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Gerresheim: Ein satirischer Blick auf die Welt

VON TORBEN NAUJOKAT - zuletzt aktualisiert: 03.02.2012

Gerresheim (RP). Uwe Schaale schaut sehr kritisch auf die Welt. Wenn er über die Politik und Gesellschaft in Europa spricht, fallen häufig Worte wie desolat, brüchig und fragwürdig. Er spricht von Problemen, "die wir uns selbst machen und danach nur verschieben, aber nie lösen."

Info

Otto Zwo als Galerie

Vor sieben Jahren wurde das "Kultureck Otto Zwo" an der Ottostraße 2 in Gerresheim gegründet. Sechs Künstler wollten in ihrem Stadtteil einen Platz für Ausstellungen aller Art schaffen. Mittlerweile betreiben nur noch Uwe Schaale und Sigrid Fehse das Kultureck. Gut 15 Ausstellungen sind jedes Jahr in der Galerie zu sehen, die Künstler kommen aus ganz Deutschland.

In seiner neuen Ausstellung im Kultureck Otto Zwo in Gerresheim will der 63-Jährige genau diese Missstände aufzeigen. "Die Leute diskutieren ungern ernsthaft über die Probleme, deshalb habe ich den satirischen Blickwinkel gewählt", erklärt Schaale die Idee hinter seinen Objekten.

Spinne lauert in ihrem Netz

Der Titel "Schlaraffenland" bringt auf den Punkt, worauf es Uwe Schaale ankommt. "Wir leben in einer Art Scharaffenland", sagt er. Darin stecke passenderweise der Begriff "raffen". Zu den Institutionen, die stark am Raffen beteiligt sind, zählt Schaale etwa Kirchen und Sekten. Sein Werk "Seelenfänger" zeigt eine große Spinne, die in ihrem Netz auf Beute lauert. Beklebt ist das Tier mit Bildern von Predigern und Anhängern aller Glaubensrichtungen. Dazu zählt Schaale sowohl die Religionen, aber auch Scientology oder amerikanische TV-Prediger. "Ich kritisiere nicht den Glauben als solchen", betont der Künstler. "Aber ich finde, dass jeder selbst überlegen sollte, was er glaubt und sich nichts von der Kirche vorschreiben lassen sollte."

Kritik gibt es im Kultureck auch für die europäischen Rettungsschirme, die im Werk von Uwe Schaale als kaputt dargestellt werden und offensichtlich nicht mal mehr vor Regen schützen.

Auch der Umgang mit Lebensmitteln, Atomkraftwerken sowie die Verantwortungslosigkeit gegenüber den nächsten Generationen sind Themen der Schau. "Kurz gesagt sehe ich mir seit 40 Jahren alles an, was die Menschen betrifft", sagt Schaale. Große Hoffnungen, dass er mit seiner Kunst etwas verändern kann, hat er allerdings nicht; das würden die Reaktionen auf seine Objekte zeigen. "Manche verstehen sofort, was ich ausdrücken will. Aber viele schauen nur interessiert, verstehen aber nicht, was ich ausdrücken möchte", erzählt er. Diese Verdrängung sei genau das Problem der Menschen. "Kritiker wie ich werden schnell als Pessimisten diffamiert", sagt Schaale verärgert. Den Menschen gehe es immer nur um Spaß. Sein Appell: "Ich habe nichts dagegen, wenn man Spaß hat, aber dabei dürfen wir die Grundbedingungen dafür nicht vergessen."

Es gibt nicht nur die Ausstellungsobjekte im Kultureck Otto Zwo zu sehen. Begleitet wird die Ausstellung von verschiedenen Performances und Konzerten. Einige davon präsentiert Uwe Schaale persönlich, für die anderen Programmpunkte hat er weitere Künstler eingeladen.

Bei der heutigen Vernissage wird um 19 Uhr eine Musikperformance mit dem Titel "Der kleine Agitator" gezeigt. Darstellerin Bettina Boos wird von Uwe Schaale musikalisch begleitet. Eine Woche später, am 10. Februar um 20 Uhr, tritt das Duo Andreas Niggemeier und Anselm Klatt auf. Sie singen und lesen "proletarische Balladen und Protestlieder". Der Eintritt kostet dafür acht Euro.

Die Ausstellung "Schlaraffenland" ist bis zum 4. März im Kultureck Otto Zwo an der Ottostraße 2 in Gerresheim zu sehen. Die Galerie hat mittwochs von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP


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