Hassels: Das grüne Dorf mit Tradition
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 16.01.2010 - 16:55Im vergangenen Jahrhundert hat sich Hassels stark gewandelt: Eine kleine Siedlung wurde Teil einer Großstadt. Dörflich ist das frühere "Haselholt" trotzdem geblieben: Die Bewohner rund um das Denkmal kennen sich und pflegen ihr Brauchtum. Stolz sind sie auf das viele Grün im Stadtteil. Sorgenkind aber ist die Hochhaussiedlung Hassels-Nord.
Am Anfang steht ein Missverständnis. Wer nicht aus dem Stadtteil kommt, kennt oft nur die Probleme, die von der Hochhaussiedlung in Hassels-Nord ausgehen. Das ist aber nur eine Facette des Stadtteils. Was Hassels vor allem ausmacht, sind seine Ruhe und Beschaulichkeit, das viele Grün und die nahe Natur. Und natürlich seine auf Tradition bedachten Bewohner.
Egal ob zum Einkaufen oder als Treffpunkt: Die Hasselsstraße rund um das Gefallenen-Denkmal bildet das Zentrum des Stadtteils. In nur wenigen hundert Metern Entfernung gibt es einen Supermarkt, einen Metzger, mehrere Ärzte, Kneipen und sogar ein Fitnessstudio. Rundherum erstreckt sich die für Hassels typische Wohnbebauung aus kleineren Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern. Hektik oder Lärm sind dort selten. Im Volksmund wird der Stadtteil deshalb auch gerne „Bad Hassels” genannt nicht zuletzt aufgrund des vielen Grüns und der Nähe zum Düsseldorfer Stadtwald. Industrie und Gewerbe sind am Rand von Hassels angesiedelt, und auch der meiste Verkehr läuft abseits des Zentrums über die Straßen Am Schönenkamp und Further Straße.
Das alte "Haselholt"
Ursprung Hassels ist vermutlich im 13. oder frühen 14. Jahrhundert entstanden. Um Platz für die Besiedlung zu schaffen, wurde der Wald gerodet.
Name Dass Hassels einst von Wald bedeckt war, zeigt auch der Name des Stadtteils. Er wurde aufgrund der verbreiteten Haselnusssträucher früher „Haselholt” genannt.
Eingemeindung 1929 wurde Hassels zusammen mit Benrath, Garath, Itter, Kaiserswerth, Lohausen, Reisholz und Urdenbach eingemeindet. Siedlungen In mehreren Schritten wurde Hassels erweitert.
Siedlungen wurden in den 1920er Jahren und den 1950er Jahren angelegt. Anfang der 1970er Jahre wurde die Hochhaussiedlung Hassels-Nord errichtet.
Die Ruhe weiß auch Jürgen Kürten zu schätzen. Wie die meisten Hasselser spricht er liebevoll vom „Dorf”, wenn er von Hassels redet auch wenn die über die Jahrzehnte gestiegene Einwohnerzahl aus dem einst kleinen Örtchen längst einen gewichtigen Stadtteil gemacht hat. „Hassels ist nach wie vor ein Dorf. Hier kennt man sich”, erzählt er. Als Ehrenchef der Hasselser St.\x0fAntoniusbruderschaft ist Kürten nah dran am Schützenwesen, das Hassels sehr stark prägt. Bereits zum 83.\x0fMal wird im Mai die Maikirmes der Schützen gefeiert. „Es ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres”, so Kürten, „auf das sich viele Bewohner das ganze Jahr über freuen.” Und noch eine andere Tradition wird in Hassels hochgehalten allen Widrigkeiten zu Trotz. Als vor 13 Jahren der Martinszug auszufallen drohte, sprang Martina Friedrich ein. Gemeinsam mit Alexandra Bierl sammelte sie Geld für den Zug und plante die Route. Fünf Jahre später managte sie den Zug alleine, bis sie im Oktober aufhörte. Nun droht der Zug wieder auszufallen. Doch Hassels wäre nicht Hassels, wenn es nicht irgendwie weitergehen würde.
