DEG: Das Vertrauen in die Jugend fehlt
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 28.10.2009 - 08:54Der Arbeitstag von Abwehrtalent Jannik Woidtke dauerte in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Sonntag gegen Hannover gerade einmal fünf Sekunden. Der Debütant im Kader der Düsseldorfer EG, musste eine Zeitstrafe absitzen, fuhr danach aber nicht zum Wechsel, sondern attackierte einen Hannoveraner, woraufhin DEG-Trainer Harold Kreis förmlich explodierte: Er schrie und schimpfte, bis der Nachwuchsmann vom Eis kam – nach besagten fünf Sekunden. Haben deutsche Talente bei der DEG keine Chance? Unsere Redaktion analysiert die Nachwuchsarbeit.
Die Rahmenbedingungen sind optimal. An der Brehmstraße wurde eine zweite Eisbahn gebaut, die Reserve spielt in der vierthöchsten Spielklasse (Regionalliga), die Jugend in der höchsten (Deutsche Nachwuchs-Liga). Zudem wurde im Vorjahr ein Internat in Kooperation mit der Hulda-Pankok-Schule und dem Kolpinghaus ins Leben gerufen, so dass der Nachwuchs Sport und Schule gut verbinden kann.
Die Verzahnung zwischen der Reserve und dem Nachwuchs ist vorbildlich: In der Regionalliga-Partie gegen Essen setzte DEG II-Trainer Christof Kreutzer sieben DNL-Spieler ein. Seit dieser Saison trainieren 70 Prozent der Regionalliga-Mannschaft mit dem DEL-Team, zudem noch einige DNL-Akteure.
Die Spieler hätten es verdient, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Thorsten Gries wurde im Vorjahr zum besten Spieler und besten Center der Regionalliga gewählt. Das Leichtgewicht, das gerade einmal 1,66 Meter groß ist, arbeitet intensiv daran, seine körperlichen Nachteile auszugleichen. Stürmer Diego Hofland ist einer der besten Techniker der Zweitvertretung und legt derzeit an Muskulatur zu. Sein Problem ist aber, dass die Einbürgerung des gebürtigen Holländers seit anderthalb Jahren bei den Behörden versackt. Jannik Woidtke gehört zu den stärksten Verteidigern der Reserve, Stürmer Alexander Preibisch durfte schon einige Male bei der „Ersten“ mittrainieren. Beide standen gegen Hannover im Kader, durften aber nicht ran. .
Das Vertrauen in den Nachwuchs hat die sportliche Leitung nicht. Wie Chef-Coach Kreis den jungen Verteidiger Woidtke, der gar nicht so viel falsch gemacht hatte, zusammenfaltete, war absurd. Ebenso die Idee, Verteidiger Marko Nowak für den gelernten Angreifer Preibisch in den Sturm zu stellen. Doch auch in der Vergangenheit gab es wenig Vertrauen in den Nachwuchs. Nur Martin Hinterstocker und Nowak durften in dieser Saison mal ran, weil es die personelle Situation gebot. Ebenso wie in der Vorsaison Verteidiger Tim Schüle - der mit seiner Förderlizenz aber nur noch für Zweitligist Freiburg spielt und seitdem nicht angefordert wurde.
Das Spielsystem bei der DEG ist anders als das des großen Vorbilds Eisbären Berlin. Dort sammeln die Nachwuchskräfte in der Hauptrunde stets Spielpraxis. Mit Erfolg, wie vier Meisterschaften in fünf Jahren belegen. Die Perspektivspieler der DEG reichen zwar für eine vierte Reihe, doch die bildet Kreis nicht.
Fazit Der Boden ist bereitet, dass die DEG aus dem eigenen Nachwuchs Spieler in der DEL integrieren kann. Sie muss nur die Früchte ihrer Arbeit auch ernten, anstatt sie auf der Bank versauern lassen.
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