André Rieu im ISS Dome: Zu Gast beim Walzerkönig
VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 08:13Düsseldorf (RPO). André Rieu gastierte mit 50 Musikern im ISS Dome. 4000 Menschen erlebten ein Konzert, mit dem der niederländische Star eines erreichen wollte: verzaubern. Es gelang mit einem klug zusammengestellten Programm – auch wenn einige Orchester-Mitglieder arg überdreht wirkten.
Den Blick himmelwärts gewandt, die Geige am Kinn, das Lächeln verklärt: So grüßt André Rieu von flammend roten Riesenplakaten, während sich der ISS Dome mit gut 4000 Besuchern füllt. Beim ersten Ton springen die erfahrenen Fans des holländischen Zaubergeigers auf und drehen sich erwartungsvoll um. Im Gänsemarsch ziehen die Musikanten ein, schwingen fröhlich ihre Instrumente, bahnen sich ihren Weg durch die Menge und erklimmen die Bühne. Oben steht derweil der Meister in der Mitte und hat bereits den Bogen raus. Ein perfekter Auftakt für "André Rieu und Orchester".
Das Bild kennt man aus dem Fernsehen: Die Damen tragen opulente Prinzessinnenkleider in Bonbonfarben, die Notenständer schimmern gülden. Viel Zuckerguss, viel Glitter. Der Rahmen ist wie gemacht für André Rieu. Er breitet die Arme aus: "Musik ist doch das Allerschönste, das wir im Leben haben", ruft er ins Publikum. "Sie bringt Menschen zusammen, woher sie auch sind. Wir werden Euch heute Abend das Herz erwärmen!" Begeistertes Raunen geht durch die Reihen. Dann trägt Rieu noch etwas dicker auf: "Wir spielen auf der ganzen Welt. Aber das beste Publikum" – Kunstpause – "ist hier in Düsseldorf!" Wie kriegt er das bloß so treuherzig hin?
Termine Auf seiner Tour durch 25 Städte gastiert André Rieu noch zwei Mal in NRW: am 4. Februar in Oberhausen, am 18. Februar in Dortmund.
Biografie Der holländische Musiker (61) stammt aus Maastricht. 1987 gründete er sein Johann-Strauß-Orchester.
Besetzung Bei großen Konzerten wirken 50 Musiker mit, darunter international bekannte Tenöre und Sopranistinnen.
www.andrerieu.com
Beim ersten Walzer zeigen zwei Bildschirme sein Gesicht in Großaufnahme. Er spitzt den Mund, rollt mit den Augen, schüttelt sein Haar. Und fühlt sich offensichtlich so pudelwohl wie seine Zuhörer, die mit seiner Musik in ein warmes Schaumbad eintauchen. Dabei liegen harte Zeiten hinter ihm. 2009 geriet André Rieu mit seinem Mammut-Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, vor wenigen Monaten machte ihm eine Virusinfektion zu schaffen. Jetzt tourt er wieder seit Silvester mit seinem 50-köpfigen Orchester durch 25 Städte. "Musik hat eine heilende Wirkung, nichts geht so tief in die Seele rein", lautet eine seiner Bühnen-Botschaften.
Rieus Konzerte sind vor allem eine Hommage an den Wiener Walzerkönig Johann Strauß. Dazu serviert er schwungvolle Operettenarien, reichert die Mischung mit Musical-Melodien und geistlichen Werken ("Halleluja") an. Kitschig ist das keinesfalls, zumal hervorragende Solisten auf der Bühne stehen. Die drei "Platin Tenors" Gary Bennett aus Australien, Bela Mavrak aus Ungarn und Thomas Greuel aus Bad Münstereifel entzücken in Düsseldorf mit "Dein ist mein ganzes Herz" aus Lehars "Land des Lächelns", optisch garniert mit rosa Kirschblüten.
Die brillanten Projektionen im Hintergrund sind eine Bereicherung des Abends. Zum "Chiantiwein" und dem schmachtenden "Mama" der Tenöre rückt die Toskana ins Bild, zum "Schlittschuhläuferwalzer" eine Winterlandschaft mit Grachten und Windmühlen. Kimmy Skota aus Kapstadt singt ihr anrührendes "Ave Maria" vor farbigen Kirchenfenstern. Bei "Don't Cry for me Argentina", das der lyrische Sopran der Australierin Mirusia Louwerse zu einem magischen Moment macht, blendet sich ein Prachtbau in Buenos Aires ein. Zum "Donauwalzer" irrlichtern blaue Wellen, und bei "Wiener Blut" spielt das Orchester in einem prunkvoll illuminierten Barocksaal.
Klitzekleine Schwachpunkte: Rieus Musiker sind dauernd in Bewegung, hoppeln oft ein bisschen arg überdreht wie Duracell-Häschen. Und die sechs singenden Grazien ganz oben erinnern mit ihren ausschweifenden Gesten bisweilen an Cheerleader-Girls.
Aber der gefühlsbetonte Abend verbreitet durchweg glänzende Laune. Leicht lässt sich das Publikum zum Mitmachen ermuntern. Es wird gesummt, gesungen, gepfiffen und geklatscht, später wiegen sich Paare im Walzertakt. Und dann rieselt es beim "Schneewalzer" von der Decke. So gewaltig, dass sich die über mehrere Reihen weiß Bestäubten noch stundenlang die Flocken (aus geschredderter Folie) aus Pullis und Halskrägen klauben. Rieus schadenfreudiger Kommentar: "Das nächste Stück ist mit Wasser!" Ein Scherz.
Stattdessen regnet es am Ende des stimmungsvollen Spektakels Aberhunderte von bunten Luftballons.
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