Managerboxen: Boxen mit weißem Kragen
zuletzt aktualisiert: 07.11.2006 - 09:21Die Legende will es, dass 1988 im „Gleason‘s Gym“ in New York der erste White-Collar-Kampf - zu deutsch: Weißer-Kragen-Kampf -zwischen David Lawrence, einem Doktor der englischen Literatur, und Richard Novak, einem Anwalt, ausgetragen wurde. Dieser Kampf markiert die offizielle Geburtsstunde des Managerboxens.
Da das Boxen in Deutschland einen etwas anderen Ruf als in den angelsächsischen Ländern hat, wo Boxen zum Teil sogar Schulsport ist, bedurfte es hierzulande noch eines philosophisch-psychologischen Überbaus, um Boxen als angemessenen Sport für eine Führungskraft in den Fachmedien zu legitimieren. Inzwischen ist es dem früheren Journalisten, heutigen Managementberater und Boxcoach Kai Hoffmann mit seinem Buch „Boxen & Managen“ gelungen, Boxen als Trendsport für Manager zu etablieren.
Seitdem wird in entsprechenden Medien der pragmatische Nutzen des Boxens für das Management über Werte wie Disziplin, Selbstbeherrschung, Zielstrebigkeit und Siegeswillen herausgestellt. Studios, Gyms und Boxclubs bieten verstärkt Trainings-Möglichkeiten, ohne in Vereinsstaffeln oder Ligen antreten zu müssen. Nahezu in jeder größeren Stadt werden dabei spezielle Kurse für die Herren und Damen mit den weißen Kragen angeboten - in Düsseldorf etwa beim Sportwerk.
Und obwohl der neue Trend eher von der Fitness her kam und den Wettkampf ausschloss, wendet er sich nun teilweise wieder dem „echten“ Kampf zu. Der Real Fight Club in London, die Vereinigung boxender Manager, hat gut 1600 Mitglieder. Mehrmals im Jahr steigen einige davon für drei oder vier Zwei-Minuten-Runden in den Ring. 1000 zahlende Zuschauer kommen dann in Fünf-Sterne-Hotels zusammen; dabei wurden Spenden in Millionenhöhe für wohltätige Zwecke gesammelt.
Bis jetzt blieben die Akteure der Trendsportart Managerboxen weitgehend unsichtbar. Matthias Leclerc aber, Chief Operating Officer des Geschäftsfelds Corporates & Markets der Dekabank, steht zu seinem Sport. Er gibt auch bereitwillig Auskunft - vielleicht, weil der 45-Jährige schon mit dem Boxen anfing, bevor es zum Trendsport deklariert wurde. „Ich kam zum Boxen, weil ich in meiner Jugend beim Eishockey eins auf die Nase bekommen habe“, berichtet er. „Da ich mich wehren wollte, habe ich mit dem Boxen angefangen.“
Heute sieht er Boxen als „Isolationsschicht zwischen meiner Arbeit und meiner Freizeit. Da lasse ich dann wirklich alles, was Arbeit ist, hinter mir. Meine Frau kann bestätigen, dass ich zu Hause der friedlichste Mensch der Welt bin.“ In Düsseldorf stieß Leclerc, der im Sportwerk trainiert, durch Zufall auf seinen Trainer Stefan Freudenreich; der ist zugleich der einzige für den Real Fight Club lizenzierte Trainer in Deutschland. Über ihn kam der Kontakt nach London zustande, wo Leclerc am Donnerstag seinen zweiten Boxkampf bestreitet. „Ich trainiere hart, und ich trainiere gerne. In den Ring zu steigen, um zu kämpfen, ist der ultimative Test“, erklärt der Manager. „Es wird irgendwann ein Ende finden, aber der Kreis ist noch nicht rund.“
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