Richter: "So ein Sauladen!": Zwei tote Mäuse in der Bäckerei: Geldauflage
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 22.06.2007 - 09:11Düsseldorf (RPO). Ein Blick auf die Beweisfotos brachte den Staatsanwalt gestern vor dem Amtsgericht in Rage: „So ein Sauladen! Ich hab‘ in dieser Bäckerei nie Brötchen oder Teilchen gekauft. Sonst würde mir das heute noch hochkommen!“ Vor anderthalb Jahren hatten Lebensmittelprüfer in einem Supermarkt an der Bruchstraße mit angegliederter Bäckereifiliale einer Back-Kette nämlich Schmutz und Mäusekot und sogar zwei tote Mäuse gefunden. Gegen den Inhaber der Bäckerkette mit 16 Filialen war ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz eingestellt worden.
Gestern saßen ein als Prüfer beschäftigter Bäckermeister und zwei Ex-Verkäuferinnen der Bruchstraßen-Filiale auf der Anklagebank. Alle Drei waren schriftlich zu Geldstrafen zwischen 600 und 1000 Euro verurteilt worden. Doch dagegen protestierte das Trio gestern lauthals vor dem Richter. Die Verkäuferinnen gaben an, sie hätten den Chef vom Mäusebefall informiert: „Aber nichts ist passiert, es wurden nur neue Köderboxen aufgestellt.“ Eine Angeklagte sagte: „Ich hab‘ auch in dem Supermarkt die Mäuse tanzen sehen!“ Eigenständig die Beseitigung der Missstände voranzutreiben, sei aber nicht ihre Aufgabe gewesen: „Ich habe meine Pflicht getan. Der Chef wäre verantwortlich gewesen!“ Also stellte der Richter die Verfahren gegen beide Frauen ein - gegen Geldauflagen von 200 und 300 Euro.
Der beschuldigte Bäckermeister pocht dagegen weiterhin auf einen Freispruch. Er sei nur in Teilzeit beschäftigt, müsse innerhalb weniger Stunden alle 16 Filialen kontrollieren - und dann dem Chef berichten. Das habe er stets getan, habe sich daher nichts vorzuwerfen und wolle deshalb auch keine Buße zahlen.
Dazu will der Richter im September noch Zeugen befragen und dann urteilen.
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