Dritter Streiktag im Nahverkehr: Züge stehen still, Pendler genervt
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 18.10.2007 - 12:16"Aufgrund der Streiks kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen im S-Bahn- und Regionalverkehr", ruft eine Frauenstimme über die Lautsprecher. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen liegt der Nahverkehr am Donnerstagmorgen am Düsseldorfer Bahnhof lahm. Fast alle S-Bahnen fallen aus, Regionalzüge und Fernzüge haben zum Teil große Verspätungen. Die Pendler sind genervt, bleiben aber gelassen.
Die Bahnhofshallen blieben am Vormittag ungewöhnlich leer. Viele Pendler sind offenbar auf andere Verkehrsmittel umgestiegen. An den Informationsschaltern, vor denen sich an vergangenen Streiktagen lange Schlangen bildeten, ist wenig los. "Die Leute haben sich inzwischen an die Streiks gewöhnt", sagt ein Bahnmitarbeiter am zusätzlich eingerichteten Service-Point.
Das Verständnis für den Streik nimmt aber offenbar ab. „Dass man separate Verträge aushandeln will, verstehe ich“, sagt Jan Beuing, der von Frankfurt problemlos bis Düsseldorf kam, nun aber auf die Bahn in Rath warten muss, „aber es wird trotzdem langsam ein bisschen viel mit den Streiks.“ Kamber Kambreovski, der seit einer halben Stunde am Bahnsteig steht und auf den Zug nach Wuppertal wartet, stimmt zu.
Gereiztheit oder gar Aggressionen haben die Service-Mitarbeiter von Bahn und Rheinbahn dennoch nicht beobachtet. Von einer relativ ruhigen Stimmung berichtet ein Mitarbeiter am Infoschalter der Bahn. „Die Lage ist ganz entspannt“, sagt Karl-Heinz-Mursa, Mitarbeiter beim Rheinbahn-Service, der Auskunft über Anschlusszüge im Düsseldorfer Nahverkehr gibt. „Wir müssen viele Fragen beantworten“, sagt Fahrgastbetreuerin Gabriele Großholz vom ZWD, aber Stress hat auch sie nicht erlebt.
Viele Kollegen zeigen Verständnis für die Forderungen der Lokführer. "Es ist nachvollziehbar, dass sie bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn wollen", sagt ein Mitarbeiter am Info-Schalter. Dass sich der Tarifstreit so sehr in die Länge ziehe, sei allerdings unmöglich.
Vor dem Bahnhof haben sich seit dem frühen Morgen einige Lokführer versammelt. Über ihren Jacken tragen sie Transparente ihrer Gewerkschaft GDL. Die meisten Passanten gehen wortlos an ihnen vorüber. "Aber wir erleben auch spontane Solidaritätsbekundungen", sagt einer der Männer.
Und auch unter den Pendlern gibt es uneingeschränkte Zustimmung für die Lokführer. „Ich bin heute eine Stunde früher als sonst losgefahren“, sagt Peter Drzyzga, der zum Flughafen nach Dortmund will. Dass die Fahrt heute deutlich länger dauert, stört ihn aber nicht. „Der Streik ist in Ordnung, die Leute sollen für ihre Ziele kämpfen“, meint er.
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