Ludenberg: Wo die Natur zuhause ist
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 30.01.2010 - 12:21Der Stadtteil hat kein Zentrum und ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Wohnsiedlungen. Sein Name ist vielen nicht bekannt, wohl aber seine attraktive Landschaft mit Wildpark, Rennbahn und Rochusclub.
Die Galopp-Rennbahn im Grafenberger Wald zählt der Grafenberger zu seinem Stadtteil. Der alte Standort des Derner Hofes, eines der wichtigsten Bauerngüter im mittelalterlichen Gerresheim, gehört für die Gerresheimer natürlich zu der ehemaligen Stadt rund um das Stift. Für die Hubbelrather ist der Hexhof mit der Hochzeitswiese Teil ihres Sprengels. Aber sie irren. Denn alle drei liegen auf dem Gebiet des Stadtteils Ludenberg. Dieser Irrtum macht deutlich: Ludenberg ist ein Ort zwischen markanten Orten, hat kein Zentrum mit einem eigenen Charakter, sondern ist eine Aneinanderreihung von Siedlungen entlang der Bergischen Landstraße Richtung Mettmann.
Den Bewohnern scheint dies gleichgültig zu sein. "Es gibt kein Ludenberger Selbstbewusstsein", sagt Wolfgang Ohneck. 1964 ist der pensionierte Schulpädagoge nach Ludenberg in die Siedlung am Poßberg-/Kißbergweg gezogen und hat seitdem Ludenberg schätzen gelernt. Vor allem wegen der schönen Landschaft, die Düsseldorfs flächenmäßig siebtgrößter Stadtteil eine Menge hat. Die sind mit ihren Hügeln im Vorfeld des Bergischen Landes, mit ihren Wäldern und Bachtälern reizvoll und lassen Natur erleben. "Wer hierhin in die Siedlungen gezogen ist, der liebt die Natur und will die Erholung mit Wandern und Joggen vor der Haustür nicht missen", sagt Ohneck.
Historisches
Erst 1852 wurde Ludenberg selbstständig. Vor diesem Datum wurde die Landgemeinde, in der damals nur einige Bauernhöfe lagen, von der selbstständigen Stadt Gerresheim mitverwaltet, gehörte zur Bürgermeisterei Gerresheim.
Als Gerresheim in eine Stadt- und Landgemeinde aufgeteilt wurde, wurde Ludenberg eine eigenständige Bürgermeisterei, die bis dicht an die Stadtgrenze von Gerresheim reichte.
1909 wurde Ludenberg zusammen mit Gerresheim nach Düsseldorf eingemeindet.
Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bereich um Gräulingerstraße / Ratinger Weg ein Zentrum der Ziegelindustrie.
Anwohner freuen sich daher auch über das naturnahe, geschlängelte Bett des Pillebachs im Tal zwischen Bergischer Landstraße und Rennbahn. "Es macht Spaß, dort zu wandern und die Natur zu beobachten", sagt Ohneck, bedauert aber die Verstädterung des Ortsteils: "Neu Hinzugezogene schonen die Pflanzen nicht, pflücken beispielsweise massenweise Blumen oder schnitzen aus jungen Bäumen Wanderstöcke." Ihnen fehle das Verständnis für die Natur.
Genau das wollen die Forstleute der Stadt im Wildpark wecken. Er ist das markanteste Ausflugsziel von Ludenberg. Von weither kommen Städter, um Hirsche, Damwild, Mufflons oder Wildschweine zu sehen. Die Waldpädagogen um Försterin Nina Jäger erzählen zudem in einer Waldschule vom Kreislauf der Pflanzen im Wald, haben einen Lehrpfad an Bäumen gestaltet oder zeigen, wie wichtig Insekten, Ameisen und Käfer sind. Viele Besucher ziehen auch die Galopp-rennen an der Rennbahn und der World-Team-Cup im Rochusclub an. Nicht zuletzt wegen der schönen Landschaft, in der sie liegen.
Ludenberg ist auch das Zentrum der praktischen Waldpflege. Ein ehemaliger Bauernhof, der Hexhof am Rotthäuser Weg, wurde zum Umweltzentrum ausgebaut. "Von hier aus fahren die Trupps zu den 200 Biotopen, die wir betreuen", berichtet Leiter Roger Behr. Das Rückschneiden von Weiden in Auen gehört dazu wie die Pflege von Streuobstwiesen. Bis zu zwölf Zivildienstleistende gehören zum Pflegeteam.
Die Stadtverwaltung hat Ende der 80er Jahre den Bauernhof erworben, als er zum Verkauf stand. Ziel war es, das Wuchern von Siedlungen in die Natur hinein zu bremsen. Am Rotthäuser Weg ist das auch gelungen. Aber entlang der Bergischen Landstraße entstand in den vergangenen Jahrzehnten ein Wohnviertel nach dem nächsten. Durch Wälle, Lärmschutzwände oder tiefe Gärten vor dem Verkehrslärm geschützt, lässt es sich dort gut wohnen. "Vor allem Menschen mit höherem Einkommen ziehen nach Ludenberg", sagt Ohneck auch mit Bedauern. Denn es fehle mehr und mehr die soziale Mischung. In den 1960er Jahren, als die ersten Siedlungen gebaut wurden, war das noch anders. Da wurden neben Reihenhäusern auch Wohnhochhäuser mit bis zu zwölf Etagen mit Mietwohnungen gebaut.
Die Kontakte der Anwohner reichen meist nicht über die einzelnen Viertel hinaus. Es fehlt eben ein Zentrum. Die Altenheimstatt Gallberg mit einem kleinen Versammlungsraum wurde nicht angenommen. Eine alte Kneipe am Gallberg schloss vor vielen Jahren, "der Moschenhof, der wieder eröffnet wurde, scheint jetzt zum Treffpunkt zu werden", so Ohneck. Am ehesten begegneten sich die Ludenberger beim Einkauf im einzigen Supermarkt an der Blanckertzstraße: "Da halten viele ein Schwätzchen zwischen den Regalen."
Für die Bewohner des Wohnviertels am Kaiserhof und der gerade im Bau befindlichen Häuser am ehemaligen Ringofen ist dieser Treffpunkt allerdings zu weit. Das Viertel orientiert sich wahrscheinlich nach Gerresheim. Wie schon in der industriellen Blütezeit. Seit dem 19. Jahrhundert war Ludenberg ein Zentrum der Ziegelindustrie. Mehrere Ziegeleien produzierten dort den Baustoff, der im wachsenden Düsseldorf begehrt war. Die Reste des Ringofens sind die einzige Erinnerung an diese Zeit – neben der unterschiedlichen Form der Hänge. Vor allem in der Nähe des Gallbergs sind sie nicht sanft gerundet, sondern steil abfallend. Dort hatten die Ziegeleien den Lehm für die Produktion abgetragen.
Die Wunden, die die Industrie dort geschlagen hatte, sind heute nicht mehr zu sehen, Bäume und Büsche kleiden die Hügelketten in eine schöne Landschaft ein. Die ist eben das hervorstechende Merkmal von Ludenberg.
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