Eklat in der Kreisliga A: Zuschauer würgt Schiedsrichter
VON FRANZ KORFMACHER - zuletzt aktualisiert: 29.11.2010 - 16:40Die Kreisliga-A-Partie zwischen SFD und Kosova endete in Tumulten. Unter Polizeischutz musste der Unparteiische das Stadion verlassen. Nach dem skandalösen Auftreten des FC Kosova will der SFD auf das Rückspiel verzichten.
Die weiteren Spiele
In der Gruppe 2 setzte sich der Garather SV bei DSV 04 II mit 3:2 (2:1) durch. Die Treffer gingen auf das Konto von Khalid Afkzir (13.) und Andre Zighan (35., 85.).
Der TSV Urdenbach verlor auf eigener Anlage gegen den Tabellenzweiten Hilden 05/06 mit 1:2 (1:0). Nur Andreas Stehling hatte zum zwischenzeitlichen 1:0 getroffen.
Schlimmer kann ein Fußballspiel nicht enden. Das Lokalderby zwischen dem SFD ’75 und dem FC Kosova in der Kreisliga A, Gruppe 2, wurde wegen brutaler Ausschreitungen kurz vor Spielende abgebrochen. Auslöser für den Eklat war beim Stand von 4:3 für den SFD ein nicht gegebener Elfmeter für Kosova.
Wütend stürmten die Kosova-Akteure auf Schiedsrichter Marcel Donath zu, es kam zur Rudelbildung. Donath zückte zunächst Gelb, dann direkt Rot für Naser Ilazi, der den Unparteiischen mit demselben Wort beschimpft hatte, für das am Wochenende auch Bundesligaprofi Ciprian Marica vom Platz flog. Daraufhin pfiff der Referee die Begegnung sofort ab. Seiner Aussage nach wäre 30 Sekunden später ohnehin Schluss gewesen. Kurz darauf rannte ein Anhänger des FC Kosova auf das Feld und würgte den Schiedsrichter.
SFD-Spieler schützen Referee
Die Akteure des SFD nahmen Donath in ihre Mitte und schützten ihn vor weiteren Angriffen. Sie geleiteten ihn in die Kabine. Der junge Mann war nervlich völlig fertig und konnte den Spielbericht nicht mehr ausfüllen. Mehrmals wurde noch gegen die Kabinentür getreten. Da sich auch noch einige Anhänger des FC Kosova auf der Anlage befanden, riefen die Verantwortlichen des SFD die Polizei zur Hilfe, die mit drei Einsatzwagen anrückte. Die Polizei brachte den Schiedsrichter später unbehelligt nach Hause.
Schon während des kampfbetonten Spiels hatte es mehrmals lautstarke und emotionale Kommentare zum Spielgeschehen seitens der Kosova-Anhänger gegeben. Voraussichtlich in 14 Tagen kommt es zur Spruchkammerverhandlung, mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Spiel mit 2:0 Toren und drei Punkten für den SFD gewertet. In dem im Internet noch gesperrten Spielbericht hat der Referee den Platzverweis vermerkt und den tätlichen Angriff des Zuschauers eingetragen. Ferner wird er einen Sonderbericht erstellen. Ob er außerdem Strafantrag gegen den Zuschauer stellt, steht noch nicht fest.
In der Vergangenheit war Kosova bereits mehrmals negativ aufgefallen, zeitweise drohte der Ausschluss vom Spielbetrieb. Noch vergangene Woche hatte Torwart und Spielertrainer Arben Nuha Besserung gelobt. „Ich habe in letzter Zeit meine ganze Kraft dafür eingesetzt, dass der Verein das negative Image abstreifen kann. Ich war bisher auch davon überzeugt, dass wir es schaffen können. Wir haben von dem Zuschauer, der den Schiedsrichter gewürgt hat, die Personalien aufgenommen und sie dem Referee zur Verfügung gestellt“, sagte er nach dem Spiel.
Der Vorsitzende der Fußballabteilung des SFD, Wolfgang Horn, erklärte, dass der Club die Entscheidung getroffen habe, in der Rückrunde nicht bei Kosova anzutreten. Der Verein wolle damit ein Zeichen setzen. Eine eventuelle Strafe seitens des Verbandes dafür nehme man in Kauf. Weiter betonte Horn, dass es unmöglich sei, dass der Kassierer in seinem Kassenhäuschen vor der Partie von Anhängern des FC Kosova beleidigt wurde.
Kommentar
Reale Szenen, die aus einem klischeehaften Hooligan-Film stammen könnten, erlebte Niederheid am Wochenende: Zuschauer, die schon vor dem Spiel den Mann im Kassenhäuschen anpöbeln; Spieler, die nach einer als ungerecht empfundenen Entscheidung den Schiedsrichter bedrängen und übel beleidigen – und schließlich ein aufgebrachter Anhänger des Teams, der aus der Kulisse stürmt und dem Unparteiischen an die Gurgel geht. Immer wieder Kosova! Auch diesmal war es kein Ausrutscher, die Liste der Verfehlungen der Fußball-Heißblüter vom Balkan ist zu lang. Spielabbrüche und Polizeieinsätze hat es vermehrt gegeben. Doch der Fußballverband reagierte nachsichtig, nein larmoyant. Nun sitzt Kosova erneut auf der Anklagebank, womöglich nicht nur der Sportgerichte. Der Angriff des Zuschauers erfüllt offenbar einen Straftatbestand. Nun ist der Sportverband gefragt. Er muss seine Mitglieder endlich nachhaltig vor Gewalt schützen. BERND BUSSANG
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