahnhöfe Jacobistraße/Pempelforter Straße, Schadowstraße, Heinrich-Heine-Allee, Benrather Straße, Graf-Adolf-Platz und Kirchplatz
Fahrgäste Die Stadt rechnet mit rund 53 000 Kunden pro Werktag
Kosten Angesetzt sind 650,5 Millionen Euro, getragen von Stadt, Land und Bund
Entdeckt wurden nun "Zwillingsprotokolle" mit gleichlautenden Daten – ein Hinweis auf Fälschung, weil solche Doppelungen in der Praxis nicht vorkommen. 24 weitere Protokolle wurden komplett oder zur Hälfte verändert. Zudem seien Metallanker zur Stabilisierung der Schlitzwände an sechs Stellen nicht ordnungsgemäß montiert worden.
Wie wurden die Unregelmäßigkeiten entdeckt? Bei den Sonderkontrollen, die von der Baufirma Bilfinger Berger und der Stadt nach den jüngsten Vorfällen in Köln durchgeführt wurden. In der Domstadt sollen beim U-Bahnbau Mitarbeiter von Bilfinger Berger in großem Stil Protokolle gefälscht und mehr als 80 Prozent der Eisenträger der eingebauten Schlitzwände entwendet haben. Danach wurde nun in Düsseldorf gezielt gesucht. Bis dahin waren die Protokolle zwar auch von der Stadt sowie Externen geprüft worden, aber nur, ob sie plausibel waren – das waren sie wohl.
Wo wurden die Mängel entdeckt? Betroffen ist der Südstrang der Linie zwischen Corneliusplatz und S-Bahnhof Bilk. Dort haben die beiden beschuldigten Poliere gearbeitet. Der Oststrang bis zum Wehrhahn soll ebenso wenig betroffen sein wie der Startschacht für die Tunnelbohrmaschine in Bilk.
Könnte in Düsseldorf ein ähnliches Unglück wie der Einsturz des Stadtarchivs in Köln passieren? Laut den Experten der Stadt auf keinen Fall. Zum einen gebe es entlang der Strecke kein Gebäude mit so viel Gewicht, zum anderen werden die Schlitzwände gezielt darauf untersucht, ob Grundwasser eindringen kann. Ein weiterer Unterschied zum U-Bahnbau in Köln sei, dass die Schlitzwände vor allem aus Fertigbauteilen bestehen, Eisendiebstahl deshalb nur schwer möglich sei. Außerdem sei der Bau in Düsseldorf nicht so weit fortgeschritten, Mängel könnten deshalb leichter beseitigt werden.
Wäre die Stadt darauf vorbereitet? Vermutlich ja. Informierten Kreisen zufolge hat sich der städtische Krisenstab (u.a. Feuerwehr) bei seiner turnusgemäßen Übung im Februar das Szenario einer U-Bahn-Katastrophe als Aufgabe gestellt.
Wie sollen weitere Manipulationen verhindert werden? Nun sollen ganztägig Kontrolleure vor Ort sein – besonders bei Abnahmen. Alles soll zudem mit Fotos bzw. Videos dokumentiert werden, die Quelldaten der Messungen sollen durch die Baufirmen an die Stadt als Auftraggeberin übergeben werden.
Laufen die Bauarbeiten weiter? Ja. Für einen Baustopp sieht weder die Stadt noch die Politik derzeit einen Anlass. Am 1. März soll, wie geplant, die Tunnelbohrmaschine am Startschacht Bilk ihre Fahrt aufnehmen. Nach sechs bis neun Monaten soll sie die Benrather Straße erreichen.
Wird die Stadt weiterhin mit Bilfinger Berger zusammenarbeiten? Nach derzeitigem Stand der Dinge: Ja. Man geht davon aus, dass auch das Unternehmen durch die "kriminelle Energie" der Poliere geschädigt worden, also an den möglichen Straftaten unbeteiligt ist. Bonin hat Bilfinger Berger empfohlen, ebenfalls Strafanzeige zu stellen. Bis gestern Nachmittag ist nichts bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.
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