Tischtennis: Borussen schwitzen im Wald
VON TINO HERMANNS - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 08:02Die Düsseldorferin Natascha Binder ist ein Ass auf dem Mountainbike. Borussias Tischtennis-Trainer Dirk Wagner und Nationalspieler Christian Süß absolvierten mit ihr eine lehrreiche Übungseinheit im Grünen.
Christian Süß (Borussia) bläst die Wangen auf, flucht kurz aber heftig, greift in die Bremshebel, stoppt und steigt vom Rad. Dem Olympia-Silbermedaillengewinner im Tischtennis-Teamwettbewerb der Olympischen Spiele von Peking wird es auf dem Mountainbike auf den kleinen, verschlungenen und steilen Wegen im Aaper Wald dann doch etwas zu haarig. Champions-League-Sieger Süß ist mit Borussen-Trainer Dirk Wagner und Mountainbike-Spezialistin Natascha Binder (Team Focus) zu einer kleinen Ausdauereinheit auf Düsseldorfs Höhen unterwegs.
"Natascha hat uns Wege gezeigt, die wir vorher noch nie gesehen haben", erzählt Süß. "Das ist aber auch nicht unser Terrain, extrem steil, viele Wurzeln, lockerer Boden und Steine. Um da sicher runter zu kommen, fahre ich zu schlecht." Da geht der 24-Jährige auf Nummer sicher, sehr zur Freude seines Trainers. "In der Vorbereitungszeit auf die Saison versuche ich das Training so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. In der Halle am Tisch stehen die Jungs noch oft genug. Da gehört Mountainbike als Alternative dazu. Aber ein Sturz mit möglichen Verletzungsfolgen muss auf jeden Fall vermieden werden", erklärt Wagner.
Das erste Bundesligaspiel ist für den 29. August terminiert. Da muss der Weltranglisten-24. fit sein. Dafür arbeitet Süß seit dem 5. Juli. Für Wagner gilt anscheinend keine besondere Vorsicht. Denn er hält mit Düsseldorfs bester Mountainbike-Fahrerin größtenteils mit. "Ich bin ja sozusagen mit dem Rad groß geworden und habe schon in meiner Heimat den Thüringer Wald unsicher gemacht", berichtet der Trainer grinsend.
Also gibt Wagner im Gegensatz zu Süß auch bergab Vollgas richtig Vollgas – doch beide schaffen es, die amtierende Altersklassen-Amateurweltmeisterin zu beeindrucken. "Rauf ist Christian richtig gut, da kann er seine Kraft einsetzen", lobt Binder. Umgekehrt ist Süß von der fahrerischen Leistung der zierlichen Frau beeindruckt. Sie ist bei der anderthalbstündigen Tour kaum ins Schwitzen gekommen.
Wenn sie richtig auf Ausdauer trainiert, sitzt sie locker sechs Stunden im Sattel. "Es war sehr interessant zu sehen, wie es im wirklichen Mountainbike-Geschäft aussieht. Ich bin echt überrascht, wie es da zur Sache geht", sagt Süß. Die 40-Jährige verdient sich einen Ehrenpreis als "Fremdenführerin" der Tischtennis-Asse. "Es ist überraschend, wie viel Wald es in Düsseldorf gibt, das kannte ich vorher nicht", gibt Süß zu. "Bis jetzt sind wir immer nur auf den Waldautobahnen gefahren. Aber ob ich noch mal diese schmalen Trampelpfade der heutigen Runde fahre, wage ich zu bezweifeln."
Die leichten Blessuren am Knie und an den Schienenbeinen, die von dornigen Sträuchern und Brennesseln herrühren, sind Warnung genug. Sein Beruf geht eindeutig vor. Gut für ihn, gut für die Borussia und damit auch für die Sportstadt.
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