Hilden: Alles Walzer, aber langsam!
VON BARBARA JAKOBY - zuletzt aktualisiert: 27.02.2007Düsseldorf (RPO). Reportage Die Tanzsportgemeinschaft Blau-Weiß Hilden bietet zum ersten Mal einen Einsteigerkursus an. Für blutige Anfänger und Paare, die ihre verschütteten Fähigkeiten auf dem Parkett aufpolieren wollen.
Verdammt lang her. Der BAP-Song geht mit durch den Kopf, als ich die Aula der Albertz-Schweitzer-Schule betrete. Verdammt lang her, dass ich das letzte Mal getanzt habe. Bei der Hochzeit der Tochter war’s. Und der Kommentar, den ein Freund des Brautpaares damals nach einigen Runden übers Parkett mit mir abgab, sitzt immer noch tief: „Du hast ja ’ne nette Mutter, aber die lässt sich partout nicht führen.“
Die Gefahr kommt bei Udo Hargesheimer, der mir an diesem Abend als Tanzpartner zugeteilt ist, erst gar nicht auf. Der Vorsitzende der Tanzsportgemeinschaft Blau-Weiß Hilden hat mich fest im Griff. Den Paaren, bei denen die Rollenverteilung noch offen ist, gibt Trainer Dirk Peperzak – Pepi genannt – Tipps, die Ehen und Partnerschaften retten können: „Meine Damen, die Herrn führen. Und wenn sie es nicht tun, helfen Sie ihnen. Aber so, dass sie es nicht merken.“ Der Mann weiß, wovon er spricht. „Pepi“ hat 28 Jahre Tanzlehrererfahrung unter den Füßen, leitete zuletzt die Tanzschule Kaechele in Hilden.
Einsteigerkursus
Wann Jeweils mittwochs (außer 28. Februar) , 19 bis 20.30 Uhr. Einstieg in den neuen Kursus ist noch möglich.
Wo Aula der Albert-Schweitzer-Schule, Am Wiedenhof 1-5.
Kursgebühr 50 Euro pro Person.
Trainer Dirk „Pepi“ Peperzak.
Kontakt TSG Blau-Weiss Hilden e.V., Postfach 811, 40708 Hilden, Tel. 0 21 03 / 97 62 86.
Erste Trockenübungen
Für den Verein sei der Trainer ein Glücksfall, sagt Udo Hargesheimer. Und auch die Tanzneulinge an diesem Abend sind von der lockeren Art des Trainers angetan. Vor allem Spaß machen soll Tanzen, lautet sein Credo. Und damit das auch klappt, bringt Pepi die altersgemischte Truppe mit Späßchen immer wieder zum Lachen.
Nach einige Einführungsfloskeln geht es an die ersten Trockenübungen ohne Musik. Haltung annehmen. Schultern nicht hängen lassen. „Die Hand des Herrn liegt auf dem Schulterblatt der Dame, nicht tiefer“, gibt Pepi nebenbei ein wenig Anstandsunterricht. Dann geht’s los. Alles Walzer. Aber der langsame. Und für den Anfang nur rechtsherum. Pepi gibt das Tempo vor. Nie korrigiert er am Paar selbst, sondern zeigt mit einer Partnerin, wo die Tücken der Schritte liegen – und wo es einfach bescheuert aussieht, wenn Schrittfolge oder Haltung nicht stimmen. Die Gesichter der Tänzer zeigen Konzentration. Und dann kommt auch noch die Musik dazu. Die Zeit vergeht wie im Flug. Wie Öl geht es runter, als Udo Hargesheimer nach den ersten Walzerschritten zu mir meint: „Sie haben aber schon mal einen Tanzkursus mitgemacht.“ Ja, aber das ist verdammt lang her.
Acht Tänze an zwölf Abenden will Pepi seinen Schülern beibringen. Die Aula der Albert-Schweizer-Schule hat nicht gerade Tanzschulcharakter. Sitzecken für Verschnaufpausen gibt es nicht. Getränke muss jeder selbst mitbringen. „Aber wir haben sehr viel Platz zum Tanzen und einen tollen Boden“, preist Hargesheimer die Vorteile.
Dazu kommt: Der Einsteigerkursus kostet schlappe 50 Euro pro Person. Jeweils samstags ist kostenloses Training unter Pepis Fittichen. Für Steffi Heift (27) und Christopher Schuster (25) aus Monheim sind die niedrigen Kosten ein schlagkräftiges Argument. „Ich hatte das Gefühl, er ist mir zuliebe mitgegangen, aber es macht ihm richtig Spaß“ sagt die junge Frau strahlend. Die Führungsfrage haben die beiden bereits geklärt: „Sie fährt und ich führe“, meint der 25-Jährige lachend. Für Ulli und Ute Pilz aus Hilden ist es der zweite Tanzkursus ihres Lebens. „Den ersten haben wir gemacht, bevor wir geheiratet haben“, erzählen sie. Jetzt ist eine Auffrischung nötig, denn der Abiball der Tochter steht vor der Tür. Ulrich Braasch hat „ganz früher“ bei einem Ball in Bad Neuenahr sogar mal einen Preis fürs Walzertanzen bekommen. Jetzt wagt er sich mit Ruth Sieg aufs Parkett, „um das neue Hüftgelenk zu schmieren“.
Flotter Foxtrott
Beim Foxtrott, dem zweiten Tanz an diesem Abend, geht es flotter zu als beim Walzer. Da kann es schon mal passieren, dass die Füße nicht so wollen wie der Kopf. Kein Problem, meint Pepi. Übung macht auch hier den Meister.
Nach eineinhalb Stunden, als die anderen weg sind, will ich’s wissen. „Einmal ausprobieren, ob ich den Cha-Cha-Cha noch hinkriege“, bitte ich Udo Hargesheimer. Verdammt lang her, dass ich beim Tanzen so geschwitzt habe!
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