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Reisemagazin lästert über Düsseldorf: Der Neid auf Kö und Kaviar

VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 14.02.2011 - 10:29

"Zumutung Düsseldorf" heißt ein Text, den das Hamburger Reise-Magazin Merian online präsentiert. Eine Mode-Kolumnistin erzählt augenzwinkernd vom Widerwillen ihrer Kollegen, wenn sie an den Rhein müssen. Der hiesigen Society ist das egal. Sie feiert sich wie in der Nacht zu Samstag im Hyatt.

Sie leben in Meschede, aber kommen oft nach Düsseldorf: Das Unternehmer-Ehepaar Hans-Georg und Gisela Muth.  Foto: privat
Sie leben in Meschede, aber kommen oft nach Düsseldorf: Das Unternehmer-Ehepaar Hans-Georg und Gisela Muth. Foto: privat

Der Düsseldorfer muss sich wohl damit abfinden – in Hamburg und Berlin (Köln lassen wir jetzt mal außen vor, das ist Folklore!) gibt es einige Leute in der Medienbranche, die ihn und seine Stadt nicht mögen. Unvergessen die nörgeligen Kommentare von der Spree nach dem ESC-Entscheid für die NRW-Landeshauptstadt, als Berlin in die Röhre schaute und eingeschnappt war. Jetzt legt Merian nach – das ist das Reise-Magazin für jene Menschen, die wissen, dass Bello keineswegs nur ein Rufname für Hunde, sondern ein Kompliment für Italiener ist.

Diese Leser aus dem Rest der Republik außer Düsseldorf lernen in dem Text (siehe Auszug) eine Menge über die Stadt. Danach werden sie vor allem eins wissen: Alle Vorurteile, die Nicht-Düsseldorf-Kenner haben, sind wahr. Das Trinkwasser durch Mengen von Wasserstoffperoxid verseucht (wegen der ganzen falschen Blondinen), keine vernünftige Kneipen-Kultur (allerdings werden Robert's, Uerige, Füchschen und Olio lobend erwähnt) und insgesamt protzt die Stadt mit ihrem Wohlstand: prollig, aber reich, so das Resümee. Also: Kein Stil.

Aha.

Dass die Autorin bisweilen daneben liegt, fällt nur wenigen auf. Nehmen wir mal das Beispiel Jades: In dem Laden, so teilt sie einer vermutlich Zunge-schnalzenden Leserschaft mit, geben oben genannte Blondinen das halbe Monatsgehalt des Gatten für sündhaft teure Fümmelchen aus. Mag stimmen – aber nur teilweise. Über das, was Jades umsetzt, kann Kö-Mode-Papst Albert Eickhoff nur süffisant lächeln, sagen Insider. Er kommt in besagtem Text aber nicht vor. Und wo man sich über die mangelnde Qualität der Küche mokiert, da wird übersehen, wie viele Gourmets aus dem ganzen Land zu den hiesigen Top-Köchen wie Jean Claude Bourgueil, Peter Nöthel und Yoshizumi Nagaya pilgern. Von den angesagten Vierteln in Flingern oder um die Lorettostraße ganz zu schweigen.

Ebenfalls zu Gast im Hyatt: Ärztin Barbara Sturm mit Moderatorin Birgit Schrowange und Schauspielerin Tina Bordihn. Foto: privat

Was soll's: Schwamm drüber!

Vielen der Düsseldorfer Society ist es eh egal, was über sie verbreitet wird. Hauptsache, der Name ist korrekt geschrieben und auf dem Foto fällt nicht auf, dass man hier und da noch nicht behobene Probleme mit der Epidermis hat. In der Nacht zu Samstag war diese "Gesellschaft" übrigens wieder unter sich: 1200 junge Frauen jeden Alters nebst den dazu gehörenden Männern waren dem Lockruf des Hyatt-Hotels im Hafen zur Eröffnung gefolgt. Bereut haben sie das am Ende garantiert nicht. Schließlich war die Bandbreite dessen, was sich Augen und Gaumen präsentierte so breit und vielfältig wie der Gästekreis selbst: Von allem, aber vor allem von allen war was/jemand dabei – seriös und nicht so seriös, jung und nur scheinbar jung, erfolgreich, interessant, prominent. Oder eben nicht so prominent.

Der Sekt (oder war es Schampus?) strömte eisgekühlt in die schlanken und schnell beschlagenen Gläser. Kaviar satt kam aufs Tellerchen, für alle Fälle hätte man sicher auch ein Schnäpschen aus der (nebenan liegenden!) Killepitsch-Fabrik haben können. Wer wollte, der bekam ein Bier (Pils, Alt – ganz nach Geschmack!). Freundlich strahlende Japaner rollten Sushi wie bei Toyota am Fließband, ein Alm Öhi erklärte im breitesten Schwyzerdütsch die Vorzüge alpiner Ziegenkäse-Sorten. Und das Dessert-Büffet war so groß wie das Wohnzimmer der Präsidente-Suite im 17. Stock, in der man pro Nacht für 2000 Euro – mit Blick auf Düsseldorf durch bodentiefe Fenster – nächtigen oder sonst was tun kann. "Das ist echt weltstädtisch," raunten bei der Hausbesichtigung manche voller Andacht angesichts einer atemberaubenden Optik. Weltstädtisch! Geht doch!

Apropos Optik: Gucken und Begucktwerden war angesagt. Wo sonst trifft die unübersehbare Unternehmergattin Gisela Muth (im Mini-Rock mit schenkelhohen High-heels-Lackstiefeln!) auf den überaus seriösen Chef der Berenberg-Bank. Wo kann man darüber rätseln, wer die dunkle Schönheit neben dem weltberühmten Foto-Künstler Andreas Gursky ist?

Hier!

Fazit: Viel Vergnügen, buchstäblich!

Quelle: RP

 
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