Düsseldorf: Zahl der Firmeninsolvenzen steigt
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 12.01.2011 - 07:51Düsseldorf (RPO). Bei den Privatleuten ist der wirtschaftliche Aufschwung angekommen. Die Zahl der insolventen Haushalte ist rückläufig. Bei den Unternehmen zeigt sich ein getrübtes Bild. Gut sieben Prozent mehr Firmen als 2009 meldeten laut Amtsgericht Insolvenz an. Die Krise wirkt nach.
Die Wirtschaftskrise ist vorbei, die Unternehmen jubeln weitgehend, doch die Spätausläufer wirken noch nach. So ist die Zahl der Firmeninsolvenzen im Jahr 2010 noch einmal deutlich angestiegen. Sie lag mit 1958 Anmeldungen im Amtsgerichtsbezirk Düsseldorf sieben Prozent über dem Wert des Vorjahres. Gegenüber dem Vorkrisenwert (2008) ist das sogar ein Anstieg von mehr als 26 Prozent. Im Laufe des Jahres 2010 war die Zahl der Unternehmenspleiten weiter gestiegen. Gab es im zweiten Quartal noch 480 neue Insolvenzanmeldungen, waren es im dritten Quartal bereits 536, wie das Amtsgericht Düsseldorf auf Anfrage der Rheinischen Post mitteilte.
Für die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf (IHK) sind die Zahlen wenig überraschend. "Am Standort Düsseldorf haben wir besonders viele Firmen aus der Branche der unternehmensnahen Dienstleistungen. Diese leiden besonders stark unter den Spätfolgen der Krise", erläutert Martin van Treeck, stellvertretender Geschäftsführer der IHK. Betroffen seien insbesondere Werbeagenturen und Beratungsunternehmen. Die Zahlen dürften daher für Düsseldorf schlechter ausfallen als für im landesweiten Durchschnitt, so seine Einschätzung.
"In der Krise sparen die Firmen besonders schnell und heftig an Werbung und Kosten für externe Berater. Die bekommen das jetzt noch zu spüren", so van Treeck. Besonders kleinere Beraterfirmen und Agenturen hätten den Einbruch nicht kompensieren können. "Durch die Krise haben sie sich noch durchgeschleppt, aber dann haben Ihnen Kosten für Miete, Telefon oder eventuell das Finanzamt Liquiditätsprobleme bereitet, obwohl sie eigentlich schon wieder dank neuer Aufträge aus dem Gröbsten raus waren", meint van Treeck. Für 2011 sind die Experten der IHK dagegen deutlich optimistischer. "Wir sehen die Trendumkehr bereits in unserer Krisenberatung. Die Anzahl der Unternehmen, die sie in Anspruch nehmen, geht bereits deutlich zurück", so van Treeck.
Freundlich ist die Entwicklung bei den Privatinsolvenzen. Mit 1693 Anmeldungen ist die Zahl 2010 gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent deutlich zurückgegangen. "Damit liegt das Niveau wieder auf dem des Jahres 2007", sagt der Sprecher des Amtsgerichts Düsseldorf, Stefan Coners. Grund sei wahrscheinlich der Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit.
Allerdings warnt Coners, der auch Richter ist, vor verfrühtem Optimismus: "Die Ursachen der häufigen Privatverschuldungen haben sich nicht geändert", so Coners. Das sei zum einen eine sehr hohe Scheidungsquote, zum anderen aber auch das überzogene Konsumverhalten der Verbraucher. "Viele Menschen konsumieren einfach über ihre Verhältnisse", sagt Coners. Viele der Menschen in Privatinsolvenz seien auch gescheiterte Selbstständige. "Wir sehen keine Trendwende, es ist eher eine Stabilisierung auf hohem Niveau", meint Coners.
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