Hilden: 45.000 bei Zoch durch die Gemeinde
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 20.02.2012 - 18:45Hilden (RPO). Bei strahlendem Sonnenschein zogen Rosenmontag 48 Wagen und Gruppen rund zwei Stunden durch die Hildener Innenstadt. Viele Familien säumten den Zugweg, aber politische Spitzen sah man in diesem Jahr nur selten.
Schön bunt war der Rosenmontagszug in diesem Jahr wieder – und unpolitisch wie selten. Der als Schneemänner kostümierte Freundeskreis Gribsi nahm das Winterdienst-Desaster des Baufhofs im letzten Jahr aufs Korn und bot als Alternative den „Freiwilligen Bürger Streudienst“ an.
Die Interessengemeinschaft Erkrath spießte die Kohlenmonoxid-Leitung der Firma Bayer auf. Bayer-Vorstände halten Regierungspräsidentin Lütkes, Ministerpräsidentin Kraft und Umweltminister Remmel Augen, Mund und Ohren zu. BA/CDf zog als einzige Ratsfraktion mit einem Wagen im Zooch mit.
Sie verglich Hilden mit einem kleinen gallischen Dorf, in dem das Geld aus dem Fenster geworfen werde, während ganz Europa spare. Das war‘s dann auch schon an politischen Nadelstichen. Die Mitglieder der „Hildener Narrenpartei“ (HNP) hatten sich aufwendig als rot-weiße Leuchttürme kostümiert – etwa eine Anspielung auf gescheiterte Hildener „Leuchtturmprojekte“ ?
„Die Unvollendete“ stand auf dem Wagen der Musketiere. Das gab einige Rätsel auf. Der abgetrennte Kopf sollte keineswegs den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff (Kopf verloren) darstellen, sondern auf Karnevalsprinz Manfred III. verweisen. Der ist nämlich der Wagenbauer der Musketiere. Sie mussten in diesem Jahr auf ihn verzichten und dekorierten ihren Festwagen mit allerlei Torsi, die sie noch in der Wagenbauhalle gefunden hatten. Botschaft: Manfred, ohne Dich geht‘s nicht. Wir brauchen Dich.
Eindeutig und unmissverständlich war dagegen die Botschaft der Fußgruppe der „Eulen“. Sie haben ein großes „Herz für den Karneval“. Zweifellos die buntestes Gruppe im Zooch waren die „Hildener Läppchen“, deren Kostüme aus eben diesen bestehen: ein Hingucker.
Richtig süß waren die Eisbären des Jugendrotkreuz. Als himmlisches Engelsgeschwader kam die Salzgrotte Hilden daher. Der unwiderstehliche Rhythmus der Batucada-Gruppe Partido alto (Musikschule Hilden) fuhr den Jecken am Straßenrand an die Beine und brachte sie zum Tanzen.
Die Kinder und Eltern der Kita SPE Mühle bereicherten als muntere Piratenbande den närrischen Lindwurm. Das Sandbar-Team funktionierte einen riesigen Tieflader in eine fahrbare Disco mit fetziger Musik und Palme um. Die „Jecken Fründe“ haben zwar Knatsch im Verein, ließen sich das aber nicht anmerken.
Auf ihrem Wagen winkten viele süß verkleidete Kinder und warfen eifrig Süßigkeiten und Bananen in die närrische Menge. Die U11 Mädchen des SV Hilden Nord nutzten den Rosenmontagszug, um Werbung für sich und den Frauenfußball zu machen: „Fußball ist kein schwerer Sport, alle Mädchen kommt nach Hilden Nord.“
Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt der Session. Das sah man den beiden Hildener Prinzenpaaren Marcel und Kira und Manfred III. und Kerstin I. auch an. Hoch oben auf ihren turmhohen Wagen warfen sich winkend, lächelnd und Helau rufend mit beiden Händen Kamelle und Strüßje unters Volk. Sehr zur Freude der Kinder am Straßenrand. Ruben (6) war mit Bruder und Eltern zum Zoch gekommen. Den Flitzebogen hatte der Indianer zu Hause gelassen: „Weil ich beide Hände zum Klümpchen sammeln brauche.“
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