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DEG: Faire Torfabrik stürmt die Spitze

VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 14.12.2010 - 09:27

Die Trainer der gegnerischen Mannschaften können derzeit nur neidvolle Komplimente verteilen. "Die DEG ist die Mannschaft der Stunde", erklärte beispielsweise Larry Mitchell nach der 1:4-Niederlage seiner Augsburger Panther in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vor rund einer Woche.

Jürgen Rumrich, Übungsleiter der Straubing Tigers, sagte nach der 2:5-Pleite am Sonntag an die Adresse seines Düsseldorfer Kollegen Jeff Tomlinson: "Man kann Jeff zu dieser Mannschaft nur gratulieren. Man hat gesehen, welche Klasse dieses Team hat." All das Lob kommt nicht von ungefähr, denn mit sieben Siegen in Serie - beziehungsweise 14 Erfolgen aus den vergangenen 16 Spielen - hat sich die DEG an die Spitze der DEL geschossen. Zwar hat der Tabellenzweite Wolfsburg noch drei Spiele weniger bestritten, doch ganz oben stand der achtfache Deutsche Meister das letzte Mal im Jahr 2008.

Der Aufschwung hat zahlreiche Gründe - hier die wichtigsten:

Trainer Jeff Tomlinson (40) hat auf seiner ersten Station als DEL-Cheftrainer ein Spielsystem installiert, das nach einer längeren Anlaufphase, in der die DEG zwischenzeitlich Vorletzter war, nun voll überzeugt. "Wir vertrauen uns defensiv wie offensiv", nennt Stürmer Evan Kaufmann das. Nur so kann dieses extrem offensive System, in dem auch Verteidiger stürmen und Angreifer Abwehrarbeit leisten, gespielt werden.

Torfabrik Die 97 erzielten Treffer in bislang 27 Spielen sind der Liga-Höchstwert - besonders viel Freude bereitet den Düsseldorfer Fans, dass die DEG damit exakt so viele Tore geschossen hat, wie Erzrivale Kölner Haie kassiert hat. Straubing hat ebenfalls in 27 Partien mit 90 Toren die zweitbeste Offensive. Damit hängt die DEG in dieser Spielzeit die Torfabrik der vergangenen drei Jahre, die Eisbären Berlin deutlich ab, die in 26 Partien erst 79 Mal getroffen haben. Im Vorjahr hatten die Düsseldorfer in der gesamten Hauptrunde (56 Partien) 181 Tore geschossen, Berlin ganze 209. Noch deutlicher lagen die beiden Klubs in den Jahren zuvor auseinander: In der Saison 2008/2009 schoss die DEG in der Hauptrunde 159 Tore, Berlin 214, im Jahr davor waren es 169 zu 231. In diesen beiden letztgenannten Spielzeiten wurden die Berliner am Ende Meister - mit Tomlinson als Co-Trainer.

Nervenstärke Jedes Mal, wenn sie in die Verlängerung oder ins Penaltyschießen mussten, haben die Düsseldorfer gewonnen.

Ausgeglichenheit Nur zwei Akteure im 20-köpfigen Spielerkader haben noch nicht getroffen: Stürmer Mark Murphy und Verteidiger Marian Bazany. Insgesamt ist aber nahezu jede Reihe für Treffer gut, selbst die vierte mit den Youngstern Diego Hofland, Mark McCutcheon oder Martin Hinterstocker, deren vornehmliche Aufgaben eigentlich das Verhindern von Toren und das Entlasten der anderen Reihen ist, hat bereits Treffer beigesteuert. Reihe eins um Mittelstürmer Rob Collins zeichnet für 27 Tore verantwortlich, Reihe zwei um Tyler Beechey für 26. In Adam Courchaine haben im Wechsel die Reihen drei und vier einen Stürmer, der wie die besten Torschützen des Teams, Kaufmann und Beechey, bereits elfmal getroffen hat. Das Verteidiger-Duo Andy Roach - der beste Vorlagengeber des Teams mit 22 Assists - und Andy Hedlund, der bereits zehn Mal getroffen hat, dürfte das offensivstärkste Abwehr-Paar der Liga sein.

Überzahlspiel 31 Tore hat die DEG bislang erzielt, wenn der Gegner Strafen absitzen musste - das ist eine Erfolgsquote von 26,5 Prozent und ebenfalls Liga-Höchstwert.

Fairness Steigerungspotenzial bietet bei den Düsseldorfern derzeit (fast) nur das Unterzahlspiel. "Da müssen wir noch besser werden", fordert Trainer Tomlinson. Da die DEG aber mit dem Schnitt von 11,56 Strafminuten pro Spiel das mit Abstand fairste Team der Liga ist, kommen Unterzahlsituationen auch nicht allzu oft vor.

Am Freitag (20.20 Uhr) empfängt die DEG die Eisbären Berlin - die aktuelle Torfabrik also die der vergangenen Jahre. Mal sehen, wer danach Komplimente verteilen muss.

Quelle: RP

 
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