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DEG: Sturz auf Rang sieben droht

VON BENJAMIN TONN - zuletzt aktualisiert: 20.03.2010 - 13:44

Nach der zweiten Drittelsirene konnte der Großteil der 5706 Zuschauer im ISS-Dome nicht mehr an sich halten und verabschiedete die Spieler der DEG Metro Stars mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine. Mitte Januar zehn Punkte hinter Berlin noch auf Eisbären-Jagd, müssen die Rot-Gelben nach dem 4:5 gegen die Straubing Tigers vor dem letzten Hauptrunden-Spieltag der Deutschen Eishockey Liga um die direkte Play-off-Teilnahme bangen.

DEG-Manager Lance Nethery Foto: rpo, Falk Janning
DEG-Manager Lance Nethery Foto: rpo, Falk Janning

Als die Akteure nach Spielende geknickt vom Eis schlichen, mischte sich von den Rängen zumindest vereinzelter Beifall unter die Pfiffe. Das Bemühen konnte man dem achtfachen deutschen Meister gegen die frei von Druck aufspielenden Niederbayern, die den dritten Sieg in Folge landeten, nicht absprechen. Allerdings war der Glaube in die eigenen Fähigkeiten nach zuvor acht Niederlagen aus elf Partien sichtlich abhanden gekommen.

Die frühe Führung von Brandon Reid brachte nicht die erhoffte Sicherheit. Es war erst das zweite Mal in den letzten acht Spielen, dass die DEG den ersten Treffer des Tages erzielt hatte. Dem 1:1 ging ein kapitaler Bock von Chris Harrington voraus, beim 2:3 und 3:4 wurde der Favorit vom Rhein zweimal nach dem gleichen Strickmuster eiskalt ausgekontert – beim 3:4 sogar in eigener Überzahl. Hinten fehlte es an Konsequenz, vorne insbesondere beim Spiel Fünf-gegen-Fünf an Biss. Beim Lattenknaller von Rob Collins im Schlussdrittel fehlte das berühmte Quäntchen Glück.

Gegen Augsburg ohne Holzer und Kreutzer

"Straubing war in den entscheidenden Situationen cleverer. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat gekämpft", sagte Manager Lance Nethery, der nach der Trennung von Harold Kreis sein Comeback hinter der Bande feierte. Zuletzt hatte Nethery nach dem Rausschmiss von Slavomir Lener im November 2007 die DEG bis zum Saisonende betreut, führte die Düsseldorfer vom Tabellenkeller immerhin ins Halbfinale.

Die hervorragende Ausgangsposition für die Play-offs ist dahin, das Heimrecht im Viertelfinale nach dem Absturz auf Rang fünf wahrscheinlich verloren. Schlimmer noch: Wenn die DEG am Sonntag in Augsburg nicht punktet, droht ein Nachsitzen in den Pre-Play-offs, wenn zugleich der Sechste ERC Ingolstadt gegen die Hannover Scorpions sowie der siebtplatzierte Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg bei den Hamburg Freezers gewinnt. Ein durchaus realistisches Szenario.

Zudem verschäft sich vor dem Augsburg-Spiel die Personalsituation. Korbinian Holzer und Daniel Kreutzer werden wegen der jeweils dritten Zehn-Minuten-Strafe zuschauen müssen. Während Holzer die Strafe nach einem wüsten Faustkampf gegen Tiger Eric Meloche erhielt, handelte sich Kreutzer die Sanktion nahezu unbemerkt ein: Aufgrund einer für ihn unberechtigten Zwei-Minuten-Strafe wegen Halten des Stockes kurz vor Spielende, verabschiedete die Identifikationsfigur nur Schiedsrichter Willi Schimm und verweigerte dessen Kompagnon Alfred Hascher den Handschlag. Der bedankte sich kurzerhand mit der für Kreutzer folgenreichen Disziplinarstrafe. Möglich, dass nun sogar der an der Rippe verletzte Adam Courchaine auf die Zähne beißen muss und mit einem Panzer auflaufen wird.

Kräftemessen mit Köln möglich

Aus wirtschaftlicher Sicht könnte man bei der DEG an der Play-off-Qualifikation wenigstens etwas Positives abgewinnen: Düsseldorf würde nämlich höchwahrscheinlich auf die Kölner Haie treffen und sich und dem klammen Nachbarn aus der Domstadt bei mindestens einem Heimspiel vor stattlicher Kulisse wenigstens noch einmal die Taschen vollmachen. In einem möglichen Viertelfinale würde dann Wolfsburg oder Frankfurt warten. 

Die DEG muss möglichst schnell wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Die Saison ist noch nicht verloren. Ganz im Gegenteil: Sie geht mit den Play-offs erst richtig los. Wenn Lance Nethery die richtigen Mittel findet und der Mannschaft wieder Selbstvertrauen einflößt, ist mit der Unterstützung der Zuschauer sogar weiterhin der Titel möglich. Die Eisbären wurden in der Hauptrunde nicht durch Zufall dreimal geschlagen. Beim personellen Aderlass, der aufgrund des für die nächste Saison heruntergefahrenen Etats bevorsteht, ist es möglicherweise für viele Jahre die letzte reale Chance.


 
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