Nicht nur Traditionen haben einen hohen Stellenwert, auch der Sport spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Im Fußball vertritt die SG Benrath-Hassels den Stadtteil. Der Klub mit seiner Mannschaft in der Kreisliga A ist auf dem Bezirkssportgelände „Am Wald” zuhause. Auf dem großen Gelände im Süden des Stadtteils spielt die Tennis-Abteilung des Vereins auf sechs Plätzen. Nicht weit davon entfernt trifft sich regelmäßig der Lauftreff vom Turnerbund Hassels, um bei Wind und Wetter durch den Forst zu laufen. All diese Angebote sind nicht unbedingt selbstverständlich für ein Viertel mit rund 17.000 Bewohnern.
Höchstleistungen werden in Hassels auch in anderer Hinsicht erzielt. Gewerbe und Industrie spielen dort eine wichtige Rolle, selbst wenn der Stadtteil in dieser Hinsicht nicht mit den starken Nachbarn Benrath und Reisholz konkurrieren kann. Die Grenze nach Süden prägt das Gelände von Komatsu Mining Germany, dessen Firmensitz zum Teil in Hassels liegt. Auf dem weitläufigen Areal baut das Unternehmen auf einer Fläche von 110\x0f000 Quadratmetern schwere Hydraulikbagger für den europäischen Markt. Nicht wenige der 650 Komatsu-Mitarbeiter wohnen in Hassels. Weitere Arbeitsplätze gibt es in den vergleichsweise kleineren Unternehmen, die sich entlang der Spangerstraße und In der Steele angesiedelt haben.
Die vielen positiven Entwicklungen stehen im Kontrast zu dem Sorgenkind des Stadtteils, der Hochhaussiedlung in Hassels-Nord. In den 1970er Jahren wurde die Trabantensiedlung um die Altenbrück-, Potsdamer- und Fürstenberger Straße geschaffen. Was damals als modern und angesagt galt, entwickelte sich schnell zu einem Problemquartier. Heute ist die Siedlung ein Viertel mit hohem Ausländeranteil, vielen Sozialhilfeempfängern und zweifelhaftem Ruf. Dennoch gibt es Bürger, die dies nicht hinnehmen wollen und sich engagieren. Zum Beispiel Carsten Hilbrans. Der Sozialpastor bietet im Treffpunkt Reisholz Sprechstunden für die Nachbarschaft an und wohnt selbst im Stadtteil. „Oft kommen die Menschen erst mit einem Formular zu mir, später dann erzählen sie mir ihre Geschichte.” Diese Geschichten handeln oft von finanziellen Problemen und dem Gefühl, missachtet zu werden. In kleinen Schritten möchte der evangelische Pastor die Situation der Menschen verbessern. So wirbt er dafür, dass sich die Bewohner der Siedlung im Düsseldorfer Mieterverein organisieren, um Druck auf die Vermieter der oftmals heruntergekommenen Häuser auszuüben.
Aber Hilbrans kennt auch die schönen Seiten von Hassels-Nord. „Im Sommer ist der Grünstreifen sehr belebt, und der Platz an der Fürstenberger Straße verwandelt sich in einen großen Spielplatz.” Woran es fehlt, sind die offenen Angebote, meint er. Eine Lücke in diesem Zusammenhang hat Daniela Budde bereits geschlossen. Die Tanzlehrerin hat vor einem Jahr in dem ehemaligen Kirchensaal der Verkündigungskirche an der Fürstenberger Straße ihre Tanzschule eröffnet. Kinder aus der Umgebung finden bei ihr eine Anlaufstation. Wenn im Sommer der lange geschlossene Jugendklub wieder eröffnet, gibt es für Kinder und Jugendliche einen weiteren Ort und für den Stadtteil eine neue gute Nachricht.
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