Haan: 100 Jahre SPD Gruiten: Erinnerungen an bewegte Zeiten
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009Düsseldorf (RPO). Mit Festreden und Gesang, Posaunenmusik und vor allem einem gemütlichen Beisammensein feierte die SPD Gruiten gestern Abend im Pfarrsaal von St. Nikolaus ihr 100-jähriges Bestehen. Neben der Bühne hing die Ortsvereinsfahne von 1963, an einer Wand gab es eine Galerie von Wahlplakaten aus vielen Jahrzehnten. Der Posaunenchor Gruiten, der Männergesangverein und der Gospelchor sorgten für die musikalische Gestaltung.
Landrat Thomas Hendele streifte die Geschichte eines der ältesten SPD-Ortsvereine im Kreisgebiet, die Verhaftungen von Genossen in der Kaiserzeit ebenso erlebte wie sie schwere Schläge für die örtliche Wirtschaftsstruktur (Schließung der Weberei Edelhoff und der Kalkwerke) verkraften musste.
Bürgermeister Knut vom Bovert würdigte den Einsatz der Gruitener SPD-Politiker, die nah bei den Bürgern seien und für die Interessen einträten. Landtagsvizepräsident Edgar Moron ging in seiner Festansprache auf 100 Jahre SPD ein. Die Jahre seit 1909 nannte er ein "revolutionäres Zeitalter", das riesige Katastrophen und gewaltige gesellschaftliche Umbrüche erlebt habe. Die SPD sei seit ihrer Gründung nicht nur ihrem Namen treugeblieben, sondern auch ihren Grundsätzen, habe sich vom Klassenkampf zur Volkspartei entwickelt. Er forderte die Genossen auf, junge Menschen so anzusprechen, "dass sie Spaß daran haben, mit uns an ihrer eigenen Zukunft zu arbeiten".
"Wieder Maß und Mitte erkennen"
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bekannte, schon vor 23 Jahren, am 11. April 1986, erstmals im Pfarrsaal gewesen zu sein. Damals war er zur Hochzeit des damaligen NRW-Staatskanzlei-Leiters Georg Wilhelm Adamowitsch ("Adam") mit der Gruitenerin Ingrid Viehmann eingeladen. In seiner Festansprache ging der Minister auf die Wirtschaftskrise ein. "Was wir augenblicklich erleben, kann eine Bedrohung sein", sagte er. Anschaulich erläuterte er, warum der Staat gigantische Summen bereitstellt, um der Wirtschaft zu helfen, die Probleme zu bewältigen. Das freie Spiel der Kräfte am Markt habe versagt. Eine Lehre könne aus der erlebten Zäsur gezogen werden: "Dass wir in dieser Lage wieder Maß und Mitte erkennen, die wir in unserer Gesellschaft brauchen."
Jens Lemke, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes, blickte als "schwarzer Bruder" in die Gruitener Geschichte zurück. Und er hatte ein besonderes Geschenk mitgebracht: Weil große Teile des SPD-Archives verloren gingen, hatte Lemke im CDU-Archiv gestöbert und Heiner Wolfsperger eine Reihe alter Dokumente mitgebracht.
Einige Schlaglichter der Gruitener SPD-Geschichte lieferte ein Leporello, in dem auf einem Zeitstrahl wichtige, aber auch humorige Ereignisse aus der Welt, aus Deutschland, Gruiten und dem Ortsverein kombiniert waren. So etwa für 1929: Da entdeckte Fleming das Penicillin, gab es die mit dem Schwarzen Freitag beginnende Weltwirtschaftskrise und sprachen sich der SPD-Ortsverein und der gesamte Gemeinderat gegen eine Eingemeindung nach Haan aus.
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