Am 7. Juni geht es los: Zum ersten Mal zur Wahl
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009 - 08:36Düsseldorf (RPO). Für die Europawahl am 7 Juni zählt die Stadt 22.504 Erstwähler. Einer davon ist Stanislav Stratievski. Die Rheinische Post begleitet den 21-Jährigen, der gerade seinen Abschluss an der Höheren Handelsschule macht, durchs Wahljahr.
Genau genommen hätte Stanislav Stratievski bereits zweimal wählen dürfen. Vor fünf Jahren war er 16 Jahre alt und hätte somit bei der Kommunalwahl 2004 seine Kreuzchen machen dürfen. Ebenso bei der OB-Wahl im vergangenen Sommer. Denn in den Kommunen darf ab 16 gewählt werden, bei Europa- und Bundestagswahl erst ab 18 Jahren.
Bei der Europawahl am 7. Juni ist der 21-Jährige also einer von stadtweit 22.04 Erstwählern. Wählen will er diesmal auf jeden Fall. Die Rheinische Post wird den Berufskolleg-Schüler, der gerade seinen Abschluss an der Höheren Handelsschule mit Schwerpunkt Wirtschaft macht, durchs Wahljahr mit Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl begleiten – zu Podiumsdebatten, an Info-Stände und in die Wahllokale.
"Je mehr ich mich damit beschäftige, desto interessanter wird es", sagt Stanislav, der im russischen Sankt Petersburg geboren wurde, seit 18 Jahren mit seinen Eltern in Düsseldorf lebt und selbstverständlich die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Sein Elternhaus sei eher unpolitisch, deshalb habe auch er sich nie sonderlich mit Politik befasst. Das hat sich geändert. "Es ist interessant, dass ich als Wähler Teil der Politik bin und mit meiner Stimme etwas ändern oder beeinflussen kann." Die meisten seiner Freunde wählen das, was auch die Eltern wählen.
Dass die Wahlbeteiligung gerade bei der Europawahl so gering ist, kann Stanislav nicht verstehen. "Ich finde sie mindestens so wichtig wie die Bundestagswahl, denn es ist ja in der EU alles miteinander verknüpft." Die einheitliche Währung findet er gut und vor allem die Möglichkeit, sich als Arbeitnehmer auch im EU-Ausland einen Job suchen zu können. Er selbst möchte "Business Administration" an der Düsseldorfer Fachhochschule studieren und für ein Semester ins englischsprachige Ausland gehen.
Zur Wahl stehen am 7. Juni insgesamt 31 Parteien, mit 92 Zentimetern ist der Stimmzettel so lang wie nie zuvor. "Viele der kleinen Parteien klingen wie Comedy", sagt Stanislav. Er hat sich erst einmal mit jenen Kandidaten beschäftigt, die auch in Düsseldorf fürs EU-Parlament antreten: die EU-Abgeordneten Klaus-Heiner Lehne (CDU) und Alexander Alvaro (FDP), Ratsfrau Petra Kammerevert (SPD) und Attac-Mitgründer Sven Giegold (Grüne). Bei den Wahlplakaten fiel ihm vor allem Lehne positiv auf: "Der sieht vertrauenswürdig aus."
Auch in den Programmen von CDU und FDP findet sich Stanislav am ehesten wieder, weil sie unternehmerfreundlicher seien. Eine Art Reichensteuer, wie von SPD und Grünen gefordert, hält er hingegen für ungerecht: "Die Wohlhabenden haben schließlich dafür gearbeitet und zahlen auch einen größeren Anteil an den Steuern." Was muss Politik für die Jugend tun? "In Schulen investieren, damit jeder sich weiterbilden kann", sagt Stanislav ohne lange zu überlegen. Gerade in Brennpunktvierteln müssten gute Lehrer unterrichten und ausländische Kinder sprachlich stärker fördern. "Dann", so ist er sich sicher, "sinkt auch die Kriminalität."
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