HSG: Göppingen zu stark für HSG
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 08.03.2010 - 08:23Mit 28:33 verlor der Tabellenvorletzte der Handball-Bundesliga sein Heimspiel. Die Gäste wurden ihrer Favoritenrolle gerecht. Die Nationalspieler Lars Kaufmann und Michael Haaß bestimmten das Geschehen.
Beim Blick durch das Burg-Wächter-Castello wurde ziemlich schnell klar, wer der Star des Abends war. Mit Buntstiften stand auf einem Plakat geschrieben: "Lars – du bist super". Eine Einschätzung, die das Gros der HSG-Fans sechs Minuten vor Ende der Handball-Bundesliga-Partie nicht mehr teilte. Denn der Nationalspieler von Frisch Auf Göppingen, Kaufmann mit Nachnamen, wurde in dieser Phase bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Nicht, weil sein Team am Ende mit 33:28 (17:11) beim Tabellenvorletzten gewann, sondern weil die Düsseldorfer dem 1,99-Meter-Mann Schauspielerei unterstellten. Der Blondschopf war in der 53. Minute von HSG-Kreisläufer Patrick Fölser im Gesicht getroffen worden, hatte sich behandeln lassen und das linke Auge mit Eis gekühlt, bevor er wieder aufs Parkett kam – da begann das Pfeifkonzert.
Das war aber unmittelbar nach Spielende vergessen. Kaufmann wurde belagert von Autogrammjägern, für die er brav eine Viertelstunde opferte. Immer wieder posierte er mit Kindern für Erinnerungsfotos, selbst deren Eltern wollten mit dem Hünen auf ein Bild. Nach den Pfiffen doch ein wenig skurril. "Das ist schon ein bisschen merkwürdig", befand Kaufmann, brachte aber Verständnis für die HSG-Fans auf: "Wenn alle Augen auf einen gerichtet sind, bewerten einen die Leute anders. Fölser schlägt mir voll ins Gesicht, aber das konnten die Zuschauer nicht sehen. Es war eine normale Aktion im Handball, die mit der Zeitstrafe auch normal geahndet wurde."
Er selbst hatte nicht unbedingt Normalform gezeigt, die Ausbeute von sechs Treffern hätte er bei etwas mehr Präzision auch verdoppeln können. Kaufmann hatte sich schon während des Spiels über sich geärgert, nach einem Fehlwurf mit gefühlten 200 Kilometern pro Stunde laut "Mann!" gebrüllt, doch die Bälle gingen auch in der Folge immer mal wieder ein gutes Stück übers Tor. HSG-Trainer Goran Suton hatte vor der Partie im Scherz angekündigt, die Torlatte tiefer zu setzen, um Kaufmann zu stoppen, der Nationalspieler entgegnete daraufhin schulterzuckend: "Manchmal ist das Visier halt nicht richtig eingestellt. Man kann nicht immer 100 Prozent treffen."
Es reichte aber für Göppingen, weil Nationalspieler Michael Haaß gegen seinen Ex-Klub einen Sahnetag erwischt hatte und neben einer starken Spielleitung auch acht Mal traf. Komplimente an Haaß wollte HSG-Kapitän Michael Hegemann aber nicht verteilen, sondern fand selbstkritisch: "Wir haben die zweite Welle von denen nicht in den Griff bekommen und durch leichte Fehler selbst das Spiel aus der Hand gegeben. Göppingen strotzt vor Selbstvertrauen, wir haben daran zu knabbern." Trainer Suton ärgerten technische Mängel und das Fehlen von Gegenstößen. "Wenn das zusammen kommt, kann man gegen eine Mannschaft wie Göppingen nicht gewinnen." Das sah Kaufmann ähnlich. "Wir wussten: Wenn wir genauso kämpfen wie Düsseldorf, gewinnen wir hier, weil wir die bessere Mannschaft sind", sagte der Star des Abends zu Recht.
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