Tennis: Benraths Weg zum Titel
VON TINO HERMANNS - zuletzt aktualisiert: 10.06.2008Wegen der vielen Verletzungen wäre der TCB eigentlich schon froh gewesen, den Klassenerhalt in der Tennis-Bundesliga der Damen zu schaffen. Umso größer ist natürlich die Freude über die Meisterschaft 2008.
Zehnmal trat Barbora Zahlavova-Strycova in dieser Saison für den TC Zamek Benrath (TCB) in der Damen-Tennisbundesliga an. Neun Mal verließ die 22-jährige Tschechin als Siegerin den Platz. Sie war Benraths stärkste Spielerin in einer Saison, die am Ende den Düsseldorferinnen eine mehr als überraschende Deutsche Mannschaftsmeisterschaft präsentierte. „Auf Grund der vielen Verletzungen meiner Spielerinnen war ich froh, überhaupt den Klassenerhalt zu schaffen. Jetzt Meister zu werden, ist natürlich umso schöner“, meinte TCB-Trainer Marek Owsianka.
In Andrea Petkovic (Kreuzbandriss) und Julia Schruff (Nackenprobleme) fielen zwei der fünf Stammspielerinnen aus. Dafür sprangen die beiden Neuzugänge Lilia Osterloh und Andrea Ehritt-Vanc in die Bresche. Die US-Amerikanerin Osterloh stand plötzlich bei jedem Spieltag für Benrath zur Verfügung. Das war so nicht geplant. „Lilia ist eine absolute Mannschaftsspielerin. Sie hat sich ohne Probleme ins Team gespielt und war unheimlich wertvoll“, analysierte Owsianka. Ehritt-Vanc war eigentlich nur fürs Doppel vorgesehen, musste aber in den sechs Meisterschaftspartien auch fünfmal im Einzel ran. Nach den beiden ersten Partien, als Benrath ungeschlagener Tabellenführer war, rückte das Team noch enger zusammen.
„Nach dem zweiten Spieltag haben wir nicht mehr nach unten, auf den Abstieg geschielt, sondern nach vorne geguckt. Da hatte ich das Gefühl, dass einiges möglich ist“, so der TCB-Coach. Auch der Nackenschlag, die 4:5-Niederlage gegen den späteren Absteiger TC Augsburg-Siebentisch, kam zur rechten Zeit. „Nach der Siegesserie sind wir wieder erwacht und haben gemerkt, dass wir uns am Riemen reißen müssen“, so der Trainer.
So ausgeglichen wie in diesem Jahr war die Damen-Bundesliga noch nie. Elf der insgesamt 21 Begegnungen gingen mit 5:4 aus, dem knappsten aller möglichen Ergebnisse. Vier Mal trug der Meister zu dieser Statistik bei. Der TCB hätte es einfacher haben können, wenn die vier Topspielerinnen mehr Teamgeist gezeigt hätten. Einzig Mara Santangelo, an Position drei gemeldet, verhielt sich aus dem Top-Quartett Bundesliga-tauglich. Sie jettete trotz gesundheitlicher Probleme zweimal nach Deutschland, um für „ihren“ Verein zu spielen. Und sie verwandelte bei Karlsruhe-Rüppur den Meisterschaftsmatchball. „Mara hatte selbst angerufen und gefragt, ob wir sie gebrauchen können. Einzel war nicht drin, aber fürs Doppel hat es gereicht“, erzählte Owsianka. Die Italienerin stand vor ihrer langen Verletzung auf Platz fünf der Doppel-Weltrangliste und gewann 2007 die French Open. „Wenn man so eine Spielerin beim Stand von 3:3 bringen kann, ist es für den Gegner wie ein Knüppel auf dem Kopf“, freut sich der Trainer.
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