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"The Drummers of Japan" sind zum ersten Mal in Düsseldorf: Yamato: Der Klang der Götter

zuletzt aktualisiert: 04.08.2004 - 15:52

Düsseldorf (dto). Mit kultischem Geklöppel haben die Trommelkünstler der japanischen Gruppe "Yamato" nichts im Sinn. Kraft, Geschicklichkeit, vor allem aber auch Spielwitz sorgen bei der Show für schlagkräftige Unterhaltung ohne mönchisch anmutende Monotonie. Die Trommeltruppe schöpft ihre Rhythmen und Choreographien aus buddhistischen Traditionen sowie archaischen Riten des asiatischen Inselreichs. Seit 1998 sind die Japaner weltweit mit ihren höchst unterschiedlich großen Schlagzeugen auf Tour. Nun kommt die Truppe mit ihrem aktuellen Programm "Beat Of The Spirit" zum ersten Mal nach Düsseldorf.

Im Inselreich Japan hat das Trommeln eine lange Geschichte. Einst versammelten sich die Küstenbewohner feiernd am Strand und wollten durch lautes Trommeln die Teufel vom Kontinent fern halten. Heute finden sich Taiko-Gruppen an jeder Schule und jedem Shinto-Schrein. Jene durch die weite Welt reisenden Künstlergruppen sind deshalb im eigenen Lande wenig bekannt. Eine der Ausnahme ist "Yamato" aus der einstigen Kaiserstadt Nara.

Traditionsbewusst in Kleidung und Choreografie geben sich die Musiker in ihrer Show. Ihr buntes Instrumentarium reicht von der Kindertrommel bis zur Achtzentner-Taiko. Und wer die synchron heranrollenden Druckwellen nicht aushält, sollte eines nicht vergessen: Auch ein kräftiger Schluck Sake gehört in Japan zum Feiern.

Mit dem Programm schlägt Yamato einen Bogen von der Tradition zur Moderne. Eine ausgefeilte Licht- und Bühnenregie und die exotischen Kostüme, entworfen von Ogawa, sorgen dabei für zusätzliche optische Reize zu den komplexen Choreographien des Yamato-Chefs - ein fasizinierendes Gesamtkunstwerk aus Rhythmus, Licht und Bewegung.

Die eigentümliche Faszination, die von japanischen Trommeln ausgeht, kann niemand so richtig erklären. Es ist jedenfalls nicht nur die imposante Erscheinung der Miya-Daiko, der mit 1,70 Meter Höhe und fast 450 Kilogramm Gewicht größten Trommel im Arsenal der Yamato-Trommelgruppe. Es muss wohl eher an deren Klang liegen: Das Dröhnen der Miya-Daiko spürt man überall, nicht nur in den Ohren. Ein Vibrieren durchflutet den ganzen Körper, wenn das rindslederne Fell dieser riesigen Trommel geschlagen wird. Kein Wunder, dass man in Fernost der Meinung ist, dass in diesen Trommeln die Stimme Gottes wohnt.

Für Masa Ogawa, den Gründer und künstlerischen Leiter von Yamato, steht der religiöse Aspekt allerdings nicht so sehr im Vordergrund. Dennoch sind die verschiedenen Trommeln auch für ihn heilig. Für den Transport haben die Japaner eigens angefertigte Hebebühnen und fahrbare Paletten. Diese Transportgeräte brauchen die zehn Trommler von Yamato im Schnitt jeden zweiten Tag täglich, denn pro Jahr geben die Japaner zwischen 150 und 200 Konzerte in aller Welt.

Das Tagwerk von Yamato ist also alles andere als Zuckerschlecken: denn dieses Pensum erfordert nicht nur körperliche und mentale Höchstleistungen, sondern auch eiserne Disziplin. Ein normaler Tourneetag erinnert deshalb auch nicht von ungefähr an den eines Hochleistungssportlers: Die Musiker machen täglich Sport, gehen schwimmen und joggen, machen jeden Mittag zwei, drei Stunden lang gemeinsam Gymnastik und Hanteltraining. 

Als der gelernte Grafikdesigner Ogawa, der zuvor schon in anderen Trommel-Gruppen aktiv war, vor elf Jahren seine Truppe ins Leben rief und sie nach einem alten Herrscherhof in der historischen Hauptstadt Nara benannte, wagte niemand von einer solchen Popularität auch nur zu träumen, die Yamato heute weltweit genießt.

1994 gaben Yamato ihr erstes Auslandsgastspiel in China. 1998 folgte das Europa-Debüt beim Edinburger Sommerfestival. In die schottische Hauptstadt reisten Yamato übrigens auf eigenes finanzielles Risiko. Ihr dreiwöchiges Gastspiel war komplett ausverkauft. Und da schöpften sie Kraft und Mut für ihren Siegeszug.

Die Japaner betrommelt alles, von der winzigen "Denden Daiko" bis zur riesigen "Miya Daiko". Mystisch wie die Ursprünge der Trommeln im frühkaiserlichen Japan beginnt die Show des zehnköpfigen Ensembles. Aus dem Bühnendunkel erhebt sich das riesige Rund der Odaiko, deren dumpfe Donnerschläge noch in den oberen Tribünenreihen für Vibrationen in der Magengegend sorgen. Das aber ist nur ein Preludium für den nun hereinbrechenden Gewittersturm. Japans Götter, die mit den religiös begründeten Trommelriten angerufen werden, müssen ein wenig schwerhörig sein, so gewaltig ist der Dialog der muskulösen Frauen und Männer. Von asiatischer Zurückhaltung ist bei ihrem Bühnenspektakel nicht viel zu spüren, eher schon von eiserner Disziplin und immenser Körperbeherrschung. Mit atemberaubender Geschwindigkeit sausen die Schlägel auf die gespannten Häute, so schnell, dass die Bewegungen für das menschliche Auge fächerartig verwischen.

Dreh- und Angelpunkt des Programms ist nach Aussage Ogawas der menschliche Herzschlag. Ogawa: "Was immer man von einem Menschen äußerlich wahrnehmen kann - im Zentrum seines Lachens oder Weinens ist das Schlagen seines Herzen zu vernehmen. Und das wird von seiner Seele bewegt. In unserem Konzert machen wir den Klang der Trommel hinter dem Weinen und Lachen hörbar. Und das ist der Klang der Seele; der Klang des Herzens."

 Doch die Yamato-Trommler, haben mehr drauf als mit aberwitzigen Rhythmen Nippons Traditionen ihre Referenz zu erweisen. Das Spiel des Shamisen etwa, eines altehrwürdigen Saiteninstruments, klingt bei der Show-Gruppe wie die japanische Antwort auf die Westcoast-Surfguitar - purer Rock'n'Roll. Geradezu verloren-verletzlich wirkt hingegen die Melodie der Shinobue-Flöte, die sich wie ein feiner Goldfaden durch das bollernde Klanggebirge zieht. Zimbeln, Schellen und Gongs runden das energiegeladene Zwei-Stunden-Programm ab, dessen einzelne Stücke so lyrische Namen wie "Rekka" (Loderndes Feuer) oder "Aozora" (Abendhimmel) tragen. Humor gehört auch zum einstudierten Repertoire der Trommel-Punks, vor allem dann, wenn sie das Publikum klatschend einbeziehen. Da lächeln nicht nur die Götter. Und am Ende fragt man sich: Was heißt eigentlich "Zugabe!" auf japanisch? ´

 

 

 


 
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