DEG Metro Stars: DEG - das Ende der Ära Lance Nethery
VON PATRICK SCHERER UND GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 26.01.2012 - 13:45Düsseldorf (RPO). Elmar Schmellenkamp ringt mit den Tränen. Der Abschied von einem langjährigen Weggefährten schmerzt ihn sichtlich. „Es ist kein schöner Tag für mich. Eine Ära geht zu Ende“, sagt der Geschäftsführer (67) betroffen.
Sieben Jahre lang leitete Lance Nethery die sportlichen Geschicke der Düsseldorfer EG. Mal als Trainer an der Bande, mal als Geschäftsführer, immer als Sportlicher Leiter und Manager. Gestern trennten sich Nethery und der Düsseldorfer Eishockeyklub mit sofortiger Wirkung „in beiderseitigem Einvernehmen.“ Der Kanadier erhält die vollen Bezüge bis Saisonende. Netherys Nachfolger soll heute präsentiert werden: Nach exklusiven Informationen der Rheinischen Post ist es Walter Köberle, der derzeitige Teamleiter. „Ich bin schon überzeugt von mir und sage, ich wäre bestimmt nicht die schlechteste Wahl. Alles andere wird man sehen.“
Nethery kam 2005 mit der Maßgabe, die Meisterschaft zum neunten Mal in die Landeshauptstadt zu holen - das gelang ihm nicht. „Die Zeit war interessant und spannend. Leider haben wir den Titel nicht geholt. Wir waren ein paar Mal nahe dran. Die Hauptstadt Berlin hat das verhindert“, sagte der 54-Jährige in Anspielung auf die heißen Duelle mit den Eisbären. Der Manager informierte die Mannschaft gestern Morgen über seinen Abschied. „Lance hat eine wirklich tolle Ansprache gehalten. Die Mannschaft hat am Ende laut applaudiert - und nicht, weil er weggeht“, erklärte Trainer Jeff Tomlinson. Welchen Weg Nethery nun einschlägt, ließ er offen: „Ich habe mir vorgenommen eine Auszeit über ein halbes Jahr zu nehmen. Aber wenn ein gutes Angebot kommt, werde ich mir das anhören. Ich weiß es wirklich noch nicht.“
KOMMENTAR
Zurück in die Zukunft
Lance Nethery hat lange an dem Image eines knallharten Funktionärs gearbeitet. Er hat das irgendwann so überzeugend vorgetragen, dass man leicht übersehen konnte, wie viel mehr er noch ist. Nethery liebt Geld, er liebt aber auch seine Arbeit. Bei der DEG hat er wohl auch ein wenig Familie gehabt. Jedenfalls hat er in den vergangenen Wochen mehr als nur Dienst nach Vorschrift gemacht. Er hat ehrlich um die Zukunft der DEG gekämpft. Nun sind andere am Zug. Walter Köberle hat viel weniger Geld zur Verfügung, bei ihm ist vor allem viel Überzeugung und Leidenschaft mit im Spiel. Köberle ist die richtige Wahl, um den Verein wieder näher an seine Fans zu bringen. „Mister DEG“ wird man Fehler verzeihen. Eishockey in Düsseldorf wird nur funktionieren, wenn alle etwas näher zusammenrücken. GIC
Das Ausscheiden hinterlässt bei Nethery keinerlei faden Beigeschmack. Es sei eine andere Situation als bei einer Entlassung, betonte er. „Ich werde auch bis zum Saisonende bei den meisten Spielen anwesend sein. Ich will noch viele Siege sehen und bin mit Herz und Seele dabei.“ Mit Herz und Seele Düsseldorfer ist auch Walter Köberle, der ab heute das Zepter des Sportlichen Leiters übernimmt und auf den eine Menge Arbeit wartet. Mit wenig Geld muss er einen konkurrenzfähigen Kader für die Deutsche Eishockey Liga zusammenstellen.
Einen Eckpfeiler der neuen Truppe könnte Torhüter Bobby Goepfert darstellen. Der Goalie signalisierte, dass er bleiben möchte: „Ich habe der DEG viel zu verdanken. Sie hat mir die Möglichkeit gegeben hier zu spielen und sehr viel Eiszeit gegeben. Ich muss hier nicht weg“, sagte Goepfert im Gespräch mit der RP. „Mit mir gesprochen hat noch niemand. Aber ich kann warten. Einen konkreten Zeitpunkt, wann ich mich entscheide, habe ich mir nicht gesetzt.“
Köberle lenkt die Geschicke an der Brehmstraße maßgeblich. Viele weitere Stars aus der so ruhmreichen Geschichte sollen auch in das Projekt eingebunden werden. Chris Valentine gehört zum „Klub der Legenden“, der für die DEG werben soll. Heute will der Verein zum Stand der Dinge informieren. Ein Konzept soll nicht präsentiert werden. Es heißt, die DEG brauche noch etwas mehr Zeit - die sie aber eigentlich nicht hat.
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