Hilden: 130 Mal um die Erde gefahren
VON SEBASTIAN BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 15.05.2007Düsseldorf (RPO). Henning Kurschilgen wird heute von Landrat Thomas Hendele für 5,3 Millionen Kilometer ohne Punkt und ohne Unfall ausgezeichnet. Der Lkw-Fahrer fährt auch mit 67 Jahren noch jeden Tag Briefe durch die Region.
Sein Führerhaus war immer sauber, betont Henning Kurschilgen. Das war auch besser so: „Unser Chef hat das sonst schon mal mit dem Wasserschlauch gereinigt“, berichtet der 67-Jährige, der viele solcher Anekdoten erzählen kann.
Im Alter von 19 hat er seinen Führerschein gemacht. „Früher, ach, das waren noch Zeiten. Als wir auf der Fahrt nach Hamburg schon fast am Ziel waren, haben wir unseren Chef angerufen und erklärt, wir stünden noch bei Bremen im Stau. So hatten wir zwei bis drei Stunden Pause“, erzählt Kurschilgen und lacht. Damals musste er auch noch zur Telefonzelle laufen, um seine Firma zu erreichen.
Stress nahm ständig zu
Als die Fahrzeuge mit Autotelefonen ausgerüstet wurden, waren die Zeiten vorbei: „Dann rief ständig der Disponent an und wollte wissen, wo wir sind und wann wir am Ziel ankommen“, erinnert er sich. Trotzdem: Die Arbeit hat ihm immer Spaß gemacht und er gerät auch heute noch beim Anblick eines Lkw ins Schwärmen: „Inzwischen haben die bis zu 600 PS, ich habe damals mit 180 angefangen. Im ersten Gang ging es den Berg rauf. Da war man froh, wenn man oben war.“
Weitere Auszeichnung
Auch Alfred Müller wird heute von der Verkehrswacht ausgezeichnet. Der Haaner hat seit 40 Jahren den Führerschein. Bisher hat er keinen Punkt in Flensburg gesammelt und keinen Unfall verursacht.
Beruflich fuhr der inzwischen 58-Jährige lange Jahre jeden Tag von Hilden nach Bonn zur Arbeit in einem Bundesministerium in Bonn. Das waren 800 Kilometer pro Woche. Inzwischen ist er im Ruhestand und fährt maximal 15 000 Kilometer im Jahr.
Seine Fahrten führten ihn meist durch Deutschland oder das angrenzende Ausland. Als die Mauer fiel, ging es erstmals in den Ostblock: „Einmal musste ich dort vor einer Brücke anhalten, weil die Höhe nicht angegeben war. Ich habe nachgemessen und mein Wagen war zu hoch. Da musste ich drei Kilometer rückwärts fahren, bevor ich wenden konnte“, erinnert sich der Hildener an eine der Fahrten mit seinem 40 Tonner durch die DDR. Über die Jahre konnte er hautnah beobachten, wie der Zeitdruck zunahm: „Als wir ein Satellitten-System in den Wagen bekamen, wusste unser Disponent jederzeit, wo wir stehen. So ein Trick wie mit Hamburg lief dann nicht mehr“, meint Kurschilgen.
Kein Raser und Drängler
Über die Jahre hat er sich eine defensive Fahrweise angewöhnt: „Wer ständig Vollgas gibt, kommt auch nicht schneller an. Es bringt einfach nichts“, sagt der 67-Jährige. Deshalb fährt er auch privat selten schneller als 110. Das dürfte mit ein Grund sein, warum er heute von Landrat Thomas Hendele für langjähriges unfallfreies Fahren ausgezeichnet wird. Bis 2009 – dann läuft sein Lkw-Führerschein ab – fährt Kurschilgen weiter. Mit einem Zwölftonner transportiert er an fünf Tage pro Woche Briefsäcke durch die Region.
